FDP-Bundestagskandidat auf Wahlkampftour

Dürr rät zu Gewerbeflächen „auf Halde“

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Ortstermin der Liberalen mit ihrem Bundestagskandidaten und dem Fleckenbürgermeister an der „großen Kreuzung“ in Harpstedt – von links: Marion Vosteen, Claus Przygodda, Stefan Wachholder, Christian Dürr, Steffen und Elisabeth Akkermann sowie Wolf Müller.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Irgendwie scheint momentan alles im Fluss zu sein: Der Flecken Harpstedt hofft auf eine Vollampel für die große Kreuzung in der Ortsmitte, auf die Chance, die Hannoversche Straße an die L 341 anbinden zu dürfen, und auf die Realisierung eines neuen Gewerbegebietes im Umfeld des Autohauses WD. Müller. Alle drei Fragen machte am Mittwoch der FDP-Ortsverband in einem Gespräch mit dem Landtagsfraktionsvorsitzenden Christian Dürr zum Thema. Viele Fragezeichen blieben nach dem Gespräch gleichwohl.

Dürr will für seine Partei am 24. September in den Bundestag gewählt werden. Die FDP in Niedersachsen hatte ihn im März auf dem Landesparteitag in Braunschweig zu ihrem Spitzenkandidaten gekürt. Der FDP-Ortsverbandsvorsitzende Steffen Akkermann fragte ihn bei seinem Besuch in Harpstedt zunächst, wie er die Chancen des Wiedereinzugs der FDP in den Bundestag einschätze. „Gut, aber wir bleiben auf dem Teppich“, lautete die Antwort. „Wir wissen, dass wir was dafür tun müssen. Das ist keine Sache, die man im Schlafwagen erledigen kann“, sagte Dürr.

Wenig Neues ließ sich im Anschluss aus der Diskussion mit Parteifreunden sowie Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder (CDU) und Ratsherr Horst Bokelmann (parteilos) im örtlichen Hotel „Zur Wasserburg“ heraushören. Letzterer hatte in der Vergangenheit zusammen mit Elisabeth Akkermann (FDP) eine Gruppe im Fleckenrat gebildet. Und eben wegen dieser bewährten Kooperation mit den Liberalen bat Steffen Akkermann auch ihn zu dem Gespräch mit Dürr hinzu.

Bewegung scheint in die Entwicklung neuer Gewerbeflächen an der Wildeshauser Straße gekommen zu sein. Weil es hier um geplante Grundstücksaufkäufe geht, konnte Wachholder sich öffentlich nicht im Detail zum Sachstand äußern. Der Flecken Harpstedt sei aber in der Angelegenheit auf gutem Weg. Auf Nachfrage unserer Zeitung meinte Wachholder, es bedürfe voraussichtlich keines Umlegungsverfahrens.

Der Flecken kann gegenwärtig keine einzige Gewerbefläche anbieten. „Wirtschaftlich erfolgreiche Kommunen haben was auf Halde“, kommentierte dies Dürr. Es sei ratsam, auf Vorrat zu planen, den Bürgern aber klipp und klar zu sagen, dass ein neues Gewerbegebiet im Normalfall nicht in zwei oder drei Jahren volllaufe.

„Eher großzügig Bauland ausweisen“

Mit Blick auf Bauland empfahl Dürr ebenfalls, „eher großzügig als zurückhaltend auszuweisen“. Die Nachfrage sei auch im Oldenburger Land ungebrochen. Für Kommunen ergebe sich nicht zuletzt vor dem Hintergrund der niedrigen Zinsen auf Hauskredite „eine riesige Chance“ zu wachsen.

In Harpstedts Südwesten hatte der Flecken zuletzt eher gekleckert als geklotzt und in drei kleinen Abschnitten das Baugebiet „Am Großen Wege“ entwickelt. Im Nachhinein sei das wohl ein Fehler gewesen, räumte Wachholder ein, aber schließlich habe niemand eine „Glaskugel“ gehabt, mit der es möglich gewesen wäre, in die Zukunft zu blicken.

Die abschnittweise Baulandentwicklung war nach Darstellung Bokelmanns der Grund dafür, dass der Flecken den Anschluss der Hannoverschen Straße an die L 341 bislang nicht realisieren konnte. Die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr habe nicht eingesehen, für „zwölf Bauplätze“ (je Abschnitt) die Anbindung zu genehmigen; sie habe argumentiert: „Das bisschen Verkehr könnt ihr auch über die Schulstraße ableiten.“

Rat und Verwaltung machten schon „ihre Hausaufgaben“, versicherte Wachholder. Das Bauamt habe ihn aber darum gebeten, auch bei diesem Thema nicht zu sehr ins Detail zu gehen, weil „wir sonst schlafende Hunde wecken könnten“. Laut Amtsleiter Jens Hüfner sei der Sachstand immer noch der, „dass wir nicht ran dürfen an die L 341“. Dem Flecken liege daran, überhaupt eine Anbindung hinzukriegen; zweitrangig hingegen sei, „ob’s ein Kreisel wird oder nicht“. Ein außerörtlicher Kreisverkehr wäre jedenfalls keine Option, weil „nicht bezahlbar“. Das müsste, so Wachholder, „ein Riesenbauwerk werden“.

Die Voraussetzung für einen weit günstigeren innerörtlichen Kreisel: Die geschlossene Bebauung müsste bis an die L 341 heranreichen. Erst dann wäre es möglich, die festgesetzte Ortsdurchfahrt zu verändern. Mit der bloßen Versetzung des Ortsschildes wäre es übrigens keineswegs getan, betonte Horst Bokelmann. „Vielmehr müsste die Ortsdurchfahrt in Richtung Schlüter verändert werden. Dann hätte aber der Flecken die Straßenbaulast zu tragen.“ Solche Dinge müsse die Verwaltung im Gespräch mit den zuständigen Stellen klären. Seitenlange Briefe brächten da nichts.

Wäre eine intelligente Ampel die Lösung?

Zunächst, so Bokelmann, müsse der Fleckenrat nun das nächste Baugebiet bis an die L 341 inklusive Anbindung und unter Berücksichtigung der für einen möglichen Kreisel benötigten Fläche planen, um seine Entwicklungsabsicht deutlich zu machen.

Mit Blick auf die seit Jahrzehnten geforderte Vollampel für die Kreuzung Burg-Lange/Mullstraße ist der Sachstand der alte: Nach den Ferien soll es eine Verkehrszählung geben. Die auf der Burgstraße geschaffenen Linksabbiegespuren haben das Unfallrisiko nach Ansicht der Harpstedter erhöht. An der technischen Machbarkeit der Ampel scheiden sich die Geister: Eine Vollampel würde den Verkehr auf der Burgstraße zu stark bremsen, so das Straßenverkehrsamt (das könnte auch bei Staus auf der A1 zum Problem werden, wenn abgeleiteter Verkehr über die Ortsdurchfahrt rollt). Andererseits sind inzwischen, wie sich diversen Publikationen entnehmen lässt, intelligente und dabei durchaus bezahlbare Ampelsysteme entwickelt worden, die mit Kameras und Sensoren eigenständig die Verkehrsdichte auf den sich kreuzenden Straßen erkennen und die Schaltzeiten variabel darauf abstimmen.

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