Experten bewerten Zustand der Delme

Meist nur mäßig bis unbefriedigend

Ein Flusslauf mit trüben Waser.
+
An manchen Stellen ist die Qualität der Delme gut, an anderen sehen die Experten des NLWKN ihren Zustand als deutlich kritischer an.

Harpstedt/Ganderkesee/Delmenhorst – Zieht man Schulnoten als Vergleichsgrößen heran, ist es um den Zustand der Delme nicht gut bestellt. Besser als „mäßig“ schneidet das Gewässer aktuell nicht ab. Dabei gibt es dort viel Schützens- und dringend Erhaltenswertes. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kontrolliert und bewertet die Zustände seit Jahren fortlaufend.

Auf Anfrage unserer Zeitung haben die Experten des Landesbetriebes die vorliegenden Daten mit Augenmerk auf den Landkreis Oldenburg umfassend ausgewertet und zusammengefasst. Der Fluss wird unterteilt in fünf zu bewertende Gewässerabschnitte: Oberlauf, Mittellauf, oberhalb Delmenhorst, Delmenhorst Stadt und Unterlauf im Tidebereich.

Um die Auswertung einordnen zu können, sind zunächst einige Grundlagen zu nennen: „Die Delme ist ein Fließgewässer, das noch ein relativ artenreiches Spektrum an typischen Fließwasserarten aufweist“, stellen die Fachleute eingangs fest. Das gelte sowohl für die wirbellosen Tiere wie auch für einige Wasserpflanzen. Daher ist die Delme seit 2008 als niedersächsisches prioritäres Fließgewässer mit sehr hoher Priorität bezüglich Maßnahmenumsetzung eingestuft worden. Der Delme-Mittellauf und die Delme oberhalb von Delmenhorst sind zudem als Schwerpunktgewässer ausgewiesen. Dort erfolgen im Rahmen der niedersächsischen Gewässerallianz intensiv Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung, so der NLWKN: „In den vergangenen beiden Jahrzehnten wurden bereits zahlreiche strukturverbessernde Maßnahmen an und in der Delme sowie die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit durch den Bau von Fischaufstiegsanlagen umgesetzt.“ Renaturierungsmaßnahmen mit Kieseinbauten und Anpflanzung von Ufergehölzen helfen, den Artenbestand aufrecht zu erhalten. Die abschnittsweise artenreichere Besiedlung der Delme konnte „dank des sehr hohen Engagements vieler Institutionen erhalten werden“, sodass man auch heute noch umfangreichere Abschnitte mit hoher Artenvielfalt von wasserlebenden Kleinstlebewesen (Makrozoobenthos) und typischen flutenden Wasserpflanzen findet, heißt es weiter.

Noten für den Zustand

Die seit 2009 nach EG-Wasserrahmenrichtlinie vorgenommene ökologische Bewertung des Zustands beziehungsweise Potenzials der Fließgewässer umfasst eine fünfstufige Beurteilung von sehr gut (Note 1) bis schlecht (Note 5) und wird anhand der Biologie und unterstützend anhand allgemeiner chemisch-physikalischer Parameter ermittelt. Hierfür werden mehrere Standorte hinsichtlich der Biologie analysiert. Diese Untersuchungen umfassen die wirbellosen Tiere (hierzu gehören zum Beispiel Wasserkäfer, Muscheln, Wasserschnecken, die Larven von Libellen, Köcher-, Stein- und Eintagsfliegen), Fische und Rundmäuler, Wasserpflanzen und bodenlebende Kieselalgen. Das anhand dieser biologischen Gruppen festgestellte Artenspektrum ergibt die ökologische Bewertung nach Wasserrahmenrichtlinie.

Die Delme wird aktuell (2021) vom NLWKN wie folgt bewertet: „Der Mittellauf der Delme, der Delme-Abschnitt oberhalb von Delmenhorst und der kurze Tidebereich im Unterlauf der Delme weisen einen mäßigen ökologischen Zustand beziehungsweise Potenzial 3 auf. Insbesondere im mittleren Fließgewässerabschnitt konnten aufgrund der umfangreichen strukturverbessernden Maßnahmen die Wasserpflanzen und die wirbellosen Tiere (hierzu gehören unter anderem Libellen, Köcherfliegenlarven, Muscheln) teilweise mit gut bewertet werden. Der Oberlauf und der Bereich in Delmenhorst selbst sind anhand der vorgefundenen Lebensgemeinschaften nur mit unbefriedigend (Note 4) beurteilt.

