Fotografin Anja Prade zieht es ins Salzburger Land

„Photogen“ schließt um Mitte Juni 2018 endgültig

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Auf diesem Foto schon ganz auf Österreich eingestellt: Anja Prade (links) – hier mit ihrer Kollegin Antje Gätcke und deren Sohn Lian (4).

Harpstedt - Weil sich „Photogen“ aufgrund des Kostendrucks nicht mehr rechnet, schließen Antje Gätcke und Anja Prade das Studio um Mitte Juni 2018 herum endgültig – nach 13 Jahren.

Beide Fotografinnen wollen selbständig bleiben. Sie werden ihrem Beruf fortan ohne fixes Studio nachgehen. Antje Gätcke (38), die mit Mann und Kind in Weyhe lebt, will zudem mehr Zeit für ihren Sohn Lian (4) haben. Anja Prade wird nach Österreich umsiedeln. Über ihre Pläne hat unsere Zeitung mit der 37-Jährigen gesprochen. Die Fragen stellte Jürgen Bohlken.

Haben du und deine Kollegin das Aus von „Photogen“ einvernehmlich beschlossen?

Anja Prade: Ja. Die Entscheidung ist aber über einen längeren Zeitraum gereift.

Du willst künftig in Österreich leben. Fühlst du dich als Auswanderin?

Ein bisschen. Aber mein künftiger Lebensmittelpunkt wird nur etwa 30 Kilometer „unter“ Salzburg liegen – und damit ja immer noch nah an Deutschland.

Hat dein Entschluss, Harpstedt zu verlassen, berufliche Gründe?

Nein. Da schwingt eher eine „Goodbye Deutschland“-Laune mit. Ich bin zweimal in Werfenweng in der Nähe von Bischofshofen im Urlaub gewesen. Da hat es „klick“ gemacht. Ich habe erkannt: Ich will da leben. Als ich durch die Tunnel hinter Salzburg die Gegend erreichte, fühlte es sich inmitten der Berge fast an, als sei ich nach Hause gekommen. Für Zufriedenheit im Leben ist das Drumherum wichtig. Und das stimmt dort einfach. Ich liebe die Natur und den Wechsel der Jahreszeiten.

Soll heißen: In Harpstedt ist das ganze Jahr über Herbst?

(Lacht.) Nee, aber der Winter findet doch sehr begrenzt statt. Wenn hier mal drei Flocken Schnee fallen, kommt es mir vor, als freute ich mich als einziger darüber.

Bis du eine passionierte Wintersportlerin?

Auf gar keinen Fall! Man hat mir aber in Werfenweng zu verstehen gegeben, dass ich dort zur Skifahrerin werde.

Hast du dir schon eine Wohnung gesucht?

Nein. Darum kümmere ich mich zu gegebener Zeit.

Und wie geht’s beruflich nach der Schließung von „Photogen“ weiter?

Ich will versuchen, die Fotografie in Österreich für mich wieder ins Laufen zu bringen. Ich möchte mich etwas auf Tierfotografie spezialisieren. Das mache ich leidenschaftlich gern. Überhaupt schwebt mir vor, viel draußen in der Natur zu arbeiten. Ich bin generell offen für neue Herausforderungen.

Ein eigenes Studio strebst du nicht mehr an?

Nein. Auf gar keinen Fall wieder feste Kosten! Der große Kostenapparat hat uns ja gerade bei „Photogen“ so schwer zu schaffen gemacht.

Also wirst du als Freiberuflerin arbeiten?

Ja. Um Aufträge anzunehmen, reicht ein Handy (lacht).

Rücksicht auf Angehörige musst du nicht nehmen. Das macht es einfacher...

Stimmt. Ich bin glücklicher Single seit vielen Jahren.

Woher stammst du ursprünglich?

Aus dem Brandenburgischen. Nun werde ich als ehemaliger „Ossi“ zum „Ösi“.

Was wird aus dem von dir ins Leben gerufenen Nachtflohmarkt?

Der liegt mir natürlich sehr am Herzen. Ich möchte, dass er weiterlebt, und hoffe, da findet sich jemand, der die Organisation übernimmt.

Wann willst du umziehen?

Etwa Mitte Juli 2018. Ich habe für Ende Juli den Auftrag, Fotos auf einer Hochzeit in München zu machen. Bis dahin sollte der Wohnortwechsel schon vollzogen sein.

Welche bürokratischen Hindernisse musst du als Auswanderin innerhalb der EU überwinden?

Man muss entweder einen Job vorweisen oder genug Eigenkapital mitbringen. Aber die Hürden halten sich in Grenzen. Ich möcht’s halt probieren, mir diesen Traum zu erfüllen. Der Mensch ist ein Meister darin, sich eine Ausrede dafür einfallen zu lassen, warum er etwas nicht macht. Ich habe mir vorgenommen, im Leben nichts zu bereuen. Ich glaube, wenn ich nicht nach Österreich ginge, würde ich’s irgendwann bereuen. Ich will es wenigstens versucht haben. Dazu passt gut ein Spruch, den ich mal gehört habe: „Hör auf, es einen Traum zu nennen! Fang an, es einen Plan zu nennen!“ Natürlich gibt es das Risiko, dass Hoffnungen sich nicht erfüllen. Ich hoffe, dass die Harpstedter mir in diesem Fall ein Türchen offen lassen und ich wieder zurückkommen darf. Eine Rückkehr kann ich nicht ausschließen. Die ist sicherlich eine Option, wenn es im Salzburger Land nicht so klappen sollte, wie ich es mir vorstelle.

Was nimmst du aus Harpstedt mit?

Für mich ist und bleibt der Flecken ein toller, gemütlicher Ort. Ich bin hier mit viel menschlicher Wärme aufgenommen worden. Ich weiß noch, als wir unser Studio eröffnen wollten. Da hieß es: „Die Harpstedter sind schwierig.“ Ich habe das Gegenteil erlebt. Dafür sind Antje und ich den Menschen hier dankbar. Viele Freundschaften sind entstanden. Ich weiß, der Abschied wird nicht einfach. Ich könnte jetzt schon wieder heulen, wenn ich nur daran denke. Ich werde nicht nur die sozialen Kontakte vermissen. Sondern natürlich auch „Photogen“. Das ist immerhin „unser Baby“. Davon trennen Antje und ich uns nicht leichten Herzens.

Aber der Entschluss, nach Österreich zu gehen, steht fest?

Bombenfest. Das wird jetzt knallhart durchgezogen (lacht). Ich habe Lust auf was Neues. Das Auswandern ist für mich Traum und Abenteuer zugleich.

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