Kirche möchte Servicegebäude errichten, stößt aber auf Widerstand der Anwohner

Colnrader streiten um Standort für Toilettenhäuschen

Die Teilnehmer der Versammlung diskutierten eifrig in der Kirche mit Pastorin Marikje Smid (rechts). - Foto: Nosthoff

Colnrade - Von Anja Nosthoff. Seit etwa zwei Jahren beschäftigt sich der Colnrader Kirchenvorstand mit den Möglichkeiten, an der St.-Marien-Kirche eine Toilette einzurichten. Während der Gemeindeversammlung am Mittwochabend erfuhren die Pläne deutliche Kritik.

Nicht nur die Gottesdienstbesucher, auch Chöre und andere Gruppen, die die Kirche nutzen, haben Bedarf an einem WC. Seit die Kirche das Pastoren- und Gemeindehaus verkaufte, besteht jedoch keine Möglichkeit mehr, in unmittelbarer Nähe unkompliziert sein „Geschäft“ zu erledigen. Besonders für Kinder und ältere Menschen stelle das häufig ein Problem dar, erklärte Pastorin Marikje Smid während einer Versammlung.

Der Plan des Kirchenvorstands, mit der Unterstützung von bereits zugesagten Leader-Mitteln ein Servicegebäude mit behindertengerechtem WC, Wickeltisch, Trinkwasserversorgung, Info-Ecke und Abstellraum einzurichten, stieß nun jedoch auf Protest der Anwohner. Das Servicegebäude würde die Kirche rumd 55 000 Euro kosten, von denen 25 000 Euro durch Leader gedeckt würden. Während der Diskussion, die sich an Smids Präsentation der Planungslage anschloss, kamen Alternativen zur Sprache, die der Kirchenvorstand bisher aus verschiedenen Gründen nach ausführlichen Beratungen an die Seite gestellt hatte.

„Unser Ziel war es, mit dem Servicegebäude etwas zu schaffen, von dem nicht nur die Kirchengemeinde, sondern auch das ganze Dorf sowie Fahrradtouristen, Wanderer und Ruhesuchende etwas haben“, erläuterte Smid. Dem vom Kirchenvorstand bevorzugten Standort – etwas weiter von den Anwohnern entfernt als bei der aktuellen Planung – verweigerte jedoch die Denkmalschutzbehörde die Zustimmung.

Einige Colnrader zeigten sich von der nun vorgesehenen Lage wenig begeistert. „Natürlich möchten wir gerne etwas tun, um die Kirche hier im Dorf auch in Zukunft weiter zu erhalten – aber bei solchen Planungen müssen die Bürger und besonders die Anwohner von Anfang an mitgenommen werden“, wurden Stimmen laut. Jemand anderem erschien das Servicegebäude „für eine kleine Gemeinde wie Colnrade reichlich überzogen“. Sorgen hatten die Anwohner vor allem, dass der Ort sich zu einem nächtlichen Treffpunkt für Jugendliche entwickelt.

„Niemand möchte ein Toilettenhäuschen vor den Garten hingesetzt bekommen“, ereiferte sich ein Anwohner. Von den Versammlungsteilnehmern wurden auch alternative Möglichkeiten angesprochen. Es kam die Frage auf, warum die Kirche nicht an die Gemeinde Colnrade herantrete, um die alte Friedhofstoilette wieder zu aktivieren. Der Weg dorthin wäre für Kinder und ältere Menschen jedoch schon beschwerlich, lautete ein Gegenargument. Direkt in der Kirche könnte ebenfalls ein WC eingerichtet werden – jedoch nicht barrierefrei.

Neben dem Bau des Servicegebäudes plant der Kirchenvorstand auch einen Umbau in der Kirche: Dort soll unter der Empore ein multifunktionaler Raum mit Glasschiebetüren und kleinem Teeküchenbereich entstehen.

Prüfen will der Kirchenvorstand nun auf Anregung aus der Versammlung noch einmal die Möglichkeit, auf dem Grundstück, das ehemals zum Pastorenhaus gehörte, jedoch weiterhin im Kirchenbesitz ist, ein Servicegebäude mit Toilette zu bauen. Doch dazu bedarf es der Zustimmung des Kirchenkreises, der diese bisher nicht erteilen wollte.

„Uns war es wichtig, ein Meinungsbild zu bekommen und die Argumente zu hören“, schloss Smid nach langer Diskussion die Versammlung. „Wir möchten keinen Stein des Anstoßes schaffen, der Unfrieden stiftet, sondern wollten etwas Positives für das Dorf bewegen.“ Enttäuscht zeigten sich einige Vorstandsmitglieder jedoch darüber, dass sich nach langer und intensiver Planungsphase nun teilweise vehementer Widerstand rührt, ohne dass die Betroffenen sich zuvor geäußert und möglicherweise sogar in die Planungen mit eingebracht hätten.

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