SOMMER-SMALLTALK Ulrike Schafmeyer weiß um die Wirkung Progressiver Muskelentspannung

„Das funktioniert sogar virtuell“

Mit einer Ausnahme besteht die Gruppe, die hinterm Amtshof „open air“ Progressive Muskelentspannung praktiziert, aus Frauen.
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Mit einer Ausnahme besteht die Gruppe, die hinterm Amtshof „open air“ Progressive Muskelentspannung praktiziert, aus Frauen.

Harpstedt – Von Progressiver Muskelentspannung (PME) haben die Enten und Gänse am Burggraben keinen Schimmer. Gleichwohl nähern sich einige mit großer Neugierde den sechs Menschen, die hinterm Harpstedter Amtshof auf den Steinblöcken im Sitzen das abwechselnde An- und Entspannen von Muskelpartien mit Kursleiterin Ulrike Schafmeyer üben. Das Teilnehmerfeld ist an diesem heißen Sommerabend auf fast halbe Gruppenstärke geschrumpft. „Wie war eure Woche mit PME?“, fragt Schafmeyer eingangs. „Ich hab’s mal umgekehrt probiert und bin bei den Füßen angefangen“, lautet eine der Antworten. Im „Sommer-Smalltalk“ erklärt die Kursleiterin den Sinn von PME.

Frau Schafmeyer, was ist Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson – allgemeinverständlich ausgedrückt?

Eine Tiefenentspannung der Muskulatur, die Stress abbauen kann. In diesem Anfängerkurs, der sich über acht Abende erstreckt, lernen die insgesamt elf Teilnehmer, darunter ein Mann, 16 Muskelgruppen kennen, die sie der Reihe nach an- und wieder entspannen. Dadurch lernt wiederum der Parasympathikus, der im Gehirn für die Ruhe und das Loslassen zuständig ist, sich zu entspannen.

Wie groß ist die Altersspanne im Kurs?

Sehr groß. Sie reicht von Ende 30 bis etwa 80 Jahre.

Wie haben Sie selbst PME kennengelernt?

Ich bin Heilpraktikerin für Psychotherapie und Lebensberaterin. In diesem Zusammenhang habe ich vor einigen Jahren eine Fortbildung gemacht. Ich möchte mit meinen Klienten nicht nur Probleme wälzen, sondern ihnen auch aufzeigen: Du trägst selbst Ressourcen in dir, die du antriggern kannst. Angewandt habe ich PME schon in Sulingen. Ich lebe ja erst seit Oktober wieder in Harpstedt.

Ihr Mann, Pastor Jörg Schafmeyer, ist im Flecken auch kein Unbekannter.

Ja, Pastor im Ruhestand – und jetzt zurück in der alten Heimat. Ich selbst versuche, mich hier neu aufzustellen. Für den PME-Kurs habe ich dieses schöne „Zimmer“ im Freien gefunden. Für Herbst und Winter suche ich noch einen geeigneten Raum, in dem man sich mit zehn Leuten treffen kann. Hoffentlich ereilt uns bis dahin keine zweite Coronawelle. Hier, hinterm Amtshof, sind die Bedingungen in dieser Jahreszeit toll. Der Abstand ist gewährleistet. Wir müssen keine Masken tragen, wenn wir im Sitzen PME machen.

Mussten Sie schon Kurstermine absagen, weil das Wetter nicht mitgespielt hat?

Nein, für diesen Fall gibt es einen Plan B: Bei Regen finden wir Unterschlupf bei mir zu Hause – in der ehemaligen Schmiede an der Grünen Straße 3, die mein leidenschaftlich gern malender Mann als Atelier nutzt. Dorthin mussten wir aber erst ein einziges Mal ausweichen.

Wie läuft ein Kursabend wie der heutige ab?

Wir sitzen hier zunächst mit geschlossenen Augen. Die Gruppe hört nur noch meine Stimme. Umgebungsgeräusche, die vom Schnattern der Enten oder etwa einem Laubbläser herrühren, lernen wir auszublenden, um ganz bei uns zu bleiben.

Welche Partien werden an- und entspannt?

Wir fangen mit den Armen an. Dann kommt der Kopf an die Reihe. Mancher fragt verwundert nach: „Kopf? Das ist doch nur Schädel!“ Mitnichten. Wir können unsere Stirn in Falten legen, unsere Augenbrauen nach oben ziehen und sogar unsere Kopfhaut entspannen. Über die Nackenmuskulatur arbeiten wir uns im Kurs zu Rumpf, Bauch und Po vor und weiter hinab zu den Beinen. Die Teilnehmer kriegen auch Hausaufgaben auf, die sie, wenn sie möchten, freiwillig erledigen. Es ist wichtig, PME wirklich zu praktizieren – je öfter, desto tiefer dringt es ein. Im Kurs machen wir die Übungen im Sitzen, weil das eine besonders alltagstaugliche Variante ist.

Sie praktizieren PME auch am eigenen Körper?

Ja, und das Schöne daran ist, dass es sogar genügen kann, das virtuell zu machen. Ich gehe dann gedanklich durch meine Fäuste oder meine Oberarme und suggeriere das An- und Entspannen. Das funktioniert, weil mein Gehirn darauf eingestellt ist. Es weiß sozusagen: „Ah, gleich kommt Entspannung!“ Damit Progressive Muskelentspannung in uns selbst geschieht, müssen wir Spannung in uns wahrnehmen können. PME ist eine ganz sensible Methode, um wach zu werden – und achtsam für den eigenen Körper. Natürlich auch für die Seele. PME hat auch was mit Gedanken zu tun. Innere Bilder können in uns aufsteigen, wenn wir in der Tiefenentspannung sind. Schöne Bilder wie: Ich sitze unter einem Apfelbaum. Oder: Ich lass mich in ein Federkissen fallen.

Bei welchen Beschwerden kann die Methode Ihrer Ansicht nach helfen?

Bei Schlafstörungen, Bluthochdruck, Verspannungen in Nacken, Rücken oder Lenden, bei Nervosität und – ganz allgemein – Stress. Auch auf psychischer Ebene kann es eingesetzt werden, etwa bei Angstpatienten.

Von Jürgen Bohlken

Heilpraktikerin für Psychotherapie, Lebensberaterin, zertifizierte PME-Kursleiterin und Achtsamkeitstrainerin: Ulrike Schafmeyer.

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