Delmeschulturnhalle wird für die Ankunft der Asylbewerber im Dezember hergerichtet / Vereine sind bereits informiert

Sammelunterkunft für 46 Flüchtlinge

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Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse (l.) und Hausmeister Peter Sparkuhl begutachten eines der bereits gelieferten Bettgestelle.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Dass die Samtgemeinde die Delmeschulturnhalle in Harpstedt als Sammelunterkunft für Flüchtlinge auserkoren hat, ahnen viele Harpstedter schon seit etlichen Wochen. Nun, da auch die betroffenen Sportgruppen offiziell im Bilde und der Wachdienst bereits 24 Stunden vor Ort ist, konnte Verwaltungschef Herwig Wöbse die redensartliche Katze aus dem Sack lassen. Das tat er heute, Freitag, während eines Pressegespräches im Amtshof. „Ab der zweiten Dezemberwoche sind wir aufnahmebereit“, sagte er. Und dann dürfte es nur eine Frage von Tagen sein, bis alle 46 Plätze mit Flüchtlingen belegt sind.

Die ausgewählte Turnhalle ist aus kommunaler Sicht die am ehesten entbehrliche. Sie habe die geringste Bedeutung für den Punktspielbetrieb und sei nicht an einer der Schulen „angedockt“, so Wöbse. Wegen einer Sanierungsmaßnahme als Folge „diagnostizierter“ Einsturzgefahr hatten die Nutzer schon einmal auf das Gebäude verzichten müssen. Das wird nun wieder so sein, und zwar, wie der Samtgemeindebürgermeister vermutet, keineswegs nur vorübergehend, sondern für längere Zeit.

Für Donnerstag sind die betroffenen Vereine zu einem Gespräch über räumliche Ausweichlösungen und Hallenzeiten gebeten worden. Mehrere Optionen kommen dann wohl auf den Tisch. Vormittags gäbe es die Möglichkeit, das eine oder andere noch offene Zeitfenster in anderen Turnhallen zu nutzen. Wöbse richtet den Blick auch nach Groß Ippener. Auf das dortige Dorfgemeinschaftshaus könnten eventuell einige Turn- und Gymnastikgruppen ausweichen. Die Ippener Turnhalle wäre ebenso eine Option nach entsprechender Einigung mit der Betreiber-GmbH, allerdings wohl keine kostenfreie; etwaige anfallende Nutzungsgebühren dürften nach Ansicht von Wöbse aber nicht den Sportlern aufgebürdet werden. „Das Finanzielle müsste die Samtgemeinde mit der GmbH regeln.“ Bislang haben Schulen, Vereine und Kindergärten die Delmeschulhalle vormittags genutzt. An den Nachmittagen und Abenden standen Hallenzeiten für Sportgruppen zur Verfügung. Seit heute ist das nun passé – und die Halle gesperrt. Die Vorbereitungen für die Herrichtung als Flüchtlingsunterkunft laufen. Spinde sind bereits geliefert worden. Ebenso Betten mitsamt Bettzeug; sie sollen ebenerdig aufgestellt werden, lassen sich bei Bedarf aber auch zu Etagenbetten aufstocken. Zaunelemente dienen dazu, die Schlafstätten ein wenig voneinander abzutrennen, um so ein bisschen Privatsphäre zu schaffen. Zunächst müssen nun alle vorhandenen Turngeräte ausgeräumt oder demontiert und dann eingelagert werden. Auch der Brandschutz ist ein Thema. Nichts darf entflammbar sein. Das könnte für den Ballprallschutz an den Wänden das Erfordernis einer Verkleidung mit Rigipsplatten bedeuten.

Einen großen Pluspunkt des Standortes sieht Verwaltungschef Wöbse darin, dass die Flüchtlinge das kreiseigene Kreisjugendzeltplatzgebäude mitnutzen können. Dort werden sie die Mahlzeiten einnehmen und auch ihre Wäsche waschen und trocknen. Die Räumlichkeiten stehen ihnen zudem tagsüber als Aufenthaltsbereich zur Verfügung. Zwei Waschmaschinen und zwei Trockner sowie ein Fernseher sind schon vorhanden. Ein Wlan-Zugang kommt hinzu. Zwei Umkleidebereiche mit Duschen und Toiletten stehen in der Turnhalle zur Verfügung, WCs und Handwaschbecken im Zeltplatzgebäude.

Für die Beköstigung mit Frühstück, Mittag und Abendbrot wird ein externer Dienstleister sorgen. Der liefert nicht nur das Essen. Er soll auch die Ausgabe und Begleitung der Mahlzeiten übernehmen. Ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern will die Samtgemeinde solche Aufgaben bewusst nicht aufbürden – nicht zuletzt, um etwaiger Überforderung vorzubeugen. „Es ist ja noch die Frage, ob der Helferkreis adäquat zur wachsenden Zahl der Flüchtlinge mitwächst“, gibt Wöbse zu bedenken.

Die Herrichtung der Halle will die Kommune mit eigener Man-Power bewerkstelligen. Darum kümmern sich die Hausmeister und – bei Bedarf – auch Bedienstete des Bauhofes. Wöbse ist heilfroh darüber, dass die Samtgemeinde „selbstbestimmt“ und in aller Ruhe handeln kann. „Wir haben zum Glück ein bisschen Puffer“, sagt er mit Blick auf die Vorbereitungen, die in der ersten Dezemberwoche abgeschlossen sein sollen.

Die Flüchtlinge, die kämen, seien bereits registriert und mit den Gegebenheiten in Deutschland zu einem guten Stück vertraut, da sie sich schon einige Zeit hier aufhielten. Sie würden „ganz normal“ über die Landesaufnahmebehörde zugewiesen. Auch die DRK-Kleiderkammer richte sich auf ihre Ankunft ein und könne nun einen zusätzlichen Raum in der Delmeschule für die Einlagerung von Bekleidung nutzen.

Wöbse hofft, dass die Sportgruppen Verständnis für die Beeinträchtigungen aufbringen und die Bevölkerung insgesamt verständnisvoll auf die nötige Einrichtung der Sammelunterkunft reagiert. Anderenorts gebe es ein recht konfliktfreies Miteinander und ruhiges Klima, so auch in der Gemeinde Ganderkesee.

Mit demnächst gut 100 bereits dezentral untergebrachten und den 46 erwarteten Flüchtlingen hätte die Samtgemeinde ihr „Soll“ bis Ende Januar schon erfüllt. Selbst die erwartete Verdoppelung der Quote bis Sommer 2016 auf dann 300 müsste sich nach Herwig Wöbses Einschätzung ohne die Opferung einer weiteren Turnhalle bewerkstelligen lassen. Letzteres hielte der Bürgermeister auch für höchst problematisch.

„Der ganz große Druck ist bei uns noch nicht angekommen“, sagt er. „Aber das wird nicht mehr lange dauern.“

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