Wenn die Feuerwehr vor verschlossener Tür steht / Szenario in Theorie und Praxis durchgespielt

Einbrecher wider Willen

Türöffnung ohne Schlüssel: Brachiale Gewalt ist keineswegs immer nötig, um im Notfall reinzukommen. Das bekamen die Feuerwehrleute während der Schulung in Theorie und Praxis aufgezeigt. Foto: Stiller

Harpstedt – Feuerwehrleute müssen sich etliche Fähigkeiten aneignen. Dass ihnen die Umstände im Einsatzgeschehen mitunter sogar Einbrecherqualitäten abverlangen, machen sich viele Mitmenschen oftmals gar nicht so bewusst. Doch das kommt vor. Auch in der Samtgemeinde Harpstedt.

Angenommen, jemand vermutet, ein Bekannter, Nachbar oder Angehöriger habe einen medizinischen Notfall erlitten, weil Indizien darauf hindeuten. Der Betreffende wählt die 110 oder 112. Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei werden zu der betreffenden Wohnadresse alarmiert, aber dort reagiert niemand auf wiederholtes Klingeln, Klopfen und Rufen.

Gewissheit, ob wirklich ein medizinischer Notfall vorliegt, kann nur das Öffnen der Eingangstür bringen. Aber darf sich die Feuerwehr einfach Zugang zu einer Wohnung verschaffen? Diese und weitere Fragen rund um Türöffnungen sind am Dienstag bei der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt besprochen worden. Die „Unverletzlichkeit der Wohnung“ zählt zu den Grundrechten. Artikel 13 des Grundgesetzes spricht da eine klare Sprache. Absatz sieben lässt allerdings „Eingriffe und Beschränkungen“ auch im Falle „einer Lebensgefahr für einzelne Personen“ zu. Und aus §39 des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes geht hervor, dass die Feuerwehr die Grundrechte „Freiheit der Person“, „körperliche Unversehrtheit“ und „Unverletzlichkeit der Wohnung“ in bestimmten Situationen einschränken darf.

Dürfen und Können sind aber bekanntlich zwei verschiedene Paar Schuhe. Daher erschöpfte sich die Beschäftigung der Harpstedter Feuerwehrleute mit dem Thema nicht nur in der grauen Theorie.

Im praktischen Teil ging es zunächst um die Notfallfensteröffnung – natürlich möglichst materialschonend. In zwei Gruppen aufgeteilt, bekamen die Schulungsteilnehmer von Jannik Stiller Kniffe und Tricks aufgezeigt, die im Einsatz eine Zeitersparnis bewirken, also schnell zum Ziel führen. Aus gutem Grund: Schließlich zählt im Ernstfall oft genug jede Minute, mitunter sogar jede Sekunde.

Danach ging es weiter zu Malte Siemers, der für das Themenfeld Notfalltüröffnung zuständig war. „Auch hier wurde wieder vom geringsten zum höchstmöglichen Schaden gearbeitet“, erläutert Jannik Stiller. Die Feuerwehrleute lernten, wie sie eine nicht abgeschlossene Tür mithilfe einfacher Werkzeuge öffnen und wie sie einen abgeschlossenen Türzylinder mittels Akkuschrauber und Ziehglocke aus dem Schloss ziehen können, aber auch das Aufhebeln mit Brechwerkzeug stand auf dem Übungsplan.

„Details zu den Türöffnungstechniken behalten wir natürlich für uns. Denn nichts liegt uns ferner, als etwaigen Nachahmern mit kriminellen Absichten eine Anleitung zum Einbruch zu liefern“, sagt Jannik Stiller.

Für die Schulung nutzten die Brandschützer eine Übungstür im Rahmengestell mit wechselbaren Schließzylindern. Die Notfallfensteröffnung konnten sie indes im Feuerwehrhaus durchexerzieren, zumal dabei keine Schäden entstanden.

Im Anschluss an den Übungsabend besprachen die Teilnehmer die Ergebnisse und beseitigten letzte Unklarheiten.  js/boh

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