Digitalisierung nimmt Fahrt auf

Harpstedts Schulen lassen „Kreidezeit“ hinter sich

Wegen Corona ohne Handschlag: Herwig Wöbse verpflichtete Schülervertreterin Marie Jung.
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Wegen Corona ohne Handschlag: Herwig Wöbse verpflichtete Schülervertreterin Marie Jung.

Harpstedt – „Wir Lehrkräfte verlassen an beiden Harpstedter Schulen nun endlich die Kreidezeit. Davor fürchten wir uns nicht. Wenn die interaktiven Tafelsysteme da sind und funktionieren, nutzen wir sie natürlich auch“, sagte Ufke Janssen, Rektor der Grundschule Harpstedt, am Donnerstag im Schul- und Sozialausschuss. Die Gesamtkosten für die Ausstattung der Harpstedter Schulen mit der neuen Technik lägen bei 176 .000 Euro.

Vorbereitend auf den Anschluss der interaktiven Tafeln seien in der Grundschule Leitungen für Strom und Internet verlegt worden – Kostenpunkt: 83 .500 Euro.

Für Verwaltungschef Herwig Wöbse steht indes fest: Die Mittel aus dem „Digitalpakt Schulen“ werden nicht reichen, um damit sowohl die „Verkabelung“ als auch die neuen Tafelsysteme zu finanzieren. Die Samtgemeinde müsse Geld dazugeben, einen erheblichen finanziellen Eigenbeitrag leisten. Bei der Oberschule gebe es im Übrigen noch Handlungsbedarf in der digitalen Infrastruktur: „Dort sind zwar schon seit vielleicht 15 Jahren Kabel verlegt, aber nicht so viele und nicht in der Art wie gefordert“, sagte Wöbse auf Nachfrage unserer Zeitung.

Ufke Janssen sah generell hohe Aufwendungen auf alle Schulträger zukommen, auch im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Da bleibe sicher einiges an Kosten bei den Kommunen hängen.

42 interaktive Tafelsysteme

Im Rahmen der Förderrichtlinie zum Digitalpakt sei mit beiden Harpstedter Schulen die Beschaffung interaktiver Tafelsysteme abgestimmt worden, berichtete Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse am Donnerstagabend im Schul- und Sozialausschuss. „Man hat sich auf eine einheitliche Technik verständigt“, sagte er. In beiden Schulen kämen folglich die gleichen Tafelsysteme zum Einsatz. „Zudem wurde festgelegt, welche Räume mit entsprechender Technik ausgestattet werden sollen. Für die Grundschule werden 16 und für die Oberschule 26 Tafelsysteme beschafft“, erläuterte der Verwaltungschef. Nach erfolgter Ausschreibung seien bereits die Lieferaufträge erteilt worden. 

Die Harpstedter Schulen sind dankbar, dass nun bald alle Klassen interaktive Tafeln nutzen können. Die neue Technik kann mit Tablets und Notebooks von Schülern und Lehrern kommunizieren. Gleichwohl, so Janssen, sei sie sicherlich „noch nicht abschließend das, was man unter Digitalisierung versteht“. Es handele sich um ein innovatives Arbeitsmittel – um mehr aber eben auch nicht.

Unsere Kreidetafeln sind teilweise älter als 40 Jahre.“

Rektor Ufke Janssen

In einem Punkt wird „analog“ wohl locker „digital“ schlagen, nämlich bei der Lebensdauer; Janssen deutete das an: „Unsere Kreidetafeln sind teilweise älter als 40 Jahre“, sagte er.

Inzwischen sind auch die Tablets und Laptops für die Lehrkräfte da. Das Land hatte mit Stückkosten von 500 Euro inklusive Software knapp kalkuliert. Um hochwertigere „Endgeräte“ mit Zubehör und besserer Ausstattung zu beschaffen, sattelte die Samtgemeinde rund 14 .000 Euro drauf. „Vom Land haben wir für Lehrer-Endgeräte an beiden Schulen insgesamt rund 26 .000 Euro bekommen. Ausgegeben haben wir aber gut 40 .000 Euro“, erläuterte Wöbse im Telefonat mit unserer Zeitung.

Die neue – moderne – Klingelanlage für die Grundschule mit integrierten Alarmierungsfunktionen („Feuer-Alarm“, „Amok-Alarm“ etc.) sparte Ufke Janssen in seinem Bericht nicht aus. „Wir können nun auch Lautsprecherdurchsagen machen. Das konnten wir vorher nicht.“ Die Technik sei mit rund 90 .000 Euro aber auch teuer gewesen.

Der Rektor bedauerte, dass die angeschafften mobilen Luftfilter für die Schulen das regelmäßige Lüften der Klassenräume in Coronazeiten nicht überflüssig macht. Stationäre Technik mit Frischluftzufuhr von draußen und Abluftabfuhr nach draußen wäre ihm lieber gewesen.

18 Lehrkräfte, 16 Klassen, 317 Schüler

18 Lehrkräfte unterrichten derzeit die 16 Klassen der Grundschule Harpstedt. Eine Hälfte sei vollzeit- und die andere teilzeitbeschäftigt, berichtete Rektor Ufke Janssen am Donnerstag im Schul- und Sozialausschuss. Zum Personal gehörten zusätzlich eine Lehrerin im Vorbereitungsdienst, sechs pädagogische Mitarbeiterinnen, die Sekretärin und der Hausmeister. Das Personalkarussell habe sich weiter gedreht. Elf der jetzigen Lehrkräfte im Kollegium seien vor sechs Jahren noch nicht an der Schule gewesen. Beschult würden 88 Kinder im ersten Schuljahr (fünf Klassen inklusive Basisklasse), 81 im zweiten (vier Klassen), 66 im dritten (drei Klassen) und 82 im vierten (vier Klassen). Macht 317 Schülerinnen und Schüler. In der benachbarten Oberschule sind es jetzt noch 250.

„Wir wissen, dass die mobilen Geräte nicht das Beste vom Besten sind. Wir wollten überhaupt erst mal was machen und nicht riskieren, gar keine Luftfilter in den Klassenzimmern zu haben“, sagte Hartmut Post (CDU). Die stationäre Technik hätte sich nämlich nicht so schnell realisieren lassen. Post erkundigte sich, ob die Lautstärke der mobilen Luftfilter zu ertragen sei. Janssen bejahte das. Der Geräuschpegel sei kein Problem, zumal die Geräte ja „nicht voll aufgedreht werden“ müssten.

Die Tagesordnung zur Schul- und Sozialausschusssitzung wurde eingangs um einen Punkt erweitert: Als neue Schülervertreterin verpflichtete Herwig Wöbse die 14-jährige Maria Jung. „Trauen Sie sich ruhig, hier etwas zu sagen!“, ermutigte Saskia Kamp (SPD) die Jugendliche. Es sei wichtig, auch den Schülerstandpunkt zu Schulfragen zu kennen.

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