Erstkontakt mit Weihwasser

Richtfest: „Stein“ wird ökumenisch gesegnet - Eröffnung für 2020 geplant

Mit tatkräftiger Unterstützung ihres Amtsvorgängers Uwe Meiners schlug Museumsdirektorin Julia Schulte to Bühne den letzten Nagel am Rohbau ein; als es vollbracht war, jubelten beide (Bild unten rechts). Von außen sieht die nach Cloppenburg „translozierte“ ehemalige Disco „Zum Sonnenstein“ schon fast wieder so aus, wie die Harpstedter sie aus vergangenen Tagen kennen. Sogar regendicht ist der Baukörper bereits, sodass die zahlreichen Gäste nach dem Anbringen der Richtkrone beim Feiern trocken blieben. - Fotos: Bohlken
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Mit tatkräftiger Unterstützung ihres Amtsvorgängers Uwe Meiners schlug Museumsdirektorin Julia Schulte to Bühne den letzten Nagel am Rohbau ein; als es vollbracht war, jubelten beide (Bild unten rechts). Von außen sieht die nach Cloppenburg „translozierte“ ehemalige Disco „Zum Sonnenstein“ schon fast wieder so aus, wie die Harpstedter sie aus vergangenen Tagen kennen. Sogar regendicht ist der Baukörper bereits, sodass die zahlreichen Gäste nach dem Anbringen der Richtkrone beim Feiern trocken blieben.

Cloppenburg/Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Ehe die Richtkrone ihren Platz auf dem Dach des „Sonnensteins“ im Museumsdorf Cloppenburg fand, musste Museumsdirektorin Julia Schulte to Bühne am Donnerstagmittag am Rohbau vor 120 Gästen den letzten – sehr langen – Nagel einschlagen. Bei dieser rituellen Richtfesthandlung schwanden ihre Kräfte. Ex-Museumsdirektor Uwe Meiners, der die Translozierung der früheren Harpstedter Disco eingefädelt hatte, entpuppte sich als Gentleman, eilte die Leiter hoch – und seiner Amtsnachfolgerin zur Hilfe.

„In Kontakt mit Weihwasser kommt der ,Stein’ heute zum ersten Mal“, verlautete aus der angereisten Harpstedter Delegation, nachdem Kaplan Michael Bohne und Pastor Wolfgang Kürschner den Rohbau ökumenisch gesegnet hatten.

Der evangelische Geistliche hatte zuvor in seiner launigen Ansprache hinterfragt, ob sich das überhaupt für eine Disco zieme. Jedenfalls gebe es kein elftes Gebot, das da laute „Du sollst nicht tanzen“, bekräftigte Kürschner. Ohnehin komme das Thema in der Bibel selten vor. An gerade mal 20 Stellen sei davon die Rede. „Und David tanzte mit aller Macht vor dem Herrn her“, heiße es etwa im Zusammenhang mit der Verbringung der Bundeslade nach Jerusalem. Der König Israels sei nur mit einem Priesterschurz aus Leinen umgürtelt gewesen. „Das ist nicht eben viel! Er war, wie man’s auch in Diskotheken mitunter erlebt, leicht bekleidet“, bemerkte der Pastor schmunzelnd. An anderer Stelle sage David, er wolle „vor dem Herrn tanzen, der ihn erwählt“ habe. Wer meine, „diese Unanständigkeit sei Gott zuwider“, werde „hier Lügen gestraft“.

„Thank you for the Music“

Im Buch Kohelet stehe indes geschrieben, „ein jedes Ding“ habe seine Zeit – ausdrücklich auch das Tanzen. „So dürfen wir getrost mit Abba zu Gott sagen: ,Thank you for the Music’!“, schloss Kürschner unter Beifall.

Die Museumsdirektorin benötigte eine gute Viertelstunde, um allein alle am Projekt „Stein“ beteiligten Anwesenden zu würdigen, darunter Förderer, Museumspädagogen, wissenschaftliche Begleitern, Firmen und die „eigenen“ Handwerker.

„Der ,Sonnenstein’ ist eine Institution gewesen. Das war mir anfangs gar nicht so bewusst. Aber wenn man rumgeht und sich danach erkundigt, dann hört man ganz oft, dass es diese beiden gewesen sind, die für den ,Stein’ stehen“, begrüßte die Direktorin Gunda und Klaus Sengstake, die von 1973 bis 2008 als Betreiber die Geschichte des vormaligen Hasselmannschen Tanzlokals mit einem neuen Kapitel fortsetzten. Sie selbst hätten es, wie Klaus Sengstake am Rande verriet, zwar lieber gesehen, wenn die Disco in Harpstedt geblieben, renoviert und von einem neuen Pächter weiterhin bewirtschaftet worden wäre; die Umsetzung ins Museumsdorf fänden sie aber allemal besser, als das, was dem „Stein“ lange drohte: der Abriss.

Den weitesten Weg zum Richtfest nahm die frühere Projektleiterin Eva Geiß auf sich. Sie reiste aus Luxemburg an. Ihren „Job“ führt inzwischen Victoria Biesterfeld für das Museumsdorf mit nicht minder großem Elan fort. Harpstedt war in Cloppenburg gut vertreten – unter anderem mit Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder, Gemeindedirektor Ingo Fichter, dem Vorsitzenden der Fördergemeinschaft Koems, Klaus-Dieter Westphal, weiteren Vorstandsmitgliedern und Helfern aus der „Rentnerbänd“. „Wir wollen die Disco wieder zum Leben erwecken, müssen aber schauen, wie das in musealen Zusammenhängen passieren kann. Von daher ist es wichtig, mit der Museumspädagogik zusammenzuarbeiten“, betonte Julia Schulte to Bühne. „2020“, so fuhr sie fort, wollen wir hier dann mit richtiger Technik und richtiger Musik feiern können.“

Viel Lob für großartigen Job

Die Gäste staunten, was sich auf der Baustelle in Cloppenburg bereits getan hat. Der Rohbau ist regendicht und sogar das Innenmauerwerk schon zu geschätzten 70 Prozent hergestellt. Von den Schnitten an der zersägten Außenhaut für den Transport in großen Teilen per Tieflader sieht der Betrachter so gut wie nichts mehr – auch weil etliche durchtrennte Ziegelsteine entfernt und ersetzt wurden. Den Dachstuhl haben Mitarbeiter des Museumsdorfes selbst hergestellt und dabei wohl ungefähr 90 Prozent des alten Gebälks wiederverwenden können.

Architekt Hermann Dunkler-Gronwald, für den die „Ganzteiltranslozierung“ genauso völliges Neuland war wie für das Museumsdorf, und alle weiteren Projektbeteiligten ernteten reichlich Lob und Anerkennung für den großartigen Job, den siebis dato gemacht haben.

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