Keine Gestaltungssatzung und eine Mandatsniederlegung

Zwei „Bomben“ platzen im Colnrader Rat

Das Umfeld der Kirche St. Marien sollte die Gestaltungssatzung Ortskern vor baulichem Wildwuchs bewahren. Daraus wird nun nichts. Die Satzung tritt nach einem Abstimmungspatt im Rat nicht in Kraft.
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Das Umfeld der Kirche St. Marien sollte die Gestaltungssatzung Ortskern vor baulichem Wildwuchs bewahren. Daraus wird nun nichts. Die Satzung tritt nach einem Abstimmungspatt im Rat nicht in Kraft.

Colnrade – Eine faustdicke Überraschung gab es am Montagabend im Rat der Gemeinde Colnrade: Die Gestaltungssatzung, die gestalterischen Freiheiten von Bauherrn im Colnrader Ortskern wegen des im Kirchenumfeld besonders erhaltenswerten Ortsbildes Grenzen setzen wollte, ist gekippt.

Die auf Antrag von Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann geheim erfolgte Satzungsbeschluss-Abstimmung endete mit einem 3:3-Stimmenpatt. Damit gab es keine Mehrheit; die Satzung tritt folglich nicht in Kraft.

Eine zweite „Bombe“ ließ der stellvertretende Bürgermeister Uwe Beckmann platzen: Er könne sich eine weitere Zusammenarbeit im Rat nicht vorstellen. Sein Entschluss steht fest: Beckmann wird sein Ratsmandat – wenige Monate vor der Kommunalwahl – niederlegen.

 Das Schlimme war, dass er einzelne Ratsmitglieder aufgesucht und sie persönlich ,bearbeitet’ hat.“

Uwe Beckmann

„Dass ich einfach hinschmeiße, ist eigentlich nicht meine Art. Was mich sehr gestört hat: Es ging gar nicht mehr um die Satzung, sondern nur noch um eine Person. Wir hatten den Betreffenden mehrfach aufgefordert, mit uns im Rat zu reden. Aber zu uns ist er nie gekommen. Das Schlimme war, dass er einzelne Ratsmitglieder aufgesucht und sie persönlich ,bearbeitet’ hat“, äußerte sich Beckmann gegenüber unserer Zeitung. Auf Nachfrage bestätigte er: Gemeint sei Julius Dauskardt, der im Ortskern ein Bauvorhaben realisieren will.

Wenn ehrenamtliche Mandatsträger bedrängt würden, mache die Ratsarbeit keinen Spaß mehr, ergänzte Beckmann. Dass Kommunalpolitiker persönlich angegangen worden seien, hatte zuvor in einem Telefonat mit unserer Zeitung auch Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann beklagt – ohne zu erwähnen, von wem.

Ich habe in Colnrade einige alte Häuser renoviert und erhalten. Jetzt fühle ich mich als Angeklagter, der angeblich versucht, unser Dorf mit einem Neubau zu verschandeln.“

Julius Dauskardt

Julius Dauskardt erklärte sich die Vorwürfe indes mit Frust als Reaktion auf den Ausgang der Abstimmung. „Ich habe mich bislang ganz bewusst in der Presse zurückgehalten, um den Vorwurf, ich wolle Ratsmitglieder ,bearbeiten‘, gar nicht erst aufkommen zu lassen“, erwiderte er auf Nachfrage. Dabei belasse er es auch jetzt. In einer von ihm schriftlich abgefassten Rede, die im Rat verteilt, aber nicht verlesen wurde, brachte Dauskardt zum Ausdruck: „Ich habe in Colnrade einige alte Häuser renoviert und erhalten. Jetzt fühle ich mich als Angeklagter, der angeblich versucht, unser Dorf mit einem Neubau zu verschandeln.“

Legt sein Ratsmandat nieder: Uwe Beckmann, stellvertretender Bürgermeister.

Das Ergebnis der Abstimmung über den Satzungsbeschluss war auch der zugespitzten Coronalage geschuldet: Von neun Ratsmitgliedern erschienen nur sechs im Dorfgemeinschaftshaus: Anne Wilkens-Lindemann, Uwe Beckmann, Volker Siegmann, Gerald Otto, Marvin Hartje und Wolfgang Heinzl.

Rund 3.500 Euro in den Sand gesetzt

Schon das erste Votum zu den Empfehlungen des Planbüros hinsichtlich des Umgangs mit den eingegangenen Einwendungen und Anregungen ließ aufhorchen. Hierfür gab es aber noch eine 3:1-Mehrheit bei zwei Enthaltungen. Nach dem 3:3-Patt in der zweiten Abstimmung stand dann fest: Die Gemeinde Colnrade hat rund 3. 500 Euro Planungskosten für die Gestaltungssatzung in den Sand gesetzt.

Ratsfrau äußert sich schriftlich

Ratsfrau Merjem Hodzic ließ schriftlich verlauten, sie sei in häuslicher Quarantäne und könne deshalb nicht zugegen sein. Aus ihrem Schreiben ging zudem hervor, dass sie ihre Meinung zur Gestaltungssatzung geändert hat. Ihrer Ansicht nach dürfte die Gemeinde durchaus moderner werden. Colnrade habe wenige schützenswerte Häuser. Das Bauvorhaben von Julius Dauskardt würde nach Hodzics Überzeugung „nicht das Ortsbild verschlechtern“. Das Gegenteil wäre der Fall: „Herr Dauskardt hat sehr viel für die Gemeinde Colnrade getan, und es wäre sehr schade, wenn er sein Haus nicht bauen kann.“ Das Schreiben, das mit dem Appell „Bitte überdenkt alle noch mal eure Meinung!“ endet, dürfe gern laut im Rat verlesen werden, heißt es im Text.

Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann bedauerte die Entscheidung, zumal sich der Rat lange mit der nun gescheiterten Satzung beschäftigt habe. „Das jetzt war sozusagen unsere dritte Lesung.“

Am Rande: Wegen des beunruhigenden Corona-Infektionsgeschehens und der geltenden nächtlichen Ausgangssperre hat unsere Zeitung den Sitzungstermin gemieden, zumal Teilnahme „in Präsenz“ die einzige, aber keine akzeptable Option war. Daher kann der Beratungsverlauf nicht im Detail geschildert werden.

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