Projekt im Kindergarten „Kasperburg“ will die Neugierde für das Fremde wecken

Vom eigenen Wohnort aus „einmal um die Welt“

+
Im Kleinen beginnt die Projektreise „um die Welt“: Die Kinder bauen auch ihr eigenes Zuhause nach.

Kirchseelte - Von Jürgen Bohlken. „Da ist gerade ganz doll Sturm“, erzählt Theodor über Florida, wo er mit seiner Familie Urlaub gemacht hat. Er gehört zu den Jungen und Mädchen des Kirchseelter Kindergartens „Kasperburg“, die in einem neuen Projekt gedanklich „einmal um die Welt“ reisen.

Sie werden dabei keineswegs an dröge Geografie herangeführt, noch bevor sie in die Schule kommen. Vielmehr möchten Kita-Leiterin Tanja Kutscher sowie ihre Kolleginnen Emilia Formin und Nicole Schütt die Neugierde für das Fremde wecken und zugleich vermitteln, wie wichtig es ist, die Welt zu achten und zu schützen.

Was essen die Menschen in anderen Ländern? Welche Tänze tanzen sie? Wie kleiden sie sich? Welche Rituale pflegen sie? Welche Unterschiede in der Tierwelt gibt es? Warum kommen etwa Giraffen in Afrika in freier Natur vor, aber bei uns aber nur im Zoo? Solchen und vielen weiteren Fragen werden sich die Kinder nähern. Auch einige Eltern mit osteuropäischen Wurzeln können etwas beitragen. „Mit einer russischstämmigen Mama wollen wir beispielsweise etwas Russisches Kochen“, verrät Tanja Kutscher.

Urlaubsfotos und das eigene Zuhause

Die Mädchen und Jungen dürfen Urlaubsfotos mitbringen – unabhängig davon, ob sie mit ihren Eltern ins Ausland gereist sind oder hierzulande die Ferien verbracht haben. Bevor es im Projekt hinaus in die „weite Welt“ geht, beschäftigt sich die Gruppe aber mit dem eigenen Zuhause. Den Erzieherinnen ist aufgefallen, dass sie noch nicht so recht wissen, wo ihr Heimatdorf eigentlich beginnt und wo es endet. Oder welcher Ort in der Nähe und welcher weit entfernt liegt.

So habe ein Junge erzählt, er sei in den Ferien „in Harpstedt“ gewesen, erinnert sich Tanja Kutscher. Dazu passte aber nicht seine Beschreibung der Landschaft: Er erwähnte unter anderem Meer, Wellen und Sand. Die Mutter des Jungen klärte auf: „Wir waren in Polen!“ Auf die Frage, wo die Kinder mit den Eltern Besorgungen machen, kam als Antwort: „In Kirchseelte“. Zugleich sagte das betreffende Kind aber, die Einkäufe würden mit dem Auto erledigt. Das machte stutzig. Des Rätsels Lösung: Die Einkaufsfahrten führten tatsächlich nach Harpstedt.

Patenkind lebt in Mali

Entfernungen zwischen Dörfern und deren Größen einschätzen lernen – auch das ist ein Anliegen des Projektes. Um einen ersten Eindruck von der direkten Umgebung zu bekommen, empfanden die Kinder Dörfer wie Kirchseelte, Groß Ippener oder Harpstedt mit unterschiedlich großen Teppichstücken nach, zwischen denen – in Anlehnung an die Wirklichkeit – unterschiedlich große Distanzen klafften.

Wer wohnt eigentlich wo? Dieser Frage geht die Gruppe ebenfalls auf den Grund – etwa bei einem Streifzug durchs Neubaugebiet. Jedes Kind soll fotografiert werden, ebenso jeweils die Tür seines Zuhauses. Die Bilder finden dann Verwendung für ein besonderes Memory-Spiel: Beim Aufdecken der Karten gilt es, den Gesichtern jeweils die richtige Haustür zuzuordnen. Aus Verpackungen basteln die Mädchen und Jungen gegenwärtig ihr eigenes Zuhause nach. Die Ergebnisse könnten sich zu einem Dorf zusammenfügen. Den Erzieherinnen liegt es allerdings fern, die Phantasie der Kinder zu beschneiden. Wer partout lieber ein Hochhaus oder eine komplett goldene Kirche bauen will, der wird in seiner Kreativität nicht gebremst.

Von den kleinen zu den großen Gemeinwesen arbeitet sich die Gruppe vor – und „einmal um die Welt“. Einen ersten Eindruck von der Entfernung zwischen Afrika und Deutschland haben sich die Kinder mit großem Interesse an einem Globus verschafft. Aus gutem Grund: Im westafrikanischen Mali lebt Abdulay, das Patenkind der „Kasperburg“; die Kinder und die Eltern unterstützen den Jungen und sein Dorf schon seit Jahren über die Organisation „Plan international“.

Wie lange das Projekt laufen wird, kann Tanja Kutscher noch nicht sagen. Schluss sei in jedem Fall, „wenn die Kinder die Lust daran verlieren“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Artistisches Abschlusstraining

Artistisches Abschlusstraining

Krause-Sause in der Halle 7

Krause-Sause in der Halle 7

Erneuter Rückschlag für BVB - Leipzig siegt weiter

Erneuter Rückschlag für BVB - Leipzig siegt weiter

Cimic Übung „Joint Cooperation 2017“ in Barme

Cimic Übung „Joint Cooperation 2017“ in Barme

Meistgelesene Artikel

Junge (9) angefahren und schwer verletzt

Junge (9) angefahren und schwer verletzt

Projektladen „freiraum“ öffnet an der Freistraße in Harpstedt

Projektladen „freiraum“ öffnet an der Freistraße in Harpstedt

Vom Klobürsten-Hockey zum Kurzpass-Ass

Vom Klobürsten-Hockey zum Kurzpass-Ass

180 Bewerbungen für neues Baugebiet „Vor Bargloy“

180 Bewerbungen für neues Baugebiet „Vor Bargloy“

Kommentare