Harpstedter Senioren-Union staunt über musealen „Sonnenstein“

Ein Stück alte Heimat im Museumsdorf

Ein Erinnerungsbild vor dem „Stein“ im Museumsdorf Cloppenburg durfte nicht fehlen.
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Ein Erinnerungsbild vor dem „Stein“ im Museumsdorf Cloppenburg durfte nicht fehlen.

Harpstedt/Cloppenburg – Im Verlauf eines Besuchs der ehemaligen Harpstedter Disco „Zum Sonnenstein“, die nun im Museumsdorf Cloppenburg ein zweites – museales – Leben geschenkt bekommt, hat die Senioren-Union der Samtgemeinde-CDU die Gelegenheit genutzt, ein Tänzchen auf der Tanzfläche zu Musik aus der Konserve zu wagen. Manche, die an dem Ausflug ins Freilichtmuseum teilnahmen, kannten den „Stein“ noch aus der frühen Tanzlokal-Ära unter Betreiber Johann Hasselmann.

Damals herrschte für die Herren Krawattenzwang. Wer keinen Schlips trug, bekam vom Betreiber mitunter leihweise einen zur Verfügung gestellt.

„Eine Kapelle sorgte für Live-Musik. Zu Tanzlokal-Zeiten gab es eine Sektbar im vorderen Gebäude und eine Bar mit gedämpftem Licht hinten am Saal. Zum Mobiliar gehörten Tische und Stühle. Man wurde zum Tanzen aufgefordert. Beim Umbau zur Diskothek sind viele Veränderungen vorgenommen worden“, erinnert sich der Vorsitzende der Harpstedter Senioren-Union, Fred Büchau.

Das Museumsdorf, das die Immobilie zersägen ließ und mit „Mann und Maus“ im Zuge einer spektakulären „Ganzteiltranslozierung“ nach Cloppenburg holte, bildet im „Sonnenstein“ verblüffend originalgetreu die Disco-Ära der 1970er- und 1980er-Jahre unter dem damaligen Betreiber-Ehepaar Gunda und Klaus Sengstake ab. Der vorhandene Bestand an Exponaten und Inventar des Lokals in seiner letzten Phase gaben das museale Erscheinungsbild gewissermaßen vor.

Eine Kapelle sorgte für Live-Musik. Zu Tanzlokal-Zeiten gab es eine Sektbar im vorderen Gebäude und eine Bar mit gedämpftem Licht hinten am Saal.“

Fred Büchau

Als der frühere Museumsdirektor Prof. Dr. Uwe Meiners die einstige Disco zum ersten Mal in Augenschein nahm, staunte er Bauklötze. Es kam ihm so vor, als wären die letzten Besucher erst vor wenigen Minuten gegangen. An Spirituosen klebten Etikette mit den Namen vormaliger Stammgäste. Von den Plattenspielern über die mit den Jahren immer weiter ergänzte Lichtanlage bis hin zu Gläsern und Schallplatten war alles vorhanden, was den „Stein“ in der Ära des Disco-Fiebers ausgemacht hatte. Sogar ein Hauch der Unmengen von „blauem Dunst“, der lange die Räume geschwängert hatte, schien noch in der Luft zu „kleben“. Meiners sah im „Stein“ das erste Puzzleteil für einen ganz neuen Museumsabschnitt, der dörfliche Kultur der Nachkriegsjahrzehnte veranschaulicht.

Was anfangs wie ein schöner, aber kaum zu erfüllender Traum anmutete, nahm mehr und mehr Konturen an. Geldgeber zeigten unerwartet ernsthaftes Interesse. Sie sahen in der Idee, eine ehemalige Disco ins Cloppenburger Freilichtmuseum zu holen, ein Alleinstellungsmerkmal.

Der Flecken Harpstedt ersteigerte 2014 das Gebäude (Erbbaurecht). Mit dem Museumsdorf wurde sich die Gemeinde schnell einig. Als die Finanzierung stand, folgte die mit großen Herausforderungen behaftete „Umsetzung“ der Disco mit Bistro. Auf dem Harpstedter Koems-Gelände war die Immobilie zuvor von Verfall bedroht gewesen. Die nachfolgende originalgetreue Herstellung des Innenlebens brauchte ihre Zeit. Dann aber war‘s vollbracht. Inzwischen kann jeder den „Stein“ besichtigen und sich dort ein bisschen so fühlen wie an einem Samstagabend in der Kultdisco.

Den Teilnehmern am Ausflug der Senioren-Union blieb überdies genügend Zeit, das Museumsdorf nach eigener Interessenlage zu erkunden. „Wenn man die engen bescheidenen Wohnverhältnisse mit den kleinen Waschgelegenheiten und die offenen Feuerstellen der historischen Häuser sah, war man dankbar für das, was heute in unseren Wohnungen geboten wird. Beeindruckt hat uns auch die Größe der Tröge und die Menge an Brot, die früher gebacken werden musste, um eine Familie sattzubekommen. Bei der Reinigung der Gebrauchsgegenstände war man nicht gerade pingelig. Das wurde uns bei den umfangreichen Beschreibungen vermittelt“, fasst Fred Büchau die Eindrücke zusammen und ergänzt: „Bei der Dorfschänke oder der Backstube gab es Einkehrmöglichkeiten. Wegen des schönen Spätsommerwetters saßen wir natürlich draußen. Auch wenn es in der vorgegebenen Zeit nicht möglich war, alles ,abzulaufen", bekamen wir mit jedem Besichtigungsobjekt viel geboten.“

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