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Covid-Testergebnisse zu selten positiv?

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Von: Jürgen Bohlken

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Eine Erklärung für die angeordnete Schließung der Covid-Teststation im Harpstedter Eiscafé Venezia ist die Kreisverwaltung am Freitag schuldig geblieben – mit Verweis auf betreiberseitig angekündigte rechtliche Schritte.
Eine Erklärung für die angeordnete Schließung der Covid-Teststation im Harpstedter Eiscafé Venezia ist die Kreisverwaltung am Freitag schuldig geblieben – mit Verweis auf betreiberseitig angekündigte rechtliche Schritte. © Bohlken

Harpstedt – Auf Anordnung des Gesundheitsamtes ist die Covid-Teststation im Eiscafé Venezia in Harpstedt geschlossen worden. Mit dem angelaufenen Eisverkauf und der zuletzt erfolgten Verlegung der Testungen in die Garage nebenan hatte das nichts zu tun. Argwohn erregte offenbar der Umstand, dass auf mehr als 8 .000 Tests nur neun positive Ergebnisse kamen.

Der behördlichen Schließung einer Teststation geht für gewöhnlich ein Verstoß gegen die Testverordnung des Landes voraus. Auch in diesem Fall? Oliver Galeotti, Pressesprecher des Landkreises Oldenburg, ließ die Antwort auf Nachfrage unserer Zeitung offen. Die Betreiberin, die Vitaminpunkt GmbH (Delmenhorst), habe rechtliche Schritte angekündigt; daher könne er sich nicht näher zu dem Vorgang äußern.

„Der Dialog wird ausschließlich mit der Betreiberin geführt“, betonte Galeotti. Damit nahm er die Gastronomenfamilie Kalabalik aus der Schusslinie. Die fürchtet gleichwohl rufschädigende Auswirkungen und beteuert, so gewissenhaft wie nur möglich getestet zu haben.

Einer der Vitaminpunkt-Geschäftsführer stellte indes für kommenden Montag in Aussicht, sich seinerseits zum Grund der Schließung zu erklären. Dann sei er darüber vielleicht selbst besser im Bilde. „Wir haben dem Landkreis noch mal Gelegenheit gegeben, zu dem Sachverhalt zu argumentieren“, sagte er.

Im weiteren Verlauf eines Telefonats mit unserer Zeitung wurde der Geschäftsführer doch konkreter: Die Teststandorte Harpstedt und Ganderkesee seien zeitgleich „in den Fokus“ des Gesundheitsamtes geraten. Und zwar „aufgrund von Mutmaßungen“: Die Zahl der positiven Testergebnisse sei in Relation zu statistischen Daten angeblich auffällig niedrig und die Abweichung angeblich gravierend. Für den Geschäftsführer klingt das viel zu pauschal.

Hätte er – rein hypothetisch – auf Grundlage konkreter behördlicher Beobachtungen vorgehalten bekommen, Tests nicht richtig zu lagern, Hygienevorschriften zu verletzen, Abstriche nicht korrekt zu nehmen oder dergleichen, wären das zumindest Vorwürfe gewesen, mit denen er sich hätte auseinandersetzen können. Mit „Mutmaßungen auf Basis einer Statistik“ aber könne er gar nichts anfangen, zumal das Gesundheitsamt noch nicht einmal wisse, „welchen Test wir verwenden“. Da sich die Angelegenheit „fernmündlich“ nicht habe bereinigen lassen, habe er seinen Anwalt eingeschaltet.

Testung mit Termin

Nach der Schließung des Eiscafés als Covid-Teststation bleibt die Harpstedter Delmeschule als örtliche Option übrig. Dort testen die Malteser (auf Anmeldung) ab Montag zu erweiterten Öffnungszeiten (ab 17 Uhr). Terminbuchungen sind online möglich auf der Webseite malteser.covidservicepoint.de.

Der Geschäftsführer hält die Schließung der Teststation in Harpstedt für unberechtigt. Schon „die Kommunikation seitens des Gesundheitsamtes“ war seines Erachtens „fehlerhaft“. So habe Vitaminpunkt im Vorfeld keine schriftlichen Hinweise darauf bekommen, „dass etwas nicht in Ordnung gewesen wäre“. Und: Eine Überprüfung, die eine Schließung gerechtfertigt hätte, habe es gar nicht gegeben.

„Noch keinen einzigen Euro gesehen“

Dass der Testbetrieb in der Harpstedter Eisdiele auf behördliche Anordnung eingestellt worden ist, kommt dem Geschäftsführer in der aktuellen Situation gar nicht mal ungelegen. Er habe nämlich bei beträchtlichen Kosten für Tests und Personal „noch keinen einzigen Euro“ für die bislang geleisteten Testungen gesehen, bekräftigte er (seitens der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen, der KVN, ist diese Darstellung unserer Zeitung bislang weder bestätigt noch dementiert worden). Die ausstehenden Zahlungen für die acht Vitaminpunkt-Teststationen (eine neunte existiert in Bremen) summierten sich auf einen gewaltigen Betrag auf, ließ er durchblicken.

Austausch mit KVN und Amt „sehr mühsam“

Die KVN als Abrechnungs- und das Gesundheitsamt als prüfende Instanz machten sich gegenseitig für die Misere verantwortlich. Der Austausch mit beiden Seiten sei „sehr mühsam“. Es habe mehrere Monate gedauert, auch nur eine Akkreditierungsnummer bei der KVN und damit einen Abrechnungsschlüssel zu erhalten; dafür hätten diverse Parameter erfüllt sein müssen.

„Seit wir eine Freischaltung bekommen haben, können wir die Daten in die EDV eingeben, also die Tests, die am Tag durchgeführt wurden, mitsamt der Testergebnisse. Am Ende des Monats drücken wir auf ,Abschluss’. Und dann kommt eine Meldung, warum nicht ausgezahlt werde. Da heißt es etwa, irgendwelche Zahlen fehlten noch. Das können wir aber selbst gar nicht innerhalb des Monats überprüfen, weil wir eben nur einmal, am Monatsende, zwecks Datenübermittlung auf den Knopf drücken“, schildert der Geschäftsführer ein Problem, von dem auch viele andere Betreiber von Teststationen ein Lied singen könnten.

Viele Betreiber in Liquiditätsnöten

Er schließe nicht aus, dass die jetzt angeordnete Schließung in Harpstedt zum Anlass genommen werde, sich mit Blick auf die Auszahlungen einen weiteren Monat nach hinten zu winden: „Am Ende werde ja alles bezahlt, sagt man uns. Aber am Ende fragt uns eben auch keiner, wie wir das finanziert haben.“

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