Fachausschuss empfiehlt 1,45-Millionen-Euro-Ansatz für neues Colnrader Feuerwehrhaus

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. Nicht eine Million, auch nicht 1,3, sondern stattliche 1,45 Millionen Euro sollen nun für den Feuerwehrhausneubau in Colnrade im Haushalt 2020 der Samtgemeinde Harpstedt eingestellt werden – zusätzlich zu den bereits im diesjährigen Etat enthaltenen 600 000 Euro, versteht sich. Das hat der Feuerschutzausschuss am Donnerstagabend im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ mehrheitlich bei drei Neinstimmen aus den Reihen von CDU und HBL empfohlen.

Die Grünen setzen sich mit ihrem Vorstoß durch, finanziellen Puffer für einen eventuellen Waschplatz mit Ölabscheider zu berücksichtigen – sowie für etwaige regenerative Lösungen zur Energieversorgung des Neubaus, die nun auf Kosten und Nutzen geprüft werden sollen. Die ausufernden Kosten des Neubaus führte Planer Günther Glüsenkamp primär auf die gestiegenen baulichen Anforderungen an Feuerwehrhäuser zurück. Ebenso auf das recht rasant zulegende Preisniveau in der Bauwirtschaft. „Lasst uns schnell auch das Feuerwehrhaus für Prinzhöfte planen!“, mahnte der Ausschussvorsitzende Marco Roreger (CDU) augenzwinkernd.

Zu den heute üblichen Standards gehören neben einer Notstromversorgung eine platzraubende „Schwarz-Weiß-Trennung“, die bewirken soll, dass private Bekleidung nicht mit kontaminierter Dienstkleidung in Berührung kommt.

Bei der Fahrzeughalle für Colnrade hat die Samtgemeindeverwaltung bewusst Wert auf genügend räumlichen Pfuffer gelegt. Die Feuerwehrunfallkasse (FUK) soll schließlich nicht in ein paar Jahren aufs Neue „anklopfen“ und „zu kleine“ Stellplätze beanstanden. Probleme mit räumlicher Enge gebe es inzwischen auch in Beckeln, deutete Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse an. Dabei steht das Feuerwehrhaus dort gerade mal seit rund zehn Jahren. Es sei um etwa 60 Quadratmeter kleiner als allein der Sozialtrakt des jetzt geplanten Colnrader Feuerwehrhauses, wunderte sich Stefan Pleus (CDU) schon ein wenig. Glüsenkamps Planung kam ihm ausgesprochen großzügig bemessen vor angesichts durchaus vergleichbarer Mannschaftsstärken beider Ortswehren. Allein mit den gestiegenen Anforderungen konnte er sich den nahezu doppelten Platzbedarf gegenüber Beckeln nicht erklären. Über die von Glüsenkamp veranschlagten Kosten von 1,92 Millionen Euro habe sich die CDU-Fraktion regelrecht „erschrocken“ – auch vor dem Hintergrund, dass die Samtgemeinde in Beckeln mit „nur“ etwa 750 000 Euro ausgekommen war.

„Wir haben vor zehn Jahren das Feuerwehrhaus in Syke mit acht Einstellplätzen gebaut. Das hat damals 2,5 Millionen Euro gekostet. Man sieht daran, wie sehr die Tendenz nach oben geht. Nach den Vorgaben der Unfallkasse muss ich heute pro Einsatzkraft 1,2 Quadratmeter Platz bei den Umkleiden zur Verfügung stellen“, erwiderte Glüsenkamp.

Genau da lag der Hase im Pfeffer: Glüsenkamps Planung ist bei einer aktuellen De-facto-Mannschaftsstärke von 55 Aktiven für nicht weniger als 75 Personen ausgelegt, darunter 25 Frauen (aktuell gehören zehn der Einsatzabteilung an); die Mädchen aus der Jugendfeuerwehr sollen sich gegebenenfalls im Damenbereich umziehen können.

„Alles etwas üppig“, urteilte Horst Hackfeld (HBL) über das Konzept. Er versuchte, auf die Kostenbremse zu treten: „Ich beantrage einfach mal, dass wir Ihnen 1,6 Millionen Euro zur Verfügung stellen – und Sie Ihre Planung entsprechend angleichen“, sagte er in Richtung Glüsenkamp. An den FUK-Vorgaben „komme ich nicht vorbei“, erwiderte der Planer. Die einzige Option sah er darin, das Gebäude für weniger Einsatzkräfte zu konzipieren. Er werde jedenfalls nicht zusagen, das Projekt für eine Summe zu realisieren, von der er jetzt schon wisse: „Dafür kriege ich das nicht hin.“

Eine Vergabe zu einem Festpreis sei leider nicht möglich, bedauerte Herwig Wöbse: „Es wäre schön, wenn wir das machen dürften.“ Ein genaueres Bild von den tatsächlichen Kosten werde sich erst nach der Ausschreibung ergeben.