Verbesserungen notwendig

In dem Fluss werden etwa seit Ende der 1990er-Jahre vom NLWKN Brake-Oldenburg drei Messstellen monatlich auf Nährstoffe, Eisen und weitere allgemein chemisch-physikalische Parameter hin untersucht. „Insbesondere Eisen, Phosphat, Gesamtstickstoff und Nitrat weisen hohe Werte auf und überschreiten teilweise weit die Orientierungswerte für Fließgewässer beziehungsweise den Zielwert für Stickstoff-Gesamt, die nach Oberflächengewässerverordnung für den guten ökologischen Zustand genannt sind“, wertet der Landesbetrieb die jüngsten Messwerte aus. Der nach EG-Wasserrahmenrichtlinie geforderte „gute ökologische Zustand“, respektive das „gute ökologische Potenzial“ der Delme sind demnach noch nicht erreicht. Denn einerseits sei in Teilstrecken der Delme weiterhin noch eine relativ hohe Artenvielfalt vorhanden, die durch strukturverbessernde Maßnahmen gestützt werden konnte. Andererseits zeige sich in vielen Abschnitten eine besonders starke Verockerung durch hohe Eiseneinträge sowie eine Veralgung und Verkrautung durch die nach wie vor bestehende Nährstoffbelastung, die eine weitere Entwicklung der Artenvielfalt verhindere, beschreiben die Fachleute den aktuellen Zustand.

Diese Belastungen durch Verockerung, Nährstoffeinträge sowie auch Sand- und Feinstoffe führen immer noch zu erheblichen Einschränkungen in der Besiedlung. Arten mit höheren Lebensraumansprüchen fehlen (etwa Steinfliegen) oder sind insgesamt nur in (sehr) geringen Individuenzahlen nachzuweisen (unter anderem die in Niedersachsen sehr selten gewordene Bachmuschel, die nach der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie geschützt ist).

Das heißt: „Neben dem Erhalt von Abschnitten mit bereits guter Gewässerstruktur und weiterer Verbesserung der Gewässerstrukturen, um die sich im Rahmen der Gewässerallianz bereits intensiv gekümmert wird, sind insbesondere Verockerung und diffuse stoffliche Einträge aus der Landwirtschaft zu reduzieren, um eine Delme-typische Artenvielfalt und damit den guten Zustand des Gewässers zu erreichen“, urteilt der NLWKN.

Verockerung: Wenn die Delme zu „rosten“ scheint

Ursache der Verockerung ist laut NLWKN vor allem die durch Nitrateinträge in Boden und Grundwasser verursachte Eisenfreisetzung in entsprechenden Schichten im Boden: Das Eisen gelangt in die Delme und verursacht erhebliche ökologische Probleme für Fische und Fischnährtiere.

Neben Eisen werden zusätzlich die Nährstoffe, insbesondere Stickstoff und Phosphat, durch Dränagen und Oberflächenabfluss aus den landwirtschaftlichen Flächen in die Delme eingetragen und führen so zu einer Überdüngung des Gewässers.

Das hat unerwünschte Auswirkungen: „Die Eisenverbindungen sind für viele Makrozoobentos- und Fischarten unmittelbar schädlich. ... Der Ocker legt sich als rotbrauner Film über die Gewässersohle, auf die Blätter von Wasserpflanzen und auf die im Gewässer lebenden wirbellosen Tiere (Makrozoobenthos) oder die Kiemen von Fischen. Die Eisenoxidation belastet den Sauerstoffhaushalt der Gewässer und senkt den pH-Wert. Das ,Verbacken‘ der Sedimente führt zu einer Verstopfung des Sand- und Kieslückensystems, der ,Kinderstube‘ für die Larvenstadien von Großmuscheln, den lachsartigen Fischen (Bach- und Meerforelle, Lachs) und vielen anderen Arten.

Besonders die sauerstoffbedürftigen Tiere werden durch den Ockerbelag auf ihren Kiemen in ihrer Sauerstoffaufnahme behindert. Hartsubstrate werden durch den schlammigen Ockerbelag unbesiedelbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Sauberhafte Zeiten: Vorwerk-Aktionssets mit gratis Extra sichern

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Was Hobbyköche über die Schwarzwurzel wissen sollten

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

Bin ich gegen Corona immun? Jetzt mit dem Corona-Antikörper-Selbsttest herausfinden

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Meistgelesene Artikel

OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs

OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs

OLB schließt Geschäftsstellen und streicht Jobs
Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt

Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt

Kreuzungsbereich Bahnhofstraße wird voll gesperrt
„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“

„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“

„2G-Regel wäre der Todesstoß für den Handel“
Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Ihren Oldie mit Stern fuhr einst Heinz Schenk

Kommentare