Begehrlichkeiten könnten geweckt werden

Colnrade: Beim Thema Fahrzeugwaschplatz ist noch alles offen

Hunderte Müllballen brannten kürzlich auf dem Recyclinghof in Nordwohlde. Bei solchen Einsatzlagen können Feuerwehrfahrzeuge durchaus kontaminiert werden.
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Hunderte Müllballen brannten kürzlich auf dem Recyclinghof in Nordwohlde. Bei solchen Einsatzlagen können Feuerwehrfahrzeuge durchaus kontaminiert werden.

Colnrade – Ein Waschplatz für die Feuerwehrfahrzeuge werde im Zuge des Neubaus des Colnrader Feuerwehrhauses „nicht vorgesehen“. Dieser Passus in einer verwaltungsseitig vorgelegten Beschlussempfehlung ist am Montag während der Feuerschutzausschusssitzung im Koems-Saal in Harpstedt an einem Stimmenpatt – fünf Für- bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung – gescheitert. Das heißt aber nicht, dass damit automatisch das Gegenteil gilt. Abzuwarten bleibt nun, wie der nichtöffentliche Samtgemeindeausschuss am Donnerstag entscheidet.

Aus Sicht der Freiwilligen Feuerwehr Colnrade bekräftigte Ortsbrandmeister Carsten Lüllmann im Feuerschutzausschuss noch einmal die Notwendigkeit des Fahrzeug-Waschplatzes. Die zusätzlichen Kosten dafür hatte das Architekturbüro Glüsenkamp mit rund 55 000 Euro veranschlagt.

Der Option, etwa in Harpstedt auf dem Bauhofgelände eine zentrale Möglichkeit zum Waschen der Fahrzeuge aus den Ortswehren zu schaffen, erteilte Lüllmann eine Absage. Das wäre weder zeitlich für die Colnrader Kameraden vertretbar, noch würde es in Anbetracht der Entfernungen und Fahrwege Sinn machen.

Dass die Politik die Entscheidung nicht leichten Herzens fällt, hängt mit erwartbaren Begehrlichkeiten zusammen: Sagt sie bei Colnrade „Ja“, fiele es viel schwerer, bei entsprechenden Anträgen der anderen fünf Ortsfeuerwehren „Nein“ zu sagen. Am Ende vielleicht in sechs Waschplätze zu investieren, hieße, insgesamt mehr Geld dafür auszugeben, als beispielsweise aktuell ein neues Löschgruppenfahrzeug kostet. Hinzu kämen die nicht unbeträchtlichen Aufwendungen für Wartung und Instandhaltung.

Argumente pro Waschplatz kamen aus den Reihen der Grünen und der SPD.

„Es geht nicht darum, die Fahrzeuge zu säubern, wenn sie mal ein bisschen staubig geworden sind. Es geht insbesondere um die Reinigung nach Kontaminierungen. Und so etwas kann ich mir in einer öffentlichen Waschanlage wie in Groß Mackenstedt nicht vorstellen“, sagte Klaus Stark (SPD). Seine Auffassung: „Ein Waschplatz muss sein. Und wenn die anderen Feuerwehren über die Jahre hinweg auch einen bekommen, dann ist das eben so.“

Michael Müller-Hjortskov (Grüne) hielt die vom Planer veranschlagten Kosten für „übertrieben“. Gleichwohl riet er: „Waschplatz gleich mit einbauen, Nägel mit Köpfen machen!“ Das Erfordernis von sechs Waschplätzen an allen Feuerwehrstandorten in der Samtgemeinde Harpstedt sah er indes nicht. Es bedürfe aber eines Konzepts, so der Ratsherr.

Horst Hackfeld (HBL) hinterfragte, ob für die Colnrader Brandschützer die Möglichkeit bestünde, gemeinsam mit Twistringen, Wildeshausen oder Goldenstedt einen Waschplatz zu nutzen. Der Hintergedanke: „Dann bräuchten wir nämlich selbst keinen.“ Solche Überlegungen seien bislang nicht angestellt worden, erwiderte Carsten Lüllmann. Sich einen Waschplatz zu teilen, sei zwar unüblich, aber man könne darüber nachdenken. Allerdings müsste die Zugänglichkeit rund um die Uhr gegeben sein. Lüllmann: „Wenn wir nachts zu einem Einsatz ausrücken und die Fahrzeuge kontaminiert werden, dann müssen sie gereinigt werden. Ansonsten würde ich mich genötigt sehen, die Feuerwehr abzumelden, bis das geschehen ist.“ Mit kontaminierten Fahrzeugen erneut auszurücken, sei den Kameraden jedenfalls nicht zuzumuten. Das sei auch nicht erlaubt. Lüllmann verwies in diesem Zusammenhang auf die wachsende Bedeutung des Themas Hygiene in der Feuerwehr sowie darauf, dass Kontaminationen ein erhöhtes Risiko von Krebserkrankungen in sich bergen. Zudem trüge die Möglichkeit, die Fahrzeuge vor Ort waschen zu können, zu einem guten Erhaltungszustand bei. „Ihr wollt, doch dass sie 30 Jahre halten“, gab der Ortsbrandmeister zu bedenken. Wie oft es die Feuerwehr mit Fahrzeugkontaminierungen zu tun bekommt, sagte er nicht; allerdings wurde er aus dem Ausschuss auch nicht danach gefragt.

Hans-Hermann Lehmkuhl (CDU) wies darauf hin, dass es gelungen sei, die anfänglich veranschlagten Kosten für den Feuerwehrhausneubau von fast zwei Millionen auf nun gut 1,6 Millionen Euro zu reduzieren. Wenn es aber bei dieser Summe bleiben solle, „können wir nicht alles realisieren, was gewünscht ist“. Stefan Pleus (CDU) blieb ebenso bei seinem Nein zum Waschplatz – wegen der Folgekosten, aber auch wegen großer Investitionen der Samtgemeinde mit einem Gesamtvolumen von rund 17 Millionen Euro, „die wir vor uns herschieben“.  boh

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