„Neighbourwatch“ in Kirchseelte

Gelebte Achtsamkeit zum Schutz vor Einbruch

Haustür-Aufkleber und Schilder sollen etwaigen Einbrechern zu verstehen geben: „Wir passen hier in unserer Siedlung aufeinander auf.“ Meike und Frank Mathé hätten nichts dagegen einzuwenden, wenn diese Idee Schule machte.
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Haustür-Aufkleber und Schilder sollen etwaigen Einbrechern zu verstehen geben: „Wir passen hier in unserer Siedlung aufeinander auf.“ Meike und Frank Mathé hätten nichts dagegen einzuwenden, wenn diese Idee Schule machte (Bild bitte durch Anklicken unten rechts öffnen). 

Kirchseelte – Auffällig viele Einbrüche hat die Polizei in jüngster Zeit gemeldet, etwa aus Dünsen, Harpstedt oder Wildeshausen. Auch in der Nachbarschaft von Meike und Frank Mathé am Eschenweg in Kirchseelte stiegen Unbekannte vor wenigen Tagen in ein Wohnhaus ein und ließen Schmuck mitgehen. Inzwischen prangen an Laternenpfählen in der Wohnstraße Schilder mit den Worten „Warnung“, „Nachbarschaftswache“ und „Geschützter Bereich“, kombiniert mit einem stilisierten Bildmotiv, das suggeriert: „Einbrecher haben es hier schwerer als woanders.“

Die „Warntafeln“ gehen auf Frank Mathé zurück und transportieren eine klare Botschaft, die da lautet: „In dieser Siedlung passt jeder auf jeden auf. Und deshalb besteht hier ein erhöhtes Risiko, bei einem etwaigen Einbruch erwischt zu werden.“

Dahinter steckt kein leicht durchschaubarer Fake, sondern tatsächlich gelebte Achtsamkeit: Die Eschenweg-Anlieger haben untereinander ihre Kontaktdaten ausgetauscht und können sich gegenseitig in der WhatsApp-Gruppe „Nachbarschaftswache“ sehr schnell warnen, sobald sie etwas Verdächtiges beobachten, das auf einen Einbruch hindeutet. Ihre besondere Aufmerksamkeit gilt Häusern, die wegen Urlaubsreisen oder aus anderen Gründen vorübergehend unbewohnt sind.

Idee stammt aus den USA

Bei etwaigen medizinischen Notfällen, Entstehungsbränden oder in anderen persönlichen Notlagen, in denen es auf rasche Hilfeleistung ankommt, kann sich die Chat-Gruppe ebenfalls bewähren. Obendrein stärkt sie den Zusammenhalt unter den Nachbarn. Es gehe wirklich darum, aufeinander achtzugeben, betont Frank Mathé, der die „Neighbourwatch“-Idee aus den USA abgekupfert hat.

Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle geht zurück

In Niedersachsen hat sich die Zahl der Wohnungseinbruchdiebstähle (wie bundesweit) nicht zuletzt coronabedingt weiter reduziert. 7.738 solcher Delikte bekam die Polizei im vergangenen Jahr gemeldet, 18 Prozent weniger als 2019. 2015 waren es landesweit indes noch 16.575 gewesen. Zugleich hat sich die Aufklärungsquote erhöht; sie bewegte sich im Jahr 2020 mit knapp 25 Prozent gleichwohl auf einem recht niedrigen Niveau.

Zwar muteten die Schilder an den Laternenpfählen vielleicht ein bisschen martialisch an; mit Bürgerwehr, Denunziantentum, „Gated Community“ (bewachte Wohnanlage) oder gar damit, das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen, habe die Aktion aber rein gar nichts zu tun.

Druckvorlagen sind kostenfrei zu haben

Die Polizei unterstütze die Idee sogar. „Alle, die dabei mitmachen, bekommen zusätzlich einen Aufkleber für die eigene Haustür“, erzählt Mathé. Die Botschaft ist die gleiche wie auf den Schildern, nur erweitert um einen ergänzenden Hinweis: „Verdächtige Aktivitäten werden umgehend gemeldet.“ Unter den Eschenweg-Anwohnern fand die Initiative nahezu hundertprozentige Zustimmung. Die gefertigten Druckvorlagen stellt Frank Mathé gern zur Verfügung. Gegen Nachahmer haben er und seine Frau Meike überhaupt nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil. Beide wünschen sich, dass die Idee auch in anderen Straßen und Orten Schule macht. Wer die Initiatoren kontaktieren will, erreicht sie unter Telefon 04206/41 999 2 oder per Mail an post@familie-mathe.de.

Die Schilder sind übrigens selbst gefertigt. Als solide Grundlage dafür griff Frank Mathé auf Mülleimerdeckel zurück. „Danach brauchen Sie jetzt im Baumarkt nicht mehr zu suchen. Die sind alle ausverkauft“, flachst der Kirchseelter.

Die meisten Wohnungseinbrüche werden übrigens in der Mittagszeit oder den frühen Abendstunden verübt.“

Frank Mathé

Die Schadenssumme als Folge von Einbruchdiebstählen sei gewaltig, weiß der 57-jährige Diplom-Ingenieur für Medizintechnik, der ein kleinen Sales- and Consult-Unternehmen betreibt: „Im vergangenen Jahr lag sie bundesweit bei etwa 220 Millionen Euro.“ Oft wiege der ideelle Schaden noch schwerer als der materielle. Hinzu kämen mitunter lang anhaltende psychische Folgen. Viele Opfer fühlten sich in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher, wenn sie erlebt hätten, wie Kriminelle – in ihrer Abwesenheit oder womöglich gar in ihrer Gegenwart – in die Privatsphäre eingedrungen sind und die persönlichen Sachen nach möglicher Beute durchwühlt haben.

Oft benehmen sich die Täter so, als gehörten sie zum Haushalt ihrer Opfer.“

Meike Mathé

„Die meisten Wohnungseinbrüche werden übrigens in der Mittagszeit oder den frühen Abendstunden verübt“, sagt Frank Mathé. Seine Frau weiß von einer alleinstehenden Dame aus Groß Ippener, deren Wohnung vor einigen Jahren während des Mittagsschlafes von Kriminellen heimgesucht wurde. Die Dreistigkeit der Täter findet die Krankenschwester (56) erschreckend: „Oft benehmen sie sich so, als gehörten sie zum Haushalt ihrer Opfer.“

Die jüngst von der Polizei kommunizierten Taten erwecken bei dem Kirchseelter Ehepaar den Eindruck, als seien die Täter regelrecht auf Beutetour gegangen.

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