Grubenhäuser: Grabungen in Reckum haben spannende Befunde ans Tageslicht gebracht

Einblicke in frühmittelalterliche Wohnkultur

Grabungsleiter Michael Wesemann an der Grabungsstätte in Reckum: Ähnlich wie im Fernseh-„Tatort“ sind sämtliche Befunde akribisch nummeriert und dokumentiert worden. Foto: Meier
+
Grabungsleiter Michael Wesemann an der Grabungsstätte in Reckum: Ähnlich wie im Fernseh-„Tatort“ sind sämtliche Befunde akribisch nummeriert und dokumentiert worden.

Reckum - Von Michael Meier. Bereits am Montag vergangener Woche begannen Mitarbeiter des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege aus Oldenburg, archäologische Funde ans Licht zu holen, die Jahrhunderte im Reckumer Boden schlummerten. Dabei ging es konkret um drei sogenannte Grubenhäuser, die bereits 2001 als solche verifiziert worden waren.

Doch wie offenbarte sich überhaupt das Geheimnis dieser verborgenen Kulturgüter? Die Antwort auf diese Frage klingt fast schon banal: Ein früherer Acker sollte in ein Waldstück umgewandelt werden. Um den jungen Baumtrieben einen optimalen Start zu bieten, entschied man sich für eine Tiefpflügung, damit möglichst viel Humus auch in tiefere Bodenregionen gelangte. Dabei fielen Klaus Benthe, dem damaligen leitenden Förster, merkwürdige Bodenstrukturen auf, die er sogleich dem Landesamt für Denkmalpflege meldete. Und in der Tat: Nach einer Luftbildanalyse kristallisierte sich schnell heraus, dass hier in frühmittelalterlicher Zeit, also vor über 1000 Jahren, ein oder zwei größere Bauernhöfe mit Wohnstallhäusern, Speichern, Scheunen, Werkstätten und Webhütten existierten.

18 Jahre nach dieser Entdeckung machten nun die Denkmalpfleger den Rücken krumm, um Genaueres darüber zu erfahren, wie die Menschen in der hiesigen Region damals lebten.

„Besonders die Webhütten waren trotz des Tiefpflügens gut erhalten, denn sie waren in den Boden eingetieft. Grubenhäuser gab es in der Zeit von etwa Christi Geburt bis in das 13. Jahrhundert. Die allermeisten der kleinen, etwa drei Meter mal vier Meter messenden und mehr oder weniger ganz in die Erde hineingebauten Gebäude dienten fast ausschließlich als Webhütten. Nur selten waren dort auch andere Werkstätten untergebracht – wie etwa eine Knochenschnitzerei oder eine Schmiede“, weiß Grabungsleiter Michael Wesemann.

Ähnlich wie im sonntäglichen ARD-„Tatort“ wurden sämtliche Befunde akribisch nummeriert und dokumentiert.

Besonders spannend fand Schulpraktikantin Rebecca Nuxoll (14) aus Cloppenburg die Grabung, zumal sie erstmals so etwas miterlebt hat. „Dass wir tatsächlich Scherben und sogar Eisengegenstände aus dem Frühmittelalter ans Tageslicht befördert haben, finde ich sehr faszinierend. Das ist eine tolle Erfahrung.“

Michael Wesemann ergänzte: „Wieder einmal haben wir ein paar Mosaiksteinchen gefunden, die Erkenntnisse darüber liefern, wie unser Vorfahren früher gelebt und gewirtschaftet haben. Und immer ist etwas Überraschendes und Besonderes dabei. In diesem Fall zwei Eisenfunde und die Einzelheiten der Gebäudekonstruktionen.“

Seit dem vergangenen Mittwoch sind die Grabungstätigkeiten in Reckum abgeschlossen. Nun ist erst einmal Büroarbeit in Oldenburg zu absolvieren, um die gewonnenen Erkenntnisse am Computer zu digitalisieren.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Die beliebtesten Kuchenklassiker und Tortenträume

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 2,95 Euro statt 9,95 Euro

Sechs Monate Audible inkl. Gratis-Hörbücher für monatlich 2,95 Euro statt 9,95 Euro

Vor zehn Jahren verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste Italiens

Vor zehn Jahren verunglückte das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia vor der Küste Italiens

Meistgelesene Artikel

Giftköder auf Hundeplatz? Besucher sehr besorgt

Giftköder auf Hundeplatz? Besucher sehr besorgt

Giftköder auf Hundeplatz? Besucher sehr besorgt
Ein Wochenende Tanzschritte mit Profis

Ein Wochenende Tanzschritte mit Profis

Ein Wochenende Tanzschritte mit Profis
Feuerwehr wählt neue Funktionsträger

Feuerwehr wählt neue Funktionsträger

Feuerwehr wählt neue Funktionsträger
Günter Lübke und Bodo Bode verlassen CDU-Fraktion in Wildeshausen

Günter Lübke und Bodo Bode verlassen CDU-Fraktion in Wildeshausen

Günter Lübke und Bodo Bode verlassen CDU-Fraktion in Wildeshausen

Kommentare