„Depui“ aus Oslo begeistert restlos

Rauchige Stimme rockt das „Liberty‘s“

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Wie aus einem Guss: „Depui“ (Mitte) mitsamt Begleitband.

Harpstedt - Susanne Renken freute sich über ein „Depui“-Album, das sie im Rahmen einer Verlosung gewann – und Manfred Abele über das „beste Konzert“ seit Bestehen der Reihe „Kultur am Donnerstag“.

Der Gast aus Oslo, Bent Ivar Depui Tversland, der im „Liberty‘s“ in Harpstedt mit vier Begleitmusikern auftrat, entpuppte sich als Glücksgriff und Volltreffer. Die knapp 30 Besucher konnten sich an seinen Folk-Rock-Songs und -Balladen gar nicht satt hören und verlangten noch nach Zugaben, als der sympathische Künstler die allermeisten Titel seiner beiden Alben „Depui“ und „Growing wild“ schon zum Besten gegeben hatte – live und unplugged. Der Singer-Songwriter verabschiedete sich mit Bonus-Tracks und dürfte einige Fans neu hinzugewonnen haben. Seine Alben gingen nach Konzert-Ende jedenfalls weg wie geschnitten Brot – mit persönlicher Signatur, versteht sich.

Das Konzert überraschte in mehrfacher Hinsicht: Zum einen offenbarte das Songmaterial mit durchweg außerordentlich eingängigen, runden Melodienbögen und Refrains geradezu Hit-Qualitäten. Zum anderen sang „Depui“ ganz anders, als er sprach: Seine rauchige Gesangsstimme klang für Zuhörer Manfred Abele nach dem „jungen Joe Cocker“. Der Künstler aus Oslo selbst verriet während eines Interviews in der Pause, viele seiner Fans, die ihm lauschten, fühlten sich eher an die Röhre eines Tom Waits erinnert. Musikalisch inspiriert habe ihn unter anderem der Blues-Rock-Gitarrist Gary Moore.

Regina Mudrich verlieh den Tracks mit ihrem einfühlsamen Violinenspiel und brillanten Soli – an einer Stelle sogar im „Duell“ mit Bassist Martin Zemke – einen an Celtic Folk erinnernden Touch. Die Stücke hätten gut auch in einen traditionellen irischen Pub gepasst, besonders die schnelleren Nummern wie „Rearranged“ oder „Baby Jane“. Im zweiten Konzertteil nach der Pause ging es ein wenig melancholischer und balladesker zu. Die Violinistin plauderte zur Biografie des Norwegers aus dem Nähkästchen und ließ das Publikum hier und da ein bisschen rätseln, ob sich in ihren Erläuterungen Dichtung und Wahrheit vermischten. „Depui“ trage nicht von ungefähr einen französisch klingenden Namen. In Frankreich lägen seine Wurzeln. Einer seiner Vorfahren sei dort am Hof Musiker gewesen, aber zugleich auch Casanova. Er aber alle Frauen begehrt. Mit dem Ergebnis, dass sich erboste Ehemänner an ihn rächen wollten – vor allem, nachdem „er die Königin verführt“ habe. „Er musste verschwinden, zog weit weg und kam irgendwann in Norwegen an. Weil wahrscheinlich schon früher die Skandinavier etwas liberaler als die Franzosen waren, konnte er da bleiben. Und das ,Endprodukt‘ der Geschichte sehen wir nun heute hier“, fuhr Regina Mudrich schmunzelnd fort.

Die Erklärung, warum die Stimme des Singer-Songwriters klinge, als hätte er „mit dreieinhalb Jahren angefangen, Whiskey pur zu saufen“, blieb sie nicht schuldig: „Aufgepasst, jetzt kommt der Grund, warum der Norweger an sich gegen den Euro ist: Die Krone rettet im Gegensatz zum Euro Leben! So war‘s zumindest bei ,Depui‘. Im zarten Alter von drei Jahren hat er ein Kronenstück aspiriert. Es steckte in der Luftröhre fest. Wegen des Lochs in der Mitte des Geldstücks war die Luftzufuhr nicht ganz unterbunden. Die Mutter schaffte es mit ihrem Sohn rechtzeitig zum Arzt; das Kind hat überlebt. Der Mediziner fischte die Münze mit Mühe heraus. Dabei kam es aber zu Verletzungen an den Stimmbändern.“

Zu den zwei bereits erwähnten Überraschungen des Konzerts kam übrigens noch eine dritte hinzu: Die zusammengewürfelte Band harmonierte so perfekt, als stünde das Quintett in dieser Besetzung schon seit Jahrzehnten Abend für Abend auf der Bühne.

boh

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