Schnelles Internet: Harpstedt gehört zu den Sorgenkindern des Landkreises

Damit es nicht mehr ruckelt

Das Internet funktioniert in der Samtgemeinde Harpstedt meistens nur imSchneckentempo. Bis es schneller geht, dürften noch einige Jahre ins Land gehen. - Foto: dpa

HARPSTEDT - Von Ulf Buschmann. Ruckelfreie Videos schauen, online spielen, sich stundenlang in sozialen Netzwerken bewegen oder E-Mails mit großem Anhang zu versenden gehört für viele zum Alltag. Privatleute und Betriebe und Unternehmen nutzen das Internet heute ganz selbstverständlich. Es macht die Kommunikation einfacher – scheinbar. Doch in vielen Regionen ist die Anbindung ans schnelle Internet kaum oder gar nicht vorhanden. Dazu gehört die Samtgemeinde Harpstedt. Das soll sich durch die Pläne des Landkreises ändern. Mit dem Breitbandausbau befasst sich der Struktur- und Wirtschaftsausschuss des Landkreises in seiner Sitzung am 24. Mai.

„Es gibt viele weiße Flecken“, sagt Herwig Wöbse. Damit bringt Harpstedts Samtgemeindebürgermeister die Situation in Sachen schnellem Internet oder im Fachjargon Breitband-Anschluss auf den Punkt. In der Tat: Die Übersichtskarte des Breitband-Kompetenz-Zentrums Niedersachsen in Osterholz-Scharmbeck weist verfügbare Geschwindigkeiten von zwei bis 16 Megabit (Mbit) pro Sekunde aus. Mit dieser Einheit wird die Geschwindigkeit der Datenpakete gemessen. Bezogen ist sie für den sogenannten Download, das Herunterladen von Daten von einem Server. Der Upload, das Heraufladen, geht in der Regel langsamer.

Mit den verfügbaren Geschwindigkeiten bewegt sich Harpstedt auf dem Stand der Technik von vor fünf bis zehn Jahren. Dass seitdem nichts passiert ist, liegt nach Aussage von Wöbse an der geringen Bevölkerungsdichte und der Fläche der Samtgemeinde. Die Erschließung lohnt sich für die Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich nicht – also kommt der technische Fortschritt auf den Dörfern nicht an. Mit dieser Problematik stehen die Samtgemeinde beziehungsweise ihre Mitgliedsgemeinden nicht alleine da.

Fehlende Breitbandanschlüsse erweisen sich mittlerweile als der größte Hemmschuh für die ländliche Entwicklung und beschleunigen das Abwandern in die Städte. Dies hat die Bundesregierung nach jahrelanger Verweigerungshaltung erkannt und versucht gegenzusteuern. Seit Ende vergangenen Jahres fördert das zuständige Bundesministerium für Wirtschaft und digitale Infrastruktur den Ausbau von schnellem Internet mit rund zwei Milliarden Euro bis Ende 2018. Weitere knapp 700 Millionen legt das Land Niedersachsen drauf. „So viel Förderung gab es noch nie“, sagt Peer Beyersdorff, Geschäftsführer des niedersächsischen Breitband-Kompetenz-Zentrums.

Davon sollen in den Landkreis Oldenburg rund fünf Millionen Euro vom Bund und zwei Millionen aus Hannover fließen, wenn es nach dem Willen des Landkreises geht. Weitere drei Millionen sind kommunales Geld, das sich zu jeweils 50 Prozent der Landkreis und die Gemeinden teilen. Welcher Betrag am Ende für die Samtgemeinde übrig bleibt, steht nach Auskunft von Wöbse noch nicht fest. „Da sind unsere Mitgliedsgemeinden gefordert“, sagt er. Wöbse schätzt, dass der Breitbandausbau die Samtgemeinde 300 000 Euro kosten werde. Die Anteile jeder Mitgliedsgemeinde richten sich nach dem Ausbaubedarf. Wöbse ergänzt: „Manche Gemeinden müssen vielleicht gar nichts, andere 100 000 Euro zahlen.“

Bei den Planungen haben sich die Gemeinden und der Landkreis auf eines von mehreren Fördermodellen geeinigt: die Wirtschaftlichkeitslücke. Sie wird allein vom Bund mit bis zu 15 Millionen Euro je Maßnahme gefördert. Das bedeutet, dass Berlin dort in die Bresche springt, wo sich aufgrund geringer Nutzerzahlen ein Ausbau nicht rentiert. Andere Modelle kommen laut Landkreis nicht in Frage. So steht es in der Vorlage für den Struktur- und Wirtschaftsausschuss.

Er soll demnach am 24. Mai den Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen dem Landkreis Oldenburg und den angehörigen Gemeinden auf den Weg bringen. Ohne das Dokument ist die Finanzierung des kommunalen Anteils am Breitbandausbau nicht möglich. Außerdem soll die Verwaltung beauftragt werden, „nach Abschluss aller vorbereitenden Maßnahmen die erforderlichen Förderanträge beim Bund und dem Land Niedersachen zu stellen“.

Wenn die Förderbescheide aus Hannover und Berlin vorliegen, können die Arbeiter kommen. Ihre Aufgabe ist das Verlegen von Glasfaserkabel für schnelles Internet. Vorgesehen ist, die Leitungen bis zu bestehenden Kabelverzweigern zu verlegen; wo sie fehlen, werden zusätzliche gebaut. Die Fachleute sprechen von FTTC, Fibre to the curb. Wann die schnelle Medienwelt auch in den letzten Harpstedter Winkel kommen wird, kann Wöbse allerdings noch nicht sagen.

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