Klaus Budzin (SPD) zeigte sich regelrecht „geschockt“ von Hackfelds Vorschlag. „Ich drehe den Spieß mal um“, meinte er. „Stell dir vor, ich käme zu dir in die Bank mit den Worten: ,Drei Prozent müssen reichen’.“ Hackfelds schlagfertige Erwiderung – „Das kriegen wir hin“ – erntete Gelächter. „Ich finde es ungehörig, als Nicht-Fachmann einem Fachmann zu sagen, er müsse mit dem Preis mal eben um locker 20 Prozent runtergehen. Das ist schon heftig“, legte Budzin nach. Glüsenkamp habe im Übrigen „keinen Prachtbau“ konzipiert.

Aber einen „exklusiven Zweckbau“ , urteilte hingegen Stefan Pleus mit Blick auf die Fahrzeughalle (etwa 290 Quadratmeter) in Stahlhallen-Sandwichbauweise und dem Sozialtrakt mit Verblendmauerwerk. Dass der Komplex letztlich aus zwei Baukörpern „mit Versatz“, unterschiedlichen Breiten und Dachhöhen geplant sei, koste „ein Vermögen“, berief sich der CDU-Mann auf eine Einschätzung seines baukundigen Fraktionskollegen Günter Wöbse. In Beckeln habe die Samtgemeinde seinerzeit eine wesentlich elegantere Lösung realisiert. „Dort haben wir eine kompakte Halle mit einem durchgehenden Dach und durchgehenden Wänden“, gab Pleus zu bedenken. Glüsenkamp verteidigte seinen Entwurf: „Das ist die preiswerteste Lösung, die ich hinkriegen kann.“ Das Konzept für Colnrade hatte er letztlich aus seinen Entwürfen für das gebaute neue Feuerwehrhaus in Ristedt entwickelt. Dort sei das Gebäude allerdings nicht verblendet, sondern verputzt worden. Dem Vorteil, rund 10 000 Euro weniger Baukosten, steht als Nachteil das Erfordernis wiederkehrender Außenanstriche und damit verbundener Aufwendungen gegenüber.

In Putz sah Regina Huntemann (Grüne) nicht unbedingt eine nachhaltige Lösung. „Vor allem aber sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit die Energieversorgung betreffen“, betonte sie und beantragte, alle in Betracht kommenden Optionen zur Nutzung regenerativer Energien zu prüfen („Man muss auf lange Sicht denken und Alternativen vorgelegt bekommen, damit man vergleichen kann“). Das ging letztlich einstimmig bei allerdings sechs Enthaltungen im Ausschuss durch.

Horst Hackfelds Antrag, nur eine Million Euro im Haushalt 2020 für den Neubau vorzusehen, scheiterte hingegen. Der von Götz Rohde (Grüne) geforderte finanzielle Puffer für einen etwaigen Fahrzeug-Waschplatz fand wiederum Eingang in die Beschlussempfehlung. Die voraussichtlichen Mehrkosten betrügen etwa 55 000 Euro. Mindestens. Mit einer Überdachung käme ein Waschplatz, den die Verwaltung im Übrigen für verzichtbar hält, noch teurer.

HINTERGRUND: Fachlich notwendig, aber auch finanzierbar?

Der Feuerschutzausschuss entscheide über fachliche Notwendigkeiten, so Klaus Stark (SPD) in der Sitzung vom Donnerstag. Die Finanzierbarkeit kläre abschließend der Rat. Dazwischen stehe der Finanzausschuss. Stark regte an, „dass wir uns dort endlich mal darüber unterhalten, ob sich das, was in den letzten Jahren in der Samtgemeinde so gelaufen ist, künftig weiterhin mit der Belastung der Mitgliedsgemeinden vereinbaren lässt“. Als Kirchseelter Bürgermeister hatte er „seine“ Kommune im Blick. Dort zeichnet sich ab, dass die Belastung durch Kreis- und Samtgemeindeumlage laut Haushaltsentwurf für 2020 bereits die Gesamteinnahmen übersteigen. Die fachliche Notwendigkeit für das neue Colnrader Feuerwehrhaus bestritt Stark nicht. „Ob wir uns das so leisten können oder die Maßnahme vielleicht ein oder zwei Jahre aufschieben müssen, sollten wir uns nächste Woche ansehen“, spielte er auf die Finanzausschusssitzung am 28. November an.

„Wir können nicht jede Ausgabe unkommentiert durchwinken und uns dann über die steigende Belastung der Mitgliedskommunen durch die Samtgemeindeumlage beklagen. Ja, es gibt Notwendigkeiten. Gleichwohl muss man bei einer Kostensteigerung von rund 400 000 Euro für ein Feuerwehrhaus mal hinterfragen, ob es nicht vielleicht andere Ansätze gibt“, erwiderte Hans-Hermann Lehmkuhl (CDU).

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