Wie die Sommerfahrsaison fortgesetzt wird, ist noch unklar / Website hält Interessierte auf dem Laufenden

Corona: Eisenbahnfreunde gehen auf Nummer sicher

Familie Augustin (vorn) hatte den Waggon für sich.
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Familie Augustin (vorn) hatte den Waggon für sich.

Harpstedt – „Unser Sohn Henri ist eisenbahnversessen“, verrät Familie Butgereit aus Delmenhorst den Grund ihres Besuchs bei „Jan Harpstedt“ am ersten Fahrtag nach der Corona-Zwangspause. „Wir gehen sonst oft zum Delmenhorster Bahnhof – Züge gucken“, erläutert die Mutter des zweieinhalbjährigen Jungen. „Daher wollten wir gleich die allererste Gelegenheit nutzen, mit der Museumsbahn zu fahren.“

Der vom Triebwagen gezogene Nostalgiezug verkehrte am Sonntag zweimal „probeweise“ – mit pandemiebedingten Einschränkungen und nur von Harpstedt bis Heiligenrode  sowie zurück. Gerade mal 18 Passagiere hatten ihre Tickets online gebucht. „Sie genossen trotz Maskenpflicht die gemächlich-nostalgische Fahrt durch die sommerliche Wildeshauser Geest“, vermelden die Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahnfreunde (DHEF). Rechtliche Unsicherheiten plagen die ehrenamtlichen Museumsbahner. „Nahverkehr oder Museum? Was sind wir eigentlich?“, fragt sich Lokführer Torben Kluwe und bedauert: „Das kann uns keiner sagen.“

Jedem einzelnen Passagier musste am Sonntag ein fester Platz zugewiesen werden, um sicherzustellen, dass der geforderte 1,50-Meter-Mindestabstand eingehalten wird.

Von 45 Plätzen standen maximal 25 zur Verfügung. „Wahrscheinlich geht mehr, aber wir wissen es einfach nicht“, bedauert Kluwe. Es gebe keine Verordnung für Museumseisenbahnen in Niedersachsen. Wenn die DHEF-Fahrten als Nahverkehr gewertet würden, bestünden deutlich mehr Freiheiten als aktuell.

Laut Kluwe haben sich die Museumsbahner mit dem Gesundheitsamt auf ein Konzept geeinigt. „Aber Zusagen bekommen wir immer nur mündlich“, sagt er. Das berge die Gefahr in sich, dass es am Ende heiße, „wir hätten etwas falsch verstanden“. Daher agieren die DHEF sehr vorsichtig und gehen auf Nummer sicher. Kluwe: „Wir wollen nichts riskieren.“

Familie Augustin aus Lutten hatte einen Waggon für sich. Stopps unterwegs gab es nicht. Ebenso nicht die Chance zu einem Aufenthalt am Zielbahnhof. Längere Fahrten können die DHEF aktuell nicht realisieren, weil „an Bord keine Waschmöglichkeiten bestehen“. Den Einschränkungen zum Trotz machten Wilfried und Martina Augustin die Tour mit ihren Sprösslingen mit. „Die Kinder wollten Zug fahren“, so der Vater hinter seiner Schutzmaske. Wenngleich: „Es wäre bestimmt schöner mit der alten Dampflok.“ Die würde in der Tat wohl mehr Leute anlocken, aber darauf verzichteten die DHEF – auch wegen des hohen Aufwands.

„Wir waren im März/April praktisch aus unserer Werkstatt ausgesperrt. Und dabei hatten Mitglieder extra Urlaub genommen, um an den Maschinen zu arbeiten“, seufzt Kluwe. Die Arbeitgeber hätten aber darauf bestanden, dass der Urlaub wie geplant genommen wird. In der Werkstatt bewegte sich deshalb nichts. Da seien viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit liegen geblieben.

In einer Bredouille befindet sich der Lokführer. Er muss pro Jahr auf 100 Fahrstunden kommen, damit er seine Fahrberechtigung nicht verliert. Das führte zu der skurrilen Situation, dass er sogar schon ohne Passagiere und auf eigene Kosten mit einem Zug auf der Strecke war. Corona macht erfinderisch.

Und wie geht"s nach dem „Probelauf“ weiter? Noch ist unklar, ob und – wenn ja – zu welchen Zeiten an den kommenden August-Fahrtagen gefahren wird. „Interessierte, die mitwollen, sollten immer mal wieder auf unsere Homepage schauen“, rät DHEF-Pressesprecher Joachim Kothe. „Über diese Seite können auch gleich die Fahrkarten gebucht werden, denn ein Ticketverkauf direkt am oder im Zug ist zur Zeit leider nicht möglich.“  bor/eb

Weitere Infos unter:

www.jan-harpstedt.de

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