Im „mobilen Freiradmuseum“ von Dey steht das Fahrgefühl im Vordergrund

Dreirad mit Proviantkorb und ein „Delmar“ von 1905

Mit den Oldtimern aus dem „Freiradmuseum“ von Kai-Jannes Dey (vorne, mit Dreirad) begaben sich die Interessierten auf eine 3,5-Kilometer-Tour durch Colnrade und Holtorf. - Foto: Nosthoff

Colnrade - Von Anja Nosthoff. „Auf dem Fahrrad unterwegs zu sein, das bringt ein ganz freies Gefühl“, findet Kai-Jannes Dey. Genau aus diesem Grund nennt der Colnrader seine Sammlung an Oldtimer-Fahrrädern, die er jedem Interessierten gerne zeigt, auch „Freiradmuseum“. Seit zwei Jahren befindet sich dieses besondere – und auch mobile – Museum, in dem alte Technik nicht hinter Glas steht, sondern zum Ausprobieren ist, an der Hauptstraße 55 in Colnrade.

Dort trafen sich am Sonnabendnachmittag zahlreiche Oldtimer-Radfans von nah und fern, um sich gemeinsam mit eigenen Oldtimern oder aber mit einem der 26 Museumsstücke auf Tour zu begeben.

„Alte Fahrräder sind sehr angenehm zu fahren. Sie sind stabil, spurtreu und praktisch unzerstörbar“, zählt Dey einige Vorteile seiner Oldies auf. Schön anzusehen sind sie allemal – sie leuchten zwar nicht in grellen Farben, wie manches moderne Hollandrad, aber sie haben unzweifelhaft Charakter und Ausstrahlung. In jedem einzelnen Rad steckt Geschichte.

So zählen zu Deys Sammlerstücken unter anderem ein Rad mit Milchkanne, ein Dreirad mit Proviantkorb, ein Tandemrad sowie ein „Wanderer“ mit Ballonreifen. Die meisten Räder tragen auf ihrem traditionellen Metallwimpel die Namen alter deutscher Marken: Miele, Triumph, Herkules und Göricke sind darunter. „Mein ältestes Rad ist ein Franzose“, erzählt Dey. „Ein Delmar aus dem Jahr 1905.“

Seine Leidenschaft für das Sammeln der Oldtimer-Räder entwickelte sich durch Zufall. Als Dey vor etwa 20 Jahren das Haus, in dem er lebt, einer älteren Frau abkaufte, übernahm er auch gleich drei alte Damenfahrräder mit. „‘Was willst du mit dem Schrott‘, hat mein Vater immer zu mir gesagt“, erinnert sich Dey schmunzelnd. Doch die Fahrräder fristeten in einer Ecke weiter ihr Dasein. „Irgendwann mache ich mal was damit – das habe ich von Anfang an gewusst“, berichtet Dey.

Und vor fünf Jahren war es dann soweit. Dey nahm sich der alten Räder an, wechselte Reifen und Felgen aus, schraubte an den Tretlagern herum und setzte mithilfe eines Freundes – praktischerweise eines Zweiradmeisters in Rente – die Oldtimer wieder instand. Schnell kamen dann weitere „Museumsstücke“ hinzu. Viele der alten Räder, die er flott gemacht hat, bekam Dey von älteren Menschen geschenkt.

„Das Fahrrad ist immer noch das erste Verkehrsmittel im Leben eines Menschen, mit dem man mal weiter von zu Hause wegkommt – egal ob in der Stadt oder auf dem Land“, so Dey. „Man kann Neues entdecken, die Schnelligkeit spüren, fahren, wohin man will und sich einfach frei fühlen“, beschreibt er seine Faszination.

Die Tour-Teilnehmer, die am Sonnabend aus dem Dorf, dem Umkreis und sogar aus Celle den Weg zu Dey gefunden hatten, ließen sich von seiner Begeisterung leicht anstecken – wenn sie nicht sowieso schon eingefleischte Oldtimer-Fahrradfans waren.

Gut gelaunt suchten sie sich ihren persönlichen Lieblings-Oldtimer aus, nahmen gerne den Service in Anspruch, sich das Rad individuell passgenau einstellen zu lassen und egaben sich ebenso eifrig wie mutig auf die überschaubare 3,5-Kilometer-Tour.

Dass solch ein Oldtimer, anders als ein Großteil der heutigen Drahtesel, keinen Elektroantrieb besitzt, versteht sich von selbst. „Auch der Bremsweg ist dem Baujahr entsprechend“, warnte Dey noch, bevor die Radler in die Pedalen traten. Und am Ende waren alle begeistert von der funktionierenden Technik.

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