Baustellenbesichtigung beim „Haus California“

Wohngemeinschaft für Senioren in Beckstedt: „Haus atmet Geschichte“

Die zukünftige Seniorenwohngemeinschaft im Bau.
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Baustellenbesichtigung: Pflegedienstleiterin Andrea Verstappen (v.l.), Colnrades Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann, Bauherrin Rita Lindemann, Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse und Architektin Astrid Grewe. 

Beckstedt – Die richtige Wohnform im Alter zu finden, ist eine immens schwierige Aufgabe. Viele Senioren verkaufen irgendwann ihr Einfamilienhaus, wenn die Kinder ausgezogen sind, um in ein barrierefreies Apartment zu ziehen. Oft bleibt schließlich ein Ehepartner allein zurück.

Die Alternative kann eine Seniorenwohngemeinschaft sein. Im Colnrader Ortsteil Beckstedt entsteht derzeit eine solche Wohnform. Rita Lindemann baut die ehemalige Gastwirtschaft Rövekamp ihrer Eltern in die Seniorenwohngemeinschaft „Haus California“ um.

Zwölf großzügige Zimmer mit Terrasse oder Balkon

Mit der klassischen Studenten-WG, in der die zukünftigen Mieter früher vielleicht einmal einige Jahre ihrer Jugend verbrachten, hat dieses, nach seinem Um- und Erweiterungsbau 930 Quadratmeter große Gebäude, allerdings in erster Linie die Art des Zusammenlebens gemeinsam. Zwölf großzügige Zimmer mit Terrasse oder Balkon sollen nach der Fertigstellung wahlweise einem Single oder einem Paar Platz bieten.

Am Dienstag hatte die Bauherrin und Investorin Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, den CDU-Vorstand und die Ratskandidaten der Christdemokraten zu einer Baustellenbesichtigung eingeladen. Lindemann habe ein besonderes Projekt angeschoben, das Mut und Engagement erfordere, erklärte der Verwaltungschef zu Beginn der Begehung.

Historisches Gebäude mit viel Potenzial

Noch verstrahlen nackte Wände, Pfützen auf dem Boden und der Geruch nach frischem Zement den typischen Baustellencharme. Doch mit etwas Fantasie lässt sich bereits erahnen, welches Potenzial in diesem historischen Gebäude steckt. Rita Lindemann besitzt die nötige Vorstellungskraft und steckt ihre Baustellenbesucher schnell damit an.

Vor ihrem Auge lädt die ehemalige Gaststube die neuen Bewohner schon wieder zu einem geselligen Abend ein. „Wir werden das ehemalige Mobiliar hier wieder einbauen“, erklärt sie ihren Gästen. Dort, wo es möglich ist, will sie die historische Substanz erhalten. „Dieses Haus atmet Geschichte, deshalb muss sein Gesicht bleiben“, ergänzt Architektin Astrid Grewe.

Kunstvolle Gemälde an der Decke

Ein Stockwerk höher, in der Deckenkuppel des ursprünglichen Saals, sind die Bauherrin und die Architektin auf ein wahres Juwel gestoßen. Über den Balken einer abgehängten Decke entdeckten sie alte kunstvolle Malereien, als sie diese entfernten. „Wenn es machbar ist, werden wir die Gemälde in dem darunter liegenden Aufenthaltsraum im Vintage-Stil wieder sichtbar werden lassen“, hofft Grewe.

Die Außenansicht nach der Fertigstellung. 

Vor zwei Jahren begann Rita Lindemann mit ihr die konkreten Planungen zu der Seniorenwohngemeinschaft in Beckstedt. Als ihre Eltern Anfang 2019 kurz nacheinander starben, stand für Lindemann fest, das seit seinem Bau im Jahr 1883 in Familienbesitz befindliche Haus unbedingt zu erhalten und weiter sinnvoll zu nutzen. „Zuerst dachte ich an eine Tagespflege und habe diese Idee immer weiter gesponnen“, berichtet die Bauherrin.

„Es soll und darf in diesem Haus auch gestorben werden.“

Sie kooperiert mit Curatus aus Colnrade. Der Pflegedienst hat schon bei der Planung des Wohnprojektes seine Erfahrungen einfließen lassen und hat später rund um die Uhr eine Pflegepräsenzkraft vor Ort. Darüber hinaus könnten die Bewohner Pflegeleistungen nach Bedarf hinzubuchen, erläutert Curatus-Pflegedienstleiterin Andrea Verstappen. „Selbst für Schwerstpflegebedürftige gibt es keinen Grund, hier wieder auszuziehen. Es soll und darf in diesem Haus auch gestorben werden.“ Einzige Ausnahme: Intensivmedizinische Versorgung wird in der Seniorengemeinschaft nicht möglich sein. Einzugsbeschränkungen, wie zum Beispiel ein Pflegegrad oder Mindestalter, gibt es nicht. Allerdings muss jeder zukünftige Mieter das Basispflegeangebot, wie die Präsenzkraft, mitbezahlen. Grundsätzlich soll das Seniorenprojekt jedem Bewohner ein Höchstmaß an Privatsphäre bieten und zugleich die Möglichkeit, sich nach Wunsch bei gemeinschaftlichen Aktionen einzubringen.

Wann die ersten Mieter ihre Zimmer beziehen können, weiß die Bauherrin noch nicht genau. „Ich hoffe, dass wir im Frühjahr fertig werden“, gibt Lindemann eine vorsichtige und optimistische Prognose ab.

Historischer Rückblick

1883 baute Gerhard Heinrich Rövekamp die Gaststätte im Ortskern von Beckstedt. Zuvor hatte Onkel Henri ein Vermögen auf dem Neuen Kontinent gemacht. Sechs Jahre später gründete sich dort der Schützenverein Beckstedt. Anfangs waren in dem Gasthaus auch die Poststelle und ein Kolonialwarenladen untergebracht. Bis 1972, als der Jahrhundert-Orkan dessen Giebel umkippte, hatte die Gaststätte einen der größten Säle in der Region.

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