Direkte Zuschüsse an Menschen in „Schräglage“ vertragen sich nicht mit Gemeinnützigkeit

„Schräg e.V.“ muss eigenen Ansatz überdenken

Dünsen/Harpstedt - Eigentlich will der seit dem 7. August eingetragene Verein „Schräg“ Menschen, die in Nöte geraten sind, unbürokratisch helfen – individuell, auch mit einmaligen Finanzspritzen. Doch das verträgt sich nicht mit dem Vereinsrecht.

Im Moment gehen die Bemühungen dahin, beim Finanzamt die Gemeinnützigkeit zu erwirken, um Spenden entgegennehmen zu dürfen. Wenn dieses Ziel erreicht ist, wird „Schräg“ aber anders arbeiten müssen, als ursprünglich geplant war: Der Verein darf dann eben nicht direkt mit Einzelbezuschussungen Menschen unter die Arme greifen, die – aus welchen Gründen auch immer – in eine „Schräglage“ geraten sind. Das wäre unvereinbar mit der Gemeinnützigkeit. Das Wort sagt es ja eigentlich schon aus: Gemeinnützig bedeutet das genaue Gegenteil von „zum Nutzen einzelner“.

„Schräg“ muss also indirektere, nicht am Einzelfall orientierte Formen der Hilfeleistung und des Engagements finden. Möchte der Verein etwa Kindern aus einkommensschwachen Familien die Chance zur Teilnahme an einer Ferienfreizeit einräumen, so könnte er als dies über ein Sponsoring, das die Teilnahmekosten reduzieren würde, möglich machen.

Auch der Wunsch, einen Anlaufpunkt für Senioren, möglicherweise sogar einen generationsübergreifenden Treff, im Gemeindezentrum Dünsen zu etablieren, würde nicht mit der Gemeinnützigkeit kollidieren. Von dieser Idee sei die zuständige Sachbearbeiterin im Finanzamt sogar angetan gewesen, vermeldete die Vorsitzende von „Schräg“, Annette Grummt, gestern.

Am Vortag hatte die Mitgliederversammlung Nachbesserungen an der Satzung vorgenommen. Der Vereinszweck musste zur Erlangung der Gemeinnützigkeit konkretisiert werden. Dem neuen Satzungstext zufolge schreibt sich „Schräg“ nun die Förderung der Jugend- und Altenhilfe, der Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe, der Entwicklungszusammenarbeit, des Schutzes von Ehe und Familie sowie des bürgerschaftlichen Engagements zugunsten mildtätiger, gemeinnütziger und kirchlicher Zwecke auf seine Fahnen, ebenso die Förderung von Sport, Musik, Kunst und Kultur.

Der Mitgliedsbeitrag beträgt einheitlich 30 Euro im Jahr. Den Passus, wonach juristische Personen 140 Euro zahlen sollen, strich die Versammlung per Beschluss.

Auf den Weihnachtsmärkten in Dünsen und Harpstedt will „Schräg“ präsent sein und Einnahmen generieren. Geplant ist der Verkauf von Hot Dogs und Getränken. Zudem sollen Unternehmen aus der Samtgemeinde, die zu Weihnachten auf Geschenke für Kunden verzichten, gebeten werden, den Verein mit einer Spende zu unterstützen. Freuen würde sich der Vorstand, wenn sich ein Interessent fände, der Kassen-wartin Sabrina Schneider „buchhalterisch unterstützend“ zur Seite steht.

boh

Rubriklistenbild: © dpa

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