SERIE „ALTE LIEBE“ (1): Horst Strangmann sammelt historische Indian-Motorräder

Die rechte Hand frei zum Schießen

Kirchseelte – So mancher weit gereiste Motorradtourist wird sich verwundert die Augen gerieben haben, als Horst Strangmann seine Maschine an Europas nördlichstem Zipfel abstellte. Der Kirchseelter bewältigte die rund 5 000 Kilometer lange Strecke von seiner Heimat bis zum Nordkap nicht auf irgendeinem Motorrad, sondern auf einermehr als 80 Jahre alten Indian.

Horst Strangmann mit seiner Indian Sportscout. Die Zweizylindermaschine im Originalzustand aus dem Jahr 1930 hat eine bewegte Historie hinter sich. 

Nicht die einzige Tour, die der 79-Jährige mit einem seiner zahlreichen Oldtimer unternommen hat. Finnland, Schweden, Frankreich und Italien nahm er mit seinen betagten Schätzen in den vergangenen 30 Jahren unter anderem unter die Räder. „10 000 Kilometer bin ich im Jahr unterwegs“, berichtet Strangmann. Nur die zurückliegenden beiden Saisons hat er aufgrund der Pandemie weniger angesammelt.

Strangmann ist aber nicht nur begeisterter Indian-Fahrer, er hat auch eine beeindruckende Sammlung dieser historischen amerikanischen Motorräder. Es dürfte sogar die größte in ganz Deutschland sein. Rund 20 dieser Zwei- und Vierzylinder-Raritäten, ausnahmslos fahrbereit, stehen in seiner Halle in Bremen.

Die älteste verließ im Jahr 1916 die Indian-Werkhallen in Springfield, Massachusetts. „Sogar Sebastian Vettel wollte mir einmal eine Maschine abkaufen“, erzählt der Kirchseelter. Einen hohen sechsstelligen Betrag habe der Formel-1-Star ihm über einen Kontaktmann geboten. Strangmann lehnte das Angebot ab.

Eine extrem seltene Nimbus aus Dänemark.

Begonnen hat die Leidenschaft des pensionierten Dachdeckers für die amerikanischen Zweiradexoten eher zufällig im Jahr 1990. „Ein Freund von mir suchte eine Indian und hatte plötzlich zwei an der Hand, eine Baujahr 1938 und eine 1939“, erinnert sich Strangmann. Kurzentschlossen kaufte der bis dahin überzeugte Harley-Fahrer eine der beiden. 15 000 Mark bezahlte er für das restaurierungsbedürftige, mit einer Sprühdose lackierte Motorrad. „Mich hatte der Indian-Bazillus gleich erwischt.“ Als der Freund seine Maschine ein paar Jahre später loswerden wollte, übernahm Strangmann sie und legte damit den Grundstein zu seiner Sammlung. Er besitzt inzwischen sämtliche Indian-Vierzylindermodelle, die zwischen 1928 und 52 gefertigt wurden. „Ich habe auch mal ganz neue Maschinen ausprobiert, aber das ist nichts für mich.“

Der Kirchseelter braucht Technik, an die er selbst Hand anlegen kann. Denn für Strangmann ist das Schrauben ebensowichtig wie das Fahren. Sämtliche Arbeiten an seinen Maschinen erledigt er selbst. Nur die komplizierte und aufwendige Motorrevision überlässt er Spezialisten. Als es anfangs weder in Deutschland noch in Europa entsprechende Fachbetriebe gab, baute er die Aggregate aus und schickte sie zur Aufarbeitung eigens in die USA. Die akribische Arbeit zahlt sich aus. In all den Jahren blieb Strangmann nur ein einziges Mal mit einem Kupplungsschaden liegen.

Die NSU Quicklys stammen aus den 50er Jahren.

„Wichtig bei solchen alten Maschinen ist eine lückenlose Historie“, weiß der Sammler. Eine ganz besondere hat seine Sportscout, Baujahr 1930. Sie war ursprünglich im Besitz eines Berliner Caféhaus-Inhabers, bevor sie nach Kriegsende von der sowjetischen Besatzungsmacht beschlagnahmt und als Polizeimotorrad eingesetzt wurde. Das originale Nummernschild aus jener Zeit thront noch immer auf ihrem vorderen Schutzblech. „Die könnte mit Sicherheit einiges erzählen“, ist sich Strangmann sicher. Er entdeckte die Rarität schließlich in Lilienthal bei Bremen.

Die Maschinen sind nichts für ungeübte Biker. „Dafür braucht man einen Fahrkurs. Die Kupplung wird mit dem Fuß getreten, geschaltet wird mit der Hand am Tank“, erklärt Strangmann. „Außerdem sitzt der Gasgriff am linken statt rechten Lenkerende.“ Für diese Besonderheit gibt es einen kuriosen Grund: „Indians wurden in den USA als Polizeimaschinen eingesetzt. Deren Fahrer mussten die rechte Hand für ihre Waffen freihaben“, erklärt Strangmann.

So ungewöhnlich wie die Bedienung ist auch die Technik der historischen Maschinen. An der Vordergabel bügelt eine Längsblattfeder Straßenunebenheiten aus, das Heck ist ungefedert. Diese Aufgabe übernimmt stattdessen ein gefederter Sattel.

Horst Strangmann sammelt aber nicht nur Indians, sondern so ziemlich alles Historische auf zwei Rädern. So besitzt er unter anderem eine extrem seltene Nimbus mit einem längs eingebauten Vierzylinder-Reihenmotor aus Dänemark, eine Vielzahl an NSU Quicklys und jede Menge Fahrräder mit Hilfsmotoren aus den 50er-Jahren.

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Rubriklistenbild: © Leif Rullhusen

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