Harpstedter Hofläden besonders beliebt / Betreiber gewinnen in Corona-Zeiten neue Kunden

Direktvermarkter sind noch gefragter

Harpstedt – Kein überfüllter Supermarkt, kein dichtes Gedränge an der Schlange und trotzdem alles bekommen, was das Herz begehrt: In der Corona-Zeit sind kleine, lokale Läden besonders gefragt, auch in den Hof- und Dorfläden in der Samtgemeinde Harpstedt macht es sich bemerkbar. Direktvermarkter nennen verschiedene Gründe für die erhöhte Nachfrage.

Frische Eier, Olivenöl oder Kakao: All das bekommt man in Kirsten Thomas’ Dorfladen in Colnrade.

Eichenhof Lehmkuhl in Kirchseelte

Bernd Lehmkuhl berichtet, dass seit Beginn der Pandemie mehr Kunden den Weg zum familienbetriebenen Hofladen auf dem Eichenhof in Kirchseelte aufsuchen – darunter auch viele Neukunden. Als es mit Corona aktuell wurde „ging das direkt im März los“.

Der Grund für die erhöhte Nachfrage? „Es gefällt den Leuten, wenn sie einzeln einkaufen können. Wir lassen nur einen Kunden rein beziehungsweise einen Haushalt“, schildert er. „Viele bestellen aber auch vor“, so Lehmkuhl. Neben Fleisch, Geflügel und Wurst bieten sie im Hofladen unter anderem Eier, Kartoffeln, Säfte, Weine und Marmeladen an. „In der Grillzeit auch Grillfleisch“, fügt er hinzu.

Von seinen Kunden habe er erfahren, dass sie auch nach der Pandemie weiter beim Direktvermarkter in Kirchseelte einkaufen wollen. „Viele finden es toll, regional einzukaufen“, so Lehmkuhl.

Mehr Kunden besuchen auch den Hofladen auf dem Eichenhof.

Im vergangenen Jahr seien die Leute teilweise so verunsichert gewesen, „dass wir sogar ausgeliefert haben. Wir haben die Sachen dann vor die Tür gestellt.“ Das sei aber zurückgegangen. „Anfangs war es noch extremer“, erinnert er sich. Die Öffnungszeiten in Kirchseelte sind mittwochs bis freitags von 9 bis 12.30 und von 14.30 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12.30 Uhr.

Dorfladen Colnrade

Kirsten Thomas betreibt seit vier Jahren die Backstube und den Dorfladen an der Harpstedter Straße in Colnrade. Sie bestätigt, dass die Nachfrage gestiegen ist. „Es sind mehr Leute da, die nachmittags zum Gucken kommen. Früher sind sie zum Kaffeetrinken erschienen, jetzt schauen sie sich um.“ Der Austausch mit Kunden, die sich ins Café setzen, um einen Kaffee zu trinken, ein Stück Kuchen zu essen oder zu frühstücken, vermisse die 54-jährige Inhaberin. „Das fehlt uns, dass die am Tisch sitzen. Das fehlt so dermaßen“, sagt sie.

Hat sie denn auch Neukunden gewinnen können? „Oh ja. Die Leute gucken viel, das merken wir auf jeden Fall, aber das ist ja auch schön“, findet Thomas. Sie erzählt, dass die Kunden „gleich in die Theke schauen“ würden. „Wir haben die besten Frikadellen, heißt es“, sagt sie und lacht. Neben Kuchen, Brote und Brötchen kaufen die Kunden gern frische Wurstwaren. „Das ist auch mehr geworden“, hat die Inhaberin bemerkt.

Wie sie sich die hohe Nachfrage erklärt? „Ich denke mal, dass viele von hier sind und sie nicht wegen jedem Kram losfahren müssen und dass sie daher wieder mehr hierher kommen.“

Telefonische Vorbestellungen sind bei Thomas‘ ebenso möglich. Sechs Angestellte helfen in ihrem Dorfladen und der Backstube mit, deren Hilfe benötige sie bei den Öffnungszeiten auch, so die 54-Jährige. Diese sind montags bis freitags von 6 bis 18 Uhr, samstags von 6 bis 13 Uhr und sonntags von 7.30 bis 11 Uhr.

