Colnrader Oberdorf spielt „Heil, Heil zum neuen Jahr“ und „Jump“

Neujahrs-Musiker werden mit jedem Korn besser

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Die Musiker des Oberdorfes sorgen gewaltig für Stimmung, wenn sie mit ihren Instrumenten loslegen.

Colnrade - Von Dierk Rohdenburg. Das Lied „Jump“ der Gruppe „Van Halen“ mit Waschbrett, Quetschkommode und Teufelsgeige interpretiert, dürfte kaum jemand in der Musikwelt kennen. Fakt ist: Es klingt richtig gut, und jährlich kommen hunderte Colnrader in den Genuss dieser ungewöhnlichen Darbietung.

Sechs Gruppen touren am Neujahrstag durch die Gemeinde und singen zur Melodie der britischen Nationalhymne „Heil, Heil zum neuen Jahr“ sowie bekannte Hits. Oberdorf, Unterdorf und Neubaugebiet treffen abends noch in der Dorfkneipe aufeinander, Austen, Holtorf und Beckstedt haben ihre eigenen Traditionen.

Wann das Neujahrssingen entstand, weiß so recht niemand. Auf jeden Fall gab es den Gang durch das Dorf schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals ging es von Haus zu Haus, und die Musiker sammelten Mettwürste ein, die im Anschluss verspeist wurden.

Nach der Pause im Krieg wurde die Tradition wiederbelebt. Im Oberdorf gibt es vor dem Gang deftigen Knipp sowie Korn und Bier. „Wir brauchen ja eine Grundlage“, sagt Hilmer Bahrs, der zu dem zehn- bis zwölfköpfigen Stamm gehört. Sein Vater Wilhelm produziert die Hackgrütze nach einem Rezept von Oma und Opa. Etwa acht Kilo werden vor dem Neujahrsmarsch verdrückt. Ziehen zunächst etwa zehn Personen los, wird die Gruppe von Haus zu Haus größer, bis etwa 70 Colnrader unterwegs sind. „Heute könnten es viele werden“, so Bahrs. „Das Wetter ist gut und morgen ist Wochenende.“

Während jeder in der Gruppe zu Hause ist, zu der sein Wohnhaus gehört, können „Auswärtige“ mitmachen, wo sie wollen. Seit zehn Jahren ist Rainer Höfken aus Wildeshausen dabei. Der Musiker von „Brainstorming“ wurde damals in der Not engagiert und spielt seitdem die Quetschkommode – ohne Gesang. Seine Kumpels grinsen: „Seine Singstimme reicht für Brainstorming aber nicht für das Oberdorf.“ Immerhin haut Höfken im Laufe des Tages 180 Lieder in die Tasten. Eine Probe brauchen die Musiker nicht. „Wir werden mit jedem Korn besser.“

Während sich die Gruppen früher bei Schliehe-Diecks zum Abschluss trafen, geht es nun ins ehemalige Bordell „Unter den Linden“. Dort ist jetzt „nur“ noch eine Kneipe – aber am Neujahrsabend verwandelt sie sich in ein Tollhaus mit Musik und Gesang.

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