Chöre dürfen im Freien wieder proben

Liebt das gemeinsame Singen: der Gemischte Chor Harpstedt. Dieses Bild ist bei einem Konzert in der Christuskirche 2016 entstanden. 
Foto: Hartmann
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Liebt das gemeinsame Singen: der Gemischte Chor Harpstedt. Dieses Bild ist bei einem Konzert in der Christuskirche 2016 entstanden. Foto: Hartmann
  • Katia Backhaus
    vonKatia Backhaus
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Ein Schwall potenziell krankmachender Aerosole bei jedem Ton? Welche Rolle Gesang bei der Verbreitung des Virus Sars-CoV-2 spielt, ist noch immer nicht geklärt. Nun sind aber Proben im Freien wieder erlaubt. Wie haben Harpstedter Chöre die Zeit ohne gemeinsames Singen erlebt?

Harpstedt – Wie schwer die erzwungene Pause Steffen Akkermann, Leiter des Gemischten Chors Harpstedt von 1905, gefallen ist, lässt sich nachlesen: „Ohne Euch – mittwochs kein Hochgefühl. Ohne Euch – mittwochs kein Konzertziel. Ohne Euch – mittwochs kein Song von mir. Ohne Euch – mittwochs kein Pausenbier“, schrieb er vor einer Woche auf der Internetseite der Gruppe. Insgesamt habe er zwölf Lieder neu arrangiert oder getextet, berichtet Akkermann. „50 Jahre lang war mittwochs Chor, das ist schon komisch.“

Seit Mitte März fallen die wöchentlichen Treffen aus, zu denen laut der Vorsitzenden Angela Willms in der Regel etwa 40 Menschen kommen. Ohne Frage fehle ihr das Singen im Chor, sagt die Harpstedterin: „Drei Monate sind viel.“ Sie schätzt die Gemeinschaft und hat Freude daran, sich immer wieder mit neuen Liedern und Texten auseinanderzusetzen. „Es fordert einen ein bisschen“, findet Willms, die seit 1987 im Gemischten Chor aktiv ist. „Und das Schnacken gehört eben auch dazu.“

Dass seit Montag laut neuer Landesverordnung Proben unter freiem Himmel wieder erlaubt sind, habe sie gefreut, aber nach der langen Wartezeit auch überrascht, erzählt sie. Prompt formulierte sie eine Einladung: Am 8. Juli will der Gemischte Chor zum ersten Mal seit März wieder zusammenkommen. Dann können die Mitglieder anfangen, Akkermanns neue Arrangements zu proben.

Fünf Chöre brauchen geduldige Nachbarn

Auch Daniela Predescu, die in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Harpstedt von den Kirchturmspatzen bis zum Gospelchor fünf Gruppen mit Singenden allen Alters betreut, hat die Proben vermisst. Die ausgebildete Opernsängerin hat zwar während der vergangenen Wochen nicht auf den Gesang verzichtet, „aber alleine zwischen vier Wänden ist das schon etwas anderes als sonst“, sagt sie.

Für sie sei mit dem Probenverbot auch ein Großteil ihrer Arbeit weggefallen, was nicht nur in finanzieller Hinsicht schwierig gewesen sei: „Es geht auch darum, etwas zu machen“, findet Predescu. Zudem habe jeder ihrer Chöre ein Ziel gehabt – ein Konzert oder einen Auftritt bei einem Gottesdienst etwa. Wann das wieder möglich sein wird, ist weiterhin offen. Und ob sich die Gruppen, die sie leitet, wirklich schon bald wieder treffen können, müsse man sehen – schließlich müssten bei einer Probe im Freien auch die Nachbarn eine gewisse Toleranz zeigen: „Fünf Chöre, das sind schon einige Stunden“, gibt Predescu zu bedenken.

Annette Grummt, die den integrativen Chor „Töne Soanders“ mit initiiert hat, ist froh, dass der Kontakt der Mitglieder untereinander während der Zwangspause nicht abgerissen ist. Chorleiterin Ilka Major habe Geburtstagsständchen und Übungsvideos per Whatsapp verschickt und im Chat tauschten sich die Singenden darüber aus, wie es ihnen geht. Doch trotzdem musste die Gruppe einen großen Plan aufgeben: „Wir haben gerade unser Chorprojekt mit einem Auftritt in Dünsen abschließen wollen“, sagt Grummt. Das soll so bald wie möglich nachgeholt werden.

Für sie geht es beim Singen nicht nur um Musik und Gemeinschaft, sondern auch darum, seinen eigenen Ton beizutragen und teilzuhaben. Deshalb ist für sie klar, dass die Probenpause bald zu Ende sein sollte: „Wir brauchen den Gesang für die Stimmung und das Miteinander.“

Singen in der Kirche

Welche Regeln für den Gesang im Gottesdienst gelten, beschließen in Niedersachsen die Kirchen. In einer Handreichung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Oldenburg heißt es: „Es gibt Erkenntnisse darüber, dass gerade beim Singen die Infektionsgefahr steigt (Infektion durch schwebende Aerosole beim Ausatmen der Atemluft). Deshalb ist bis zur Klärung der konkreten Gefahrenlage auf gemeinsames Singen zu verzichten.“

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