Wasserbüffelhof in Groß Ippener

Auf die Frage, ob mehr Kunden zu ihnen in den Hofladen des Wasserbüffelhofs kommen, sagt Inhaberin Sonja Kieselhorst: „Ja, der Bedarf nach besserem und gutem Fleisch ist gestiegen. Wir haben definitiv gemerkt, dass es mehr geworden ist.“ Wie sie das begründet? „Ich würde sagen, die Leute kochen mehr und wollen etwas bewusster essen und legen etwas mehr Wert auf die Qualität.“ Sie erzählt, dass die Kunden auch daran interessiert sind, wie die Tiere gehalten werden. „Sie essen lieber weniger Fleisch, aber dafür was Gutes“, ergänzt Kieselhorst. In dem Hofladen dürfe sich aktuell eine Person aufhalten. „Viel größer ist der Laden auch gar nicht.“ Auf ihrem Hof vermarkten sie und ihr Mann Heiner Fleisch und Fleischwaren aus eigener Produktion. In ihrem Hofladen bieten sie Zehn-Kilo-Pakete an. „Damit fahren wir ganz gut“, sagt Kieselhorst. Das Geschäft ist freitags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Wesselhof in Dünsen

„Es kommen nicht mehr Kunden, wir verdienen auch nicht mehr Geld, aber es ist ein anderes Publikum geworden“, schildert Claudia Wessel vom gleichnamigen Hof in Dünsen. Es kämen viele junge Leute. Sie begründet es mit den Maßnahmen der Arbeitgeber. Da vermehrt Menschen im Homeoffice arbeiten, hätten sie mehr Zeit, um in Dünsen einzukaufen. „Sonst sind sie morgens nach Bremen gefahren und abends wiedergekommen. Vorher hatten sie gar keine Zeit, um hier einzukaufen“, so Wessel. Durch die Arbeit von zuhause aus könnten die Beschäftigten ihre Zeit selbst einteilen.

Neben Kartoffeln und Eiern können Kunden fertige Suppen und selbst gemachte Nudeln kaufen. Und welches Produkt ist in dieser Zeit besonders gefragt? „Eierlikör“, sagt die Inhaberin und lacht. Montags bis freitags von 8 bis 12 sowie von 14 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 13 Uhr ist der Hofladen geöffnet.

Hof Pleus in Klein Henstedt

Fleisch oder Suppen bietet Christina Backhus im Hofladen in Klein Henstedt an.

Christina Backhus arbeitet mit im Familienbetrieb ihrer Eltern Theda und Heinrich Pleus. „Als es 2020 losging, haben wir einen großen Zulauf erfahren.“ Diesen begründet sie zum einen damit, dass viele Kunden einen überfüllten Supermarkt meiden, zum anderen damit, dass sich die Menschen immer mehr damit beschäftigen, was sie essen, wo die Lebensmittel herkommen – Stichwort kurze Wege – und mit der Frage: „Wo kann ich im Kleinen was ändern?“ Das Thema Müllvermeidung spiele ebenso eine Rolle. „Wir haben auch schon – unabhängig von Corona – viel Zulauf bekommen“, berichtet sie. Zudem wollen viele auch die kleinen Betriebe vor Ort unterstützen und das gemeinsame Kochen mit der Familie habe aus ihrer Sicht „einen ganz anderen Stellenwert bekommen“.

Im Hofladen können Kunden unter anderem Frischfleisch vom Huhn, Schwein und Rind kaufen. „Das sind die Tiere, die wir auf dem Hof großziehen.“ Daneben finden sie auch Schinken, Mettwurst, eingekochte Suppen und Hühnerfrikassee.

Das Geschäft ist donnerstags von 9 bis 18.30 Uhr geöffnet. Ihre Waren bieten sie ebenso mittwochs und samstags auf dem Delmenhorster Wochenmarkt sowie freitags auf dem Bauernmarkt in Oldenburg an.

Rubriklistenbild: © Terrasi

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