Blass beim Klimaschutz

Bürgermeisterwahl in Harpstedt: Erneuerungswille trifft auf Pragmatik

Samtgemeindebürgermeister-Wahl Harpstedt: Amtsinhaber Herwig Wöbse aus Harpstedt (l.) und Herausforderer Yves Nagel aus Dünsen.
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Amtsinhaber Herwig Wöbse aus Harpstedt (l.) und Herausforderer Yves Nagel aus Dünsen.

Harpstedt – Über ihre Lieblingsthemen zu sprechen, war den beiden Samtgemeindebürgermeisterkandidaten Yves Nagel und Herwig Wöbse am Dienstagabend während der Podiumsdiskussion im Koems-Saal auf Einladung der Kreiszeitung nicht so recht vergönnt. Stattdessen kamen aus den Reihen der 80 Zuhörer und seitens des Moderators etwa Fragen zur Zukunft des Sozialamtes, zu Freibad und Verwaltung im Coronamodus oder auch zum Klimaschutz.

Amtsinhaber und CDU-Kandidat Herwig Wöbse konnte nicht unbedarft ins Wortgefecht ziehen; er musste erwarten, an seiner Verwaltungsführung in den zurückliegenden sieben Jahren gemessen zu werden.

Yves Nagel, unterstützt von Grünen und SPD, fand sich in einer etwas komfortableren Situation wieder. Da er noch nicht als Hauptverwaltungsbeamter an der Spitze der Samtgemeindeverwaltung stand, bot er keinerlei Angriffsfläche, wegen etwaiger Versäumnisse oder Fehler kritisiert zu werden. Daher konnte er sich weiter aus dem Fenster lehnen als sein Kontrahent und beispielsweise verkünden, mit ihm als Bürgermeister werde die Freibadsaison jährlich am 1. Mai starten. Er hat ja noch nicht beweisen müssen, dass er das auch wirklich hinkriegt. Nagel stand aber in anderer Hinsicht unter Druck. Von dem Dünsener erwarteten nicht wenige im Saal, dass er seine Glaubwürdigkeit untermauert und darlegt, wie er seine ambitionierten Ziele umzusetzen gedenkt.

Ein Warm-up in Form eines Spontanitätstests meisterten beide Kandidaten noch mit Bravour. Lokalredakteur Jürgen Bohlken, der die Veranstaltung moderierte, bat sie, angefangene Sätze wie „Die Bürgerinnen und Bürger in politischen Entscheidungsprozessen mitzunehmen, setzt voraus...“ zu vollenden. Sodann stellten sich beide Kandidaten jeweils drei Minuten lang vor. Spätestens im Verlauf der nachfolgenden Diskussion, die insgesamt sehr sachlich verlief, offenbarte sich, wer welches Image pflegt: Nagel das des Erneuerers und Wöbse das des abwiegelnden Pragmatikers und bodenständigen Kümmerers.

Die erste Halbzeit verlief wunderbar. Nach der Pause hat dann leider das Unterstützerteam von Yves Nagel das Heft in die Hand genommen.“

Stefan Wachholder (CDU)

Beide schlugen sich wacker, ohne auf ganzer Linie zu überzeugen. Wöbse wurde spürbar offensiver angegangen. „Die erste Halbzeit verlief wunderbar. Nach der Pause hat dann leider das Unterstützerteam von Yves Nagel das Heft in die Hand genommen“, fiel Stefan Wachholder (CDU) auf. Auf die Fragen eigener Anhänger, die geschickt die Diskussion an sich gerissen hätten, sei Nagel offenkundig vorbereitet gewesen. Dass Unionspolitiker durchaus mit eigenen Wortmeldungen hätten gegensteuern können, ihre Chance aber nicht wahrnahmen, sei allerdings auch nicht zu bestreiten, gestand Wachholder ein.

