„Montags-Obolus“ zum vierjährigen Bestehen der Reihe „Kultur am Donnerstag“

„Burger-Bude“ als Location für Hutkonzerte

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Gipsy-Punk serviert das Trio „Pink Parte“, bestehend aus Judith Retzlik, Maria Schuster und Romain Vicente (v.l.), am 14. August.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Vier Jahre „Kultur am Donnerstag“ – das klingt nicht wirklich nach rundem Geburtstag. Warum also Obolus-Konzerte anlässlich eines „Jubiläums“, das eigentlich keins ist? Weshalb nicht noch ein Jahr warten? „Die Fünf ist mir als Zahl zu eckig. Die Vier finde ich wesentlich runder, sympathischer. Da denke ich gleich an das vierblättrige Kleeblatt“, sagt Konzertveranstalter Moritz Rüdig. Von den terminierten Zusatzkonzerten, jeweils montags ab 20 Uhr im „Liberty’s“, ist eins bereits „Geschichte“ – eine Hommage an die Rolling Stones mit „Butterfly on a Wheel“.

Auf drei weitere Events, teils mit „guten Bekannten“, darf sich die Fangemeinde freuen. Am 14. August gibt sich schon zum dritten Mal das Trio „Pink Parte“ im „Liberty’s“ die Ehre: Maria Schuster, Judith Retzlik und Romain Vicente stehen für den „Gipsy Punk“ – für einen musikalischen Cocktail, der portugiesische und alte rumänische Volksweisen in moderne Arrangements kleidet und sie mit französischem Chanson, deutschem Pop und Liedermacher-Liedgut verquickt. Jedes Bandmitglied lässt seine eigenen musikalischen Wurzeln in das Gesamtprojekt einfließen.

Wenig Platz für das Sextett „The Bland“

„Ich lege wieder an!“, hatte der Singer-Songwriter „Fährmann“ vor einiger Zeit im „Liberty’s“ zugesagt. Am 11. September löst er dieses Versprechen ein. Sein Künstlername erzeugt im Kopf Bilder von Weite, Wasser, vielleicht sogar Ruhelosigkeit. Das ist kein Zufall, sondern beabsichtigt: „Fährmann“ will als Mysterium wahrgenommen werden und bleibt auch in seinen Texten oft geheimnisvoll. Der Zugang dazu gelingt mitunter erst beim x-ten Hören. Und die Botschaften kommen keineswegs stromlinienförmig daher.

Violinistin Regina Mudrich begleitet hier den Singer-Songwriter „Fährmann“ 

Der Titel „Tanz auf meinem Grab“ kann als eine Kampfansage an Opportunismus und Autoritätshörigkeit verstanden werden, „Ich steh‘ noch immer hier“ hingegen als Liebeslied, das aber streng genommen vom Ende einer Liebe handelt. Auch Autobiografisches schwingt mit: Der Track „In der Fremde“ handelt von der Entfremdung von einem ehemaligen Stück Heimat. „Fährmann“ erging das selbst so, als er Dresden wiedersah und feststellen musste, dass die Stadt nicht mehr „sein Dresden“ war. Sein Eindruck: Irgendwer hatte den Charme früherer Tage „einfach weggebügelt“.

Bestreiten das Finale der Zusatzkonzertreihe: „The Bland“.

Den Schlusspunkt unter die Zusatzkonzertreihe setzt am 9. Oktober ab 20 Uhr die Band „The Bland“, ein Sextett aus dem schwedischen Uppsala. „Es wird eine Herausforderung werden, die Musiker im ,Liberty’s“ zu ,platzieren’. Sie haben aber schon im ,Litfass’ in Bremen gespielt – in vergleichbarer räumlicher Enge. Und dort hat’s geklappt“, erläutert Moritz Rüdig.

„Wege entstehen beim Gehen“

Musikalisch seien „The Bland“ der Richtung „Americana“ zuzuordnen, die Einflüsse aus Blues, Folk und Country in sich vereint. Die Combo verleugnet Anleihen an Bob Dylan, The Band  und die Rolling Stones nicht, klingt dabei aber ausgesprochen modern und gefällig. Einen kleinen Eindruck vermitteln die Musikvideos zu den Titeln „Head oh“ und „The Winners“.

An dem regulären „Kultur am Donnerstag“-Programm feilen die Macher aktuell. „Im Oktober kommt Melanie Decker, eine kanadische Singer-Songwriterin, die noch nicht im ,Liberty’s’ aufgetreten ist“, kündigt Moritz Rüdig an. An die Anfänge der Reihe „Kultur am Donnerstag“ kann er sich gut erinnern. Viele Konzerte veranstaltete er seinerseits in der damaligen Kulturfabrik in Delmenhorst. Das Catering kam stets von Franziska König aus dem Restaurant „El Toro“. Die wiederum hatte 2012 zusätzlich das „Le Bistro“ in Harpstedt übernommen und klopfte bei Rüdig an, ob er nicht auch dort mal ein Konzert auf die Beine stellen wolle. „Das passte gut, zumal ich damals gerade eine kleine Tour mit Bernd Sternberg plante“, entsinnt sich Rüdig. 

Urheber der „Kultur am Donnerstag“: Moritz Rüdig aus Ganderkesee.

Er sah den Gig in Harpstedt als Versuchsballon an, hatte aber bereits einen Gedanken im Hinterkopf: „Wenn du was Neues ausprobierst und es kappt, dann musst du mehr daraus machen, damit da eine Stetigkeit reinkommt.“ Die Premiere glückte; weitere „Bistro-Konzerte“ folgten. Getreu der Devise „Wege entstehen beim Gehen“ verfolgte Rüdig beharrlich sein Ziel, „eine Bühne jenseits des Mainstream“ in intimer Atmosphäre zu schaffen, die reizvolle konzertante Momente versprach. Recht schnell entwickelte sich eine Kooperation mit Regina Mudrich und Martin Zemke von den „ARTgenossen“, die seither genauso das Programm bereichern wie Rüdig selbst. 

Viele Künstler nutzen gern die Gelegenheit, ein „Hutkonzert“ in Harpstedt in ihre Tourneen einzubauen, um die Zeit bis zum nächsten lukrativen Auftritt zu überbrücken. „Da geht es auch darum, sich warm zu spielen und sich auszuprobieren“, weiß Rüdig. Nachdem Franziska König das „Le Bistro“ wieder aufgegeben hatte, stand das Aus der Konzertreihe zu befürchten. Doch die „Reanimation“ nach Eröffnung des „Liberty’s“ glückte. Rüdig gesteht, er habe es anfangs etwas skurril gefunden, eine „Burger-Bude“ zur Konzert-Location zu machen, aber für ihn stand auch fest: „Wenn es weitergeht, dann nur an selber Stelle – und zur gleichen Zeit.“

Die „Kultur am Donnerstag“ funktionierte auch im Imbiss-Ambiente. Die Fangemeinde wuchs noch. Inzwischen gibt es sogar Leute, die im „Liberty’s“ aufgetretenen Künstlern nachreisen, um weitere Konzerte an anderen Örtlichkeiten von ihnen zu erleben. „Es macht nach wie vor Spaß in Harpstedt. Dort freuen sich die Leute richtig auf die Konzerte. Du bist nah dran an den Zuhörern, und das Publikum ist achtsam. Das ist manchmal schöner als ein gut bezahlter Gig, der aber den Charakter eines schnöden Auftragsjobs hat“, resümiert Rüdig.

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