Corona-Schule: Woche zwei beginnt

Schutzraum Schule: Hinerk Halling unterrichtet die halbe Klasse 4b. Foto: Backhaus

Ein Tag Schule, ein Tag Aufgaben zu Hause erledigen: Das ist der neue Alltag der Viertklässler, die die Grundschule Harpstedt besuchen. Die erste Woche haben sie schon hinter sich. Ein Gespräch mit Schulleiter Ufke Janssen zeigt, welche Überlegungen hinter dem Corona-Unterricht stecken.

Harpstedt – „Das Nadelöhr“, sagt Ufke Janssen, „sind die Busse. Es könnten durchaus mehr Kinder kommen, wenn die Busse nicht wären.“ Seit Jahren sei er für die Aufsicht am Parkplatz zuständig. Nun sieht er dort nicht mehr großes Getümmel, sondern Fahrzeuge, die nur teilweise besetzt sind. Das ist Teil des Plans, den der Rektor und seine Kollegen ausgearbeitet haben. „Die Grundschüler sitzen weit auseinander und haben alle Masken auf“, erzählt Janssen. Und gefühlt liefen sie auch schneller in die Schule.

Seit einer Woche dürfen die Viertklässler wieder zum Unterricht in das Gebäude an der Schulstraße kommen. Dort müssen sie keinen Mund-Nasen-Schutz tragen, aber es gibt vielfältige Maßnahmen, die das Ansteckungsrisiko reduzieren sollen. Zuallererst seien die Klassen halbiert worden, erklärt Janssen. Die Gruppen kommen abwechselnd in die Schule, die erste begann also am Montag, blieb am Dienstag zuhause, kam am Mittwoch wieder und so weiter. Die Mädchen und Jungen haben einen Lernplan, den sie von Tag zu Tag befolgen, allein oder in der Schule. So müssten die Lehrkräfte nichts doppelt erzählen und es gehe nicht zuviel Zeit verloren, erläutert Janssen. Bei der Aufteilung sei darauf geachtet worden, dass Geschwisterkinder am selben Tag Unterricht hätten. Auch der Wohnort habe eine Rolle gespielt – um die Busse nicht zu voll werden zu lassen.

Im Klassenraum sitzen die elf, 12 oder 13 Mädchen und Jungen einzeln an ihren Tischen, der ganze Raum ist mit den Möbeln besetzt. „Man muss seinen Unterricht anders einstellen, das ist ein bisschen wie früher“, kommentiert Janssen die Herausforderung, vor der die Lehrkräfte stehen. Denn aus der Person, die sich im Klassenzimmer hin und her bewegt, bei einem Kind ins Heft schaut, bei dem anderen etwas erklärt, ist eine Person geworden, die am besten hinter der Acrylglasscheibe bleibt, die auf dem Pult montiert worden ist.

Frontalunterricht ist das Stichwort. Hinerk Halling, der die 4b unterrichtet, trägt zusätzlich einen bunten Mund-Nasen-Schutz. Auch wenn er wollte: Viel Bewegungsfreiheit bleibt ihm nicht. „Wenn ich rumlaufe, habe ich den Sicherheitsabstand nicht mehr“, sagt Janssen. Das Kontaktverbot komme noch hinzu: „Keiner darf sich vom Nachbarn ein Lineal leihen.“ Wer keines mitgebracht habe, müsse eben ohne auskommen. Klingt streng, ergibt in der aktuellen Situation aber Sinn.

Fördergruppen sind gerade nicht möglich

Und es ist nicht nur negativ: „Die Arbeitseffektivität ist viel höher“, bemerkt der Rektor. Überrascht sei er auch von den Heften gewesen, die die Kinder in den vergangenen Wochen abgegeben hätten. „Ich wusste gar nicht, was und wie viel die schreiben können.“ Am eigenen Schreibtisch arbeiteten viele Mädchen und Jungen konzentrierter als in der Schule, weil die Ablenkung fehle. Idealerweise zumindest. „Wir haben auch Kinder, die die ganze Zeit zuhause gar nichts gemacht haben.“ Unter den aktuellen Bedingungen gebe es keine Möglichkeit, ihnen eine besondere Förderung anzubieten, sagt Janssen. Denn die nun gebildeten Gruppen sollen nicht durcheinandergemischt werden. Er könne schon verstehen, dass immer wieder die Rede davon sei, dass durch die Krise Menschen abgehängt werden.

Um das Aufeinandertreffen der vierten Klassen zu verhindern, gelten an der Grundschule versetzte Pausenzeiten. So spiele maximal ein Dutzend Kinder auf dem großen Schulgelände – unter Aufsicht natürlich, wie sonst auch. Nur, dass diese nun regelmäßig „Abstand!“ riefe. Einbahnstraßen auf den Fluren, zusätzliche Eingänge, eine Personenbegrenzung in den Waschräumen: Die Lehrkräfte haben viel getan, um den Unterricht zu ermöglichen. Doch ob die aktuellen Lösungen auch noch funktionieren, wenn mehr Mädchen und Jungen kommen dürfen, ist offen. „Wir müssen flexibel bleiben und gucken, wie wir reagieren. Es kann sich alles als falsch erweisen“, sagt Janssen.

Ein Punkt, der ihm Gedanken macht, sind die Kapazitäten. Denn neben dem Unterricht muss die Schule weiterhin eine Notbetreuung anbieten. Dafür seien Personal und Räume nötig. Im Moment sei das kein Problem. Doch wenn immer mehr Jahrgänge zurückkommen dürften, könnte es eng werden. Manche Lehrkräfte fielen aus, weil sie ihre eigenen Kinder betreuen müssten oder zur Risikogruppe gehörten. Dann müssten neue Pläne her.

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