Verkehrserziehung am Fahrradsimulator mit Aha-Effekt in der Grundschule

„Das ist keine Playstation“

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Die Unfallgefahr lauert überall. Dass diese Fahrt am Simulator schon in wenigen Sekunden vorbei sein wird, ahnt der Junge am Lenker noch nicht. „Was ist hier passiert?“, lautet eine wiederkehrende Frage, die Rolf Quickert (links) den Schülern stellt.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Das hier ist keine Playstation, sondern eine ernsthafte Geschichte“, betont Polizeihauptkommissar Rolf Quickert mit durchaus mahnendem Unterton und zeigt dabei im Klassenzimmer der 4a auf den mitgebrachten Fahrradsimulator der Verkehrswacht.

„Guten Mooooorgen, Herr Quickert“, begrüßt ihn die Harpstedter Grundschulklasse. „Mein Name hat sich anscheinend herumgesprochen. Oder aber ihr kennt mich noch von früher“, erwidert der Polizist. „Wer von euch hat denn im Kindergarten seinen Fußgängerführerschein gemacht?“, fragt er. Ein Mädchen meldet sich. „Rate mal, bei wem!“, reagiert Quickert mit einem Lächeln. Ja, er sei Polizist in Wildeshausen. Ihm und seinen Kollegen gehe es aber nicht primär darum, Leuten Geld abzunehmen, die sich nicht an die Verkehrsregeln hielten, „sondern uns liegt vor allem daran, sie schon vorher über richtige und falsche Verhaltensweisen aufzuklären“. Viele Menschen bewegten sich im Straßenverkehr „leider nach ihrem Bauch – nach ihrem Gefühl“, bedauert Quickert.

Der Fahrradsimulator der Verkehrswacht besteht aus Computertechnik und einem Beamer; den „Drahtesel“ selbst „simuliert“ ein mit Lenker, Klingel und Handbremsen ausgestatteter Lenker. „Lenken braucht ihr aber nicht. Auch nicht klingeln. Nur bremsen“, erklärt der Verkehrssicherheitsexperte den Viertklässlern. In 38 interaktiven Filmen empfindet der Simulator unterschiedliche Verkehrssituationen nach. Der „Radfahrer“, der am Lenker steht, soll durch defensives, vorausschauendes und umsichtiges Verhalten Unfälle vermeiden. Das erweist sich im weiteren Verlauf für die Schüler als ganz schön schwierig.

Die Sache mit der Vorfahrt

„Ich möchte, dass jeder von euch zwei Filme durchspielt“, gibt Quickert die Zielrichtung vor. Ein Junge macht den Anfang. Schon nach etwa einer halben Minute ist Schluss. „Durchgefallen“ würde das harte Urteil lauten, wenn diese „Simulation“ Prüfungscharakter gehabt hätte. Alle Nase lang stoppt Quickert die Filme. „Was ist hier passiert? Wer hat Vorfahrt?“, lauten wiederkehrende Fragen. Erkennt der „Radfahrer“ am Simulator nicht, was er in einer kniffligen Situation „verbockt“ hat, animiert Quickert die ganze Klasse, sich an der „Ursachenforschung“ zu beteiligen.

Kinder und Jugendliche nähmen den Verkehr etwa bis zu ihrem 14. Lebensjahr weniger gut wahr als Erwachsene, weiß der Hauptkommissar. Es falle ihnen vor allem schwer zu registrieren, was am Rande ihres Blickfeldes passiere. Diese Fähigkeit müssten sie erst im Laufe ihrer Entwicklung erwerben. Eben wegen des im Vergleich zu Erwachsenen ausgeprägteren „Tunnelblicks“ komme es für Kinder besonders darauf an, sich darüber im Klaren zu werden, dass sie als Fahrradfahrer „zu den schwächsten Verkehrsteilnehmern zählen“. Vor diesem Hintergrund sei eine vorausschauende, umsichtige Fahrweise besonders wichtig.

„Es ist besser, gegebenenfalls auf die eigenen Rechte im Straßenverkehr zu verzichten, als einen Unfall zu riskieren. Auch das will ich den Kindern vermitteln“, unterstreicht Quickert.

Dass sich gerade die „Schwächeren“ im Interesse ihrer eigenen Sicherheit schützen müssen, ist eine weitere Erkenntnis, die der Experte allen vier das Fahrradsimulationsprogramm durchlaufenden vierten Klassen der Grundschule Harpstedt besonders ans Herz legt. „Helm auf, bevor ihr aufs Fahrrad steigt!“, lautet in diesem Zusammenhang seine wichtigste Botschaft. Welche Folgen fehlender Schutz haben kann, bleibt den Viertklässlern nicht verborgen. Rolf Quickert zeigt ihnen einen zerborstenen Fahrradhelm, der ihnen recht drastisch suggeriert: Nicht auszudenken, wenn die Kräfte, die hier am Werk waren, auf einen ungeschützten Kopf einwirken!

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