Starterpaket für eigenes Grundstück geplant

Essgärten für alle: Dieser Mann erteilt die Erlaubnis zum Kopieren

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Herzhaft: Frits Deemter beißt in eine Mariendistel.

Dass man im Essgarten von Frits Deemter nahezu alles in den Mund stecken und dabei häufig Überraschendes schmecken kann, ist bekannt. Dass auch die eigenen paar Quadratmeter Grün zu einer solchen „kleinen Oase“ werden können, weniger. Künftig will Deemter diesen Wandel unterstützen.

Barjenbruch – Drei Finger an die rechte Schläfe, Fingerspitzen zusammengelegt, dann eine kleine 90-Grad-Drehbewegung: Diese Geste macht Frits Deemter, Eigentümer des Essgartens in Barjenbruch, häufig während des Gesprächs. Er redet darüber, wie er jene Menschen für Pflanzen und Natur interessieren kann, die nicht eh schon seinen Garten besuchen. Um das „Mini-Umdenken“ geht es ihm, und darum, was es auslöst. Die Idee des 58-Jährigen: Das Konzept des Essgartens verbreiten und zeigen, welcher Nutzen in vermeintlichen Zierpflanzen steckt. Stockrosenblätter zum Beispiel, erklärt Deemter, seien zwar geschmacklich eher neutral, hätten auf die Milz aber sehr positive Auswirkungen.

Schaut man auf die Internetseite des Essgartens, stehen derzeit Veranstaltungen im Vordergrund. Öffentliche Führungen sind bis August ausgebucht, Gourmetabende sogar bis Oktober. Deemter mag Gäste, auch wenn die Arbeit anstrengend ist. Zwei Wochen Urlaub hat er angesetzt, um die Saison „gut gelaunt“ zu überstehen. In Zukunft will er den Schwerpunkt anders setzen: „Ich will nicht nur eine Party-Bude sein“, sagt der 58-Jährige. Denn bei einer netten Feier bleibe zum Thema Essen und Pflanzen kaum etwas bei den Besuchern hängen.

Ernährungstrend startet im eigenen Garten

Deemter sieht einen Ernährungstrend, der seinen Ausgang im Garten nimmt. Obst direkt vom Baum zu essen, aus Wildkräutern Suppen zu kochen oder den Salat vor der Haustür zu pflücken, sei doch ganz logisch, findet er. Warum so viele Menschen das nicht täten? Weil sie häufig nicht wüssten, was in den Pflanzen stecke – Stichwort Stockrose. Oder Hopfen. Oder Farn. Beide werden in anderen Ländern als Delikatessen, ähnlich dem Spargel hierzulande, gehandelt, sagt Deemter. „Wir reißen es raus, in Belgien zahlt man dafür“, erklärt der 58-Jährige, einen Hopfentrieb haltend.

Brühwürfel-Ersatz: Die Blätter des Chinesischen Gewürzbaums schmecken nach Zwiebeln und Knoblauch.

Hobbygärtnern, die auch gern essbares Grün heranziehen möchten, will Deemter ein Angebot machen, um zu zeigen: „So schwer ist das nicht.“ Er könne sich vorstellen, zum Beispiel ein Starterpaket für den eigenen Essgarten zusammenzustellen. Darin: verschiedene Samen oder Pflanzen, eine Anleitung mit Informationen zum Anbau sowie Rezepte. „Es scheint ein Modell zu sein, das die Leute gern kopieren“, sagt er. Kooperationspartner für seine Ideen, etwa Pflanzenhändler oder Naturschutzorganisationen, suche er noch.

„Heidepark Soltau für Insekten“

Sei dann der Schritt zum eigenen, essbaren Garten gemacht, ergebe sich automatisch auch ein Naturschutzaspekt, ist Deemter überzeugt. Wer Salat vor seiner Haustür pflücke, achte darauf, dass er von Pflanzengiften unbelastet bleibt. Den Unterschied zwischen stark bewirtschaftetem Land und dem relativ naturbelassenen Grundstück des Barjenbruchers ist augenfällig. Selbst bei bedecktem Himmel und kühlem Wetter summt es überall dort, wo Blüten zu sehen sind. „Das ist Heidepark Soltau für Insekten“, sagt Deemter.

Die Indianerbanane trägt mangoähnliche Früchte, die wie Pudding gelöffelt werden können.

Auch Hitze und Dürre des vergangenen Sommers hat dem Essgarten nur wenig geschadet. In die Tiefe gewachsene Wurzeln und eine dichte Schicht feuchter Humus hätten die Pflanzen geschützt. Das sei vor allem der Tatsache zu verdanken, dass er sich anfangs wenig um seinen Garten habe kümmern können. Aus Fallobst und Rasenschnitt sei Humus geworden, die Wurzeln hätten sich in Konkurrenz zu anderen entwickeln müssen. Verhätschelt werden Deemters Pflanzen auch heute nicht – trotzdem gedeihen Exoten wie die Indianerbanane oder der Japanische Staudenknöterich. Sie schmecken nach Pudding und Rhabarber.

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