Sandra Otte über Krise, Rettungsschirm und Kreativität

Der Lockdown wirkte wie ein Knockdown

Musik und auch Schauspielerei sind ihr als Hobbys durchaus wichtig; ihren Lebensunterhalt verdient Sandra Otte (43) aber als Physiotherapeutin.
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Musik und auch Schauspielerei sind ihr als Hobbys durchaus wichtig; ihren Lebensunterhalt verdient Sandra Otte (43) aber als Physiotherapeutin.

Hölingen – Sandra Otte aus Hölingen muss von ihrer Musik nicht leben, auch nicht von gelegentlicher Schauspielerei. Beides bereitet ihr gleichwohl viel Freude. Im Hauptberuf verdient die 43-Jährige ihren Lebensunterhalt als Physiotherapeutin. Wie sie den Lockdown erlebt hat, verrät sie im Interview.

Haben dir die Auftritte und Wohnzimmerkonzerte gefehlt, als rein gar nichts mehr möglich war?

So vieles hat gefehlt – natürlich die sozialen Kontakte, aber schon auch die Freiheit, einfach losziehen und musizieren zu können.

Ist womöglich ein konkretes Projekt wegen der Pandemie geplatzt?

Ja. Das war richtig ärgerlich. Ich gehörte einer Amateurgruppe des Staatstheaters Oldenburg an, die sich „der Erwachsenenclub“ nennt. In der Woche, als der Lockdown kam, hätten wir eigentlich unsere Hauptprobe, die Generalprobe und die Premiere in der Exerzierhalle gehabt. Das alles ist geplatzt.

Was wollte die Gruppe aufführen?

In dem Stück ging es um das Grundthema „unterwegs sein und ankommen“. Das war ein theaterpädagogisches Projekt mit einem experimentellen Ansatz.

Musstest du dich bewerben? Gab es ein Casting?

Ja, mit etwa 45 Teilnehmern. Recht viele, 17 glaube ich, sind übrig geblieben und durften mitmachen. Wir hatten von September 2019 an geprobt. Alles war fertig...

...und dann die ganze Arbeit für die Katz! Hattest du eine große oder eine kleinere Rolle?

Weil ein Schwerpunkt auf der Gruppendynamik lag, waren die Mitwirkungsanteile gerecht verteilt. Ich freue mich nun auf ein neues Projekt: Ich bin im Theater im Volkshaus in Bremen-Walle gelandet – im Ensemble „Surprise“ unter der Leitung von Maria von Bismarck.

Deinen Lebensunterhalt verdienst du als Physiotherapeutin. Konntest du mit dem Lockdown-Beginn weiter praktizieren?

Nein. Physiotherapeuten durften nur mit ärztlicher Verordnung weitermachen. In meiner Privatpraxis in Bühren arbeite ich aber ausschließlich mit Selbstzahlern. Der Lockdown hat mich regelrecht ausgeknockt.

Das hat dich natürlich weit härter getroffen als das geplatzte Theaterprojekt.

Klar, da ging es um meine Existenz. Ich habe mir aber sofort meinen eigenen Rettungsschirm gebastelt.

Und wie sah der aus?

Ich rief beim Spargelhof Alfken in Groß Köhren an und durfte dann gegen Entlohnung im Hofladen Spargel verkaufen. Das hat mir viel Freude bereitet. Ich bin den Alfkens unglaublich dankbar dafür, dass sie mich so spontan „aufgefangen“ haben. Nach sechs Wochen konnte ich die Arbeit in meiner Praxis wieder aufnehmen.

Hast du die Krise bislang wirtschaftlich unbeschadet überstanden?

Ja, total.

Zurück zur Musik: Bist du während des Lockdowns kreativ geworden?

In der ersten Zeit gar nicht. Da musste ich andere Prioritäten setzen. Die Kreativität kam aber nach dem großen Schreck zurück. Seit Juni habe ich sogar drei neue Lieder geschrieben. In einem der Songs nehme ich die Leute mit an einen See mit Strandbar und beschreibe die Stimmung dort. Das zweite Stück dreht sich um einen Menschen, der manipulativ die Leute um sich herum lenkt.

Das passt in dein bisheriges Repertoire. Du persiflierst ja ausgesprochen gern schräge Typen und Verhaltensweisen.

So auch in dem dritten neuen Lied. Da geht es um ständiges Hocken vorm Computer.

Gibt’s du schon wieder Wohnzimmerkonzerte?

Nicht direkt. Gebucht werde ich stattdessen für Gartenkonzerte. Ich finde es wirklich wunderbar, dass die Leute so kreativ werden, weil sie endlich wieder Kultur erleben wollen. Die Sehnsucht danach ist spürbar.

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