Das letzte Bier ist ausgetrunken

Gaststätte Schliehe-Diecks gehört der Vergangenheit an

Vor dem hinteren Eingang zum Gartencafé: Inge und Peter Schliehe-Diecks.
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Vor dem hinteren Eingang zum Gartencafé: Inge und Peter Schliehe-Diecks.

Colnrade – Die Gaststätte von Inge und Peter Schliehe-Diecks ist ein fester Bestandteil des Colnrader Ortskerns gewesen. Jetzt nicht mehr. Völlig überraschend kam die Entscheidung, das Lokal zu schließen, aber nicht. „Wir haben immer schon gesagt, dass wir aufhören, wenn wir Rentner sind. Konkret wurde der Entschluss vor einem halben Jahr“, verrieten die Inhaber.

Eventuell wird einer der beiden Söhne, die noch zu Hause wohnen, zu der einen oder anderen Veranstaltung oder Familienfeier die Pforten öffnen; in trockenen Tüchern ist das aber bislang nicht.

Von 1989 bis 2005 hatte das Gebäude zunächst Bäckerei und Lebensmittelgeschäft beherbergt. Anschließend wurde daraus die Gaststätte nebst Gartencafé. Wer es etwas rustikaler mochte, kam von 2008 bis 2015 im „Heuhotel“ auf seine Kosten. Ungezählte Veranstaltungen machte das Ehepaar Schliehe-Diecks möglich. Dazu gehörten unter anderem Versammlungen ortsansässiger Vereine, Familienfeiern wie Geburtstage und Konfirmationen, außerdem Kohl- und Spargelessen, Adventsausstellungen und Weihnachtsfeiern in der Scheune. Nicht zu vergessen: das beliebte Scheunenkino mit Nachmittagsvorführungen des Mobilen Kinos Niedersachsen für die Kinder und Abendvorstellungen für die „Großen“.

Unsere Tochter wohnt mit ihrer Familie in Berlin. Dort können wir jetzt auch mal ein paar Tage am Stück verbringen und die Enkel verwöhnen. Berlin ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Inge Schliehe-Diecks

„Wir schließen mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Es war eine schöne Zeit, aber jetzt beginnt etwas Neues. Unsere vier Kinder haben uns sieben Enkelkinder im Alter von drei bis zwölf Jahren geschenkt. Um sie  möchten wir uns jetzt verstärkt kümmern“, sind sich Inge und Peter Schliehe-Diecks einig. Viele Feiern innerhalb der eigenen Familie fanden in der Vergangenheit ohne sie statt. Nun haben sie Zeit dafür und für andere Dinge – auch an Wochenenden.

„Unsere Tochter wohnt mit ihrer Familie in Berlin. Dort können wir jetzt auch mal ein paar Tage am Stück verbringen und die Enkel verwöhnen. Berlin ist auf jeden Fall eine Reise wert“, findet Inge Schliehe-Diecks. Ihr Mann freut sich derweil schon richtig darauf, seinen für Wildeshausen kickenden Enkel bei Fußballspielen anzufeuern. Das schließt natürlich auch Fahrdienste zu den Spielen im Umkreis ein. Was für die beiden Gastronomen ebenfalls zu kurz kam: Freunde von früher treffen. Auch das wollen sie nun nachholen.

Mit dem Klingelbeutel in die Kneipe

Ein herausragendes Ereignis ist den Eheleuten in Erinnerung geblieben – der Jahre zurückliegende Besuch des amerikanischen Botschafters John B. Emerson, der Verwandtschaft in der Gemeinde Colnrade hat: „Er kam mit seinem Gefolge und Bodyguards. Gepanzerte Fahrzeuge fuhren durch unseren Ort.“

Ein weiteres „Anekdötchen“: Der in Colnrade unvergessen gebliebene Pastor Horst Ehrenreich, Stiefvater von Woldemar Schilberg (Konrektor der Harpstedter Grundschule), ging früher mit dem Klingelbeutel zum Stammtisch. Warum? Die Kirche war leer, die Gaststätte voll. Alle genossen ihren Sonntagsfrühschoppen. Geld wanderte trotzdem in den Klingelbeutel, sogar viel mehr, als allein im Gotteshaus zusammengekommen wäre.

Zum letzten Mal traf sich am Donnerstagabend die siebenköpfige Senioren-Stammtischrunde (die bestand vor rund 25 Jahren, bei den anfänglich wöchentlichen Treffen, aus zwölf Personen). Einen von Werner Tegen verfassten Rückblick mit vielen Erinnerungen übergab Horst Degen – zur großen Freude von Peter und Inge Schliehe-Diecks, zeugt die Geste doch von einer großen Wertschätzung der Wirtsleute.

Von Anja Rottmann

In die Geselligkeit mischt sich Wehmut: Der Stammtisch wird seine Stammkneipe vermissen. Von links: Siegfried Bittner, Heinz Schnieder, Gastwirt Peter Schliehe-Diecks, Horst Degen, Helmut Schröder und Wilhelm Straßburg.

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