Andrej Jurk bringen Corona-Beschlüsse nichts

Wie geht’s in der Gastronomie weiter?

Feiern im Gasthaus Beneking? Daran ist derzeit nicht zu denken.
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Feiern im Gasthaus Beneking? Daran ist derzeit nicht zu denken.

Beckeln/Harpstedt – Als Pächter des Gasthauses Beneking in Beckeln lebt Andrej Jurk vom Saalbetrieb und von seinem zusätzlichen Partyservice. Eigentlich. Nicht aber in der Coronazeit. Weggebrochene Einnahmen, längst aufgezehrte Rücklagen – aber die Rechnungen und Geldforderungen kommen weiterhin und haben dem 42-Jährigen schon immense Opfer abverlangt.

Das Gewerbe ist abgemeldet. Als Kleingewerbetreibender dürfte Jurk zwar steuerfrei zuverdienen; im Lockdown aber ist mit Catering und Saalgastro kein Geschäft zu machen.

Ein zusätzliches Ärgernis: Nach Auskunft seines Steuerberaters stehen Jurk keine November- und Dezemberhilfen zu. Kampflos will der Bremer das nicht hinnehmen, aber er klingt desillusioniert. „Wenn es nötig ist, gehe ich zum Rechtsanwalt. Ich habe eine Rechtsschutzversicherung. Wie soll ich meine Kosten ohne Hilfe vom Staat decken? Wie soll ich das alles bezahlen?“, fragt sich der Gastronom. Um überhaupt Geld zu verdienen, verkauft er schon seit dem 1. Juni 2020 Fisch und Fleisch für „TransGourmet“ in Bremen. Einen Kneipenbetrieb im Gasthaus Beneking schließt er als Option für die Zukunft mangels Wirtschaftlichkeit aus. An Feiern im Saal mit Catering und Bewirtung möchte er festhalten. Dafür müssten allerdings erst einmal spürbare Lockerungen greifen, und die sind nach den jüngsten Bund-Länder-Beschlüssen nicht mal in Sicht. Nur für die Außengastronomie gibt es ab dem 22. März eine Öffnungsperspektive. Jurk winkt ab. Aufzumachen für gerade mal drei Tische, die sich draußen platzieren ließen, wäre blanker Unsinn.

Perspektiven? Fehlanzeige!

Der Partyservice soll beizeiten reanimiert werden; derzeit ist er wahrhaft „tot“, denn, so Jurk: „Keiner feiert wegen der Corona-Beschränkungen. Ich bräuchte mindestens 15 bis 20 Leute, damit sich das lohnt.“ Wann Catering und Saalbetrieb wieder Geld abwerfen können, steht in den Sternen. Gäste, die auf mittlere Sicht eine Feier bei Beneking planen, werden gleichwohl in Kürze per Aushang auf die zuständigen Ansprechpartner verwiesen.

Weniger düster sieht die Lage für das Harpstedter Hotel-Restaurant „Zur Wasserburg“ aus. „Ich kann das noch lange durchhalten“, sagt Michael Grohe mit Blick auf den Lockdown. Sein Rettungsanker bleibt das Hotelgeschäft. Nicht touristische Beherbergungen – etwa von Monteuren oder Handlungsreisenden – sind zulässig.

Ich weiß noch nicht mal, ob ich Ostern aufmachen darf – und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Das gleiche Problem wie vor Weihnachten!“

Michael Grohe vom Hotel „Zur Wasserburg“
Das Hotelgeschäft ist für die „Wasserburg“ in Harpstedt der Rettungsanker im Dauerlockdown.

Sollte Grohe die aktuelle Öffnungsstrategie von Bund und Ländern benoten, fiele sein Urteil gleichwohl vernichtend aus: „Eindeutig eine Sechs.“ Daran ändern auch die in Aussicht gestellten Lockerungen für die Außengastronomie nichts. „Dabei ist ja noch die große Frage, ob das Land die Beschlüsse so umsetzt wie in der Ministerpräsidentenkonferenz beschlossen. In den nächsten Tagen werden wir die niedersächsische Version auf dem Tisch haben. Was da drinsteht, weiß aber jetzt mal wieder keiner. Da gibt es ja bekanntlich durchaus schon mal Abweichungen von den Beschlüssen“, spricht Grohe aus Erfahrung. Er hatte sich echte Planungssicherheit erhofft. Die gibt"s aber nicht. Ein Trauerspiel setzt sich fort.

Grohe: „Ich weiß noch nicht mal, ob ich Ostern aufmachen darf – und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Das gleiche Problem wie vor Weihnachten! Wieder frage ich mich, was ich den Leuten sagen soll, die Tische reservieren wollen. Das Hauptproblem ist, dass ich zu Ostern kurzfristig wohl keine Ware bekäme, denn auch unsere Lieferanten haben natürlich runtergefahren.“

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