Manche Beförderungswünsche muss Fahrdienstleiter Hartwig Jabusch ablehnen

Das Bürgerauto ist kein „Umsonst-Taxi“

Donnerstags fährt das Dünsener Bürgerauto zur Lebensmittelausgabe der Tafel nach Wildeshausen. In dieser Woche beförderten Horst Schumacher (2.v.l.) und Hartwig Jabusch (r.) drei Fahrgäste dorthin und wieder zurück. Foto: Bohlken

Dünsen - Von Jürgen Bohlken. Wie das Bürgerauto für Dünsen angenommen werde? „Im Moment läuft das noch nicht so toll“, gesteht Hartwig Jabusch. Sein Arbeitsaufwand als Fahrdienstleiter hat sich bislang in Grenzen gehalten. „Das Angebot ist wohl einfach noch zu wenig bekannt. Das muss sich erst rumsprechen“, erklärt sich der 75-Jährige die aktuell vergleichsweise geringe Anzahl von Beförderungswünschen. Bei ihm laufen die organisatorischen Fäden zusammen. Ihn rufen vor allem ältere Mitbürger aus Dünsen an, die in dem Elektrofahrzeug mitfahren möchten, und zwar unter der Rufnummer 0172/425 69 33.

Das Bürgerauto versteht sich ausdrücklich nicht als „Umsonst-Taxi“. Die Gemeinde Dünsen und der Betreiberverein wollen den Taxiunternehmen keineswegs die Kunden abjagen. Das ist allerdings noch nicht in allen Köpfen angekommen. Jabusch erhält jedenfalls auch Anfragen, die er konsequent ablehnen muss. So sei es natürlich nicht Sinn des Bürgerautos, Tagungs- oder Fortbildungsgäste des „Mikado“ in Horstedt vom Flughafen Bremen abzuholen und sie dorthin zurückzubringen, plaudert er ein wenig aus dem Nähkästchen. Auch sei es nicht einzusehen, Mitbürger wiederkehrend zum Krankenhaus zu bringen, obwohl die Betreffenden durchaus selbst fahren könnten und obendrein keineswegs finanziell schlecht gestellt seien. Die Anfrage einer Mutter, die ihren Sohn zum Fußballtraining nach Harpstedt chauffiert haben wollte, ging ebenfalls ins Leere. „Der Junge kommt problemlos mit dem Fahrrad hin“, weiß Jabusch.

Wofür das Bürgerauto wirklich von Nutzen ist, macht er an einem anderen Beispiel deutlich: „Am Montag muss eine ältere alleinstehende Dame ohne Führerschein zu einer Operation ins Krankenhaus Johanneum nach Wildeshausen. Diese Tour übernehmen wir selbstverständlich.“ Die zur Verfügung stehenden elf ehrenamtlichen Fahrer