Bürgerautos: Erneute Lieferverzögerung

Verärgert über die neuerliche Lieferverzögerung: Dünsens Bürgermeister Hartmut Post. Die Ladestationen im und am Carport bei der Zufluchtskirche sind „startklar“, aber das Bürgerauto lässt weiterhin auf sich warten. Foto: Bohlken

Dünsen/Kirchseelte- Von Jürgen Bohlken. Die Ladestationen sind „startklar“. Das Carport bei der Zufluchtskirche könnte genutzt werden. Was fehlt, ist das Bürgerauto. Fest steht: Es kommt nicht vor Ende März.

Über diesen unerfreulichen aktuellen Stand zeigt sich Dünsens Bürgermeister Hartmut Post einigermaßen erbost. Allmählich macht er sich ernsthafte Sorgen - und stellt sich die Frage, wie lange die ehrenamtlichen Fahrer wohl noch zur Stange halten.

„Wir haben das Bürgerauto für Januar oder Februar erwartet. Das war uns auch so versprochen worden. Während einer Zusammenkunft beim Landkreis Oldenburg vor 14 Tagen hörte sich das plötzlich gar nicht mehr so gut an. Auf Nachfrage bei dem Autohaus in Emstek, dass den Nissan-Van mit Elektroantrieb liefern soll, haben wir dann erfahren, dass uns das Bürgerauto vor Ende März nicht zur Verfügung steht. Das gilt auch für die Gemeinde Kirchseelte. Unsere ehrenamtlichen Fahrer warten nun schon seit Frühjahr 2018 darauf, dass es losgehen kann. So langsam haben sie, auf gut Deutsch gesagt, keinen Bock mehr, befürchte ich. Das Projekt Bürgerauto funktioniert aber nur mit ihnen und ihrer Bereitschaft, Fahrdienste zu übernehmen“, sagte Post am Sonntag auf Nachfrage.

Keine verbindliche Zusage über Liefertermin

Was ihn zusätzlich verärgert: Es gebe weiterhin keine verbindliche Zusage, wann das Fahrzeug denn nun endlich komme, sondern lediglich die vage Auskunft „frühestens Ende März“.

Die Gründe für die erneute Verzögerung seien der Gemeinde Dünsen nicht bekannt. Post hat nach eigenem Bekunden bereits über den Erwerb eines günstigen alten VW   T3-Busses nachgedacht, um das nach dem Anrufsammeltaxiprinzip funktionierende Bürgerauto zunächst mit einem Diesel starten zu lassen. Von diesem Plan sah er dann aber doch ab. An dem erwähnten Gespräch beim Landkreis Oldenburg nahmen neben ihm selbst unter anderem auch Julia Praß, Vorsitzende des Bürgerauto-Vereins Dünsen, und Reinhard Wixforth für die Gemeinde Kirchseelte teil.

2 Stationen für E-Autos - 3 für Fahrräder

Die in Dünsen am und im Carport installierten Ladestationen, zwei für E-Autos und drei für E-Bikes, können jederzeit freigeschaltet werden. Eine davon, eine 22-kW-„Stromzapfsäule“, ist speziell für das Bürgerauto gedacht. Sie lädt doppelt so schnell wie die direkt daneben befindliche, die der Nutzung durch die Öffentlichkeit vorbehalten ist. Allerdings kennt der Bürgermeister in der Gemeinde Dünsen bislang keinen einzigen Halter von elektrisch betriebenen Autos. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Die Schlüssel für den Zugriff auf die drei E-Bike-Ladestationen hat aktuell Hartmut Post in Verwahrung. Geht der Betrieb los, bleiben sie ständig in den Schrankschlössern stecken. Analog zu Wertsachenschränken in Frei- und Hallenbädern wirft der Nutzer jeweils eine Münze ein. „Dann kann er abschließen. Ist sein Akku vollgetankt, schließt er wieder auf und nimmt seinen Euro heraus.“ Auf diese Weise, so der Hintergedanke, soll kein Schlüssel abhandenkommen.

Das Tanken des Stroms sei zunächst kostenlos, erläuterte Post. „Für Fahrräder wird das wohl so bleiben, nehme ich an. Ein Abrechnungssystem ließe sich zwar durchaus nachrüsten; die Kosten dafür liegen aber im Moment derart hoch, dass wir den Strom besser unentgeltlich abgeben können.“

Auf dem Dach des Carports sei eine Photovoltaikanlage vorgesehen. „Der aus Sonnenlicht gewonnene Strom wird ins Netz der Avacon eingespeist. Als wir das Bürgerauto-Projekt vorgestellt bekommen hatten, war noch ein Stromspeicher vorgesehen gewesen“, entsann sich der Dünsener Bürgermeister. Dieser Plan sei aber wieder verworfen worden. Ein Grund dafür sei, dass die Speicher „nicht mehr gefördert“ würden.

Gleiches gelte im Übrigen für die Photovoltaikanlage. Die Kosten dafür binde sich die Gemeinde Dünsen nun komplett selbst ans Bein. Aktuell liege ein Voranschlag über 6 100 Euro vor. Der Bürgermeister hofft, dass die Photovoltaikzellen bis Ende März installiert sind.

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