Zwei Fragen von Peter Wegener aus Hackfeld, die unserer Zeitung per Mail zugegangen waren, brachten Nagel nicht aus der Ruhe oder in Verlegenheit: „Ist es richtig, dass Sie sich auch schon in Hatten und Dötlingen beworben haben? Und kann man daraus schließen, dass Ihnen die Gemeinde relativ egal ist – Hauptsache, Sie werden Bürgermeister?“

„Es stimmt, dass ich mich im Februar für das Bürgermeisteramt in Hatten beworben hatte, weil die Situation dort zu der Zeit eine sehr charmante war. Alle Fraktionen im Rat suchten gemeinsam einen Kandidaten. Diese Option, als Kandidat mit so breiter Unterstützung unterwegs zu sein, hat mir zugesagt“, erwiderte Nagel. Es habe dann aber mehrere Bewerber gegeben, und er sei nicht nominiert worden. Um das Bürgermeisteramt in Dötlingen habe er sich hingegen nie beworben und das auch nie angestrebt, betonte Nagel. Er wisse nicht, „woher diese Falschinformation kommt.“ Die spätere Kandidatur in der Samtgemeinde Harpstedt habe einen anderen Hintergrund gehabt: Er, Nagel, habe die Chance gesehen, der Kommune, „in der ich wohne und gerne lebe, etwas zurückzugeben“. Nein, es sei ihm nicht egal, in welcher Gemeinde er kandidiere.

Visionäres? Fehlanzeige!

Mit dem Thema Klimaschutz taten sich Wöbse und Nagel gleichermaßen schwer. Hier konnte keiner von beiden wirklich punkten. Bei der Deckung des Energiebedarfs kommunaler Gebäude aus regenerativen Quellen müsse die Samtgemeinde Harpstedt „deutlich besser werden“ und eine Vorbildfunktion erfüllen, konstatierte Yves Nagel. Sich kommunale Klimaziele und Zwischenziele zu setzen, hielt er für den richtigen Ansatz.

„Wir stehen gut da“, spielte Herwig Wöbse darauf an, dass in der Samtgemeinde Harpstedt bereits weit mehr Strom regenerativ (vor allem aus Windkraft) erzeugt als verbraucht wird. Er erwähnte ebenso die Beheizung des Freibades, der Schulen und weiterer Gebäude mit Abwärme aus der Biogasverstromung. Die Samtgemeinde werde das Thema Klimaschutz gleichwohl bald sehr viel intensiver angehen müssen und sich auch mit der Frage zu beschäftigen haben, ob es eines Klimaschutzmanagers bedürfe, ahnte der Bürgermeister. Zum Hochwasserschutz sagte er, eine Katastrophe mit Ausmaßen wie jüngst im Ahrtal schließe er aufgrund der anderen Topografie hierzulande eher aus. Völlig sicher sei er sich aber nicht. Zur Klärung dieser Frage wäre es sicher sinnvoll, bei Gewässerunterhaltungsexperten nachzuhaken.

Habt ihr selbst Ideen und Visionen? Oder wartet ihr darauf, dass der Rat Ideen an euch heranträgt?“

Irene Kolb (Grüne)

Lutz Beckröge, der für Bündnis 90/Die Grünen für politische Mandate kandidiert, forderte für die Samtgemeinde eine Vorbildfunktion beim Klimaschutz ein. Er wollte wissen, ob es „die erste Amtshandlung“ des künftigen Amtshof-Chefs sein werde, eine Klimaneutralitätszertifizierung für die Verwaltung in die Wege zu leiten. Herwig Wöbse verneinte das für den Fall seiner Wiederwahl und ließ durchblicken, dass es aus seiner Sicht dringlichere Anliegen gibt.

Ehe über mögliche Zertifizierungen nachgedacht werden könne, sei es nötig, die „Verwaltung effizienter zu machen“, antwortete Yves Nagel auf Beckröges Frage.

„Habt ihr selbst Ideen und Visionen? Oder wartet ihr darauf, dass der Rat Ideen an euch heranträgt?“, wollte Irene Kolb (Grüne) wissen. Nagel nutzte diese Frage dazu, die Akzente, die er gern als Bürgermeister setzen würde, im Schnelldurchlauf zu streifen. Wie auch Wöbse konnte er aber nicht mit eigenen „visionären“ Ideen zum Klimaschutz dienen. Auf weitere Diskussionsthemen kommt unsere Zeitung zurück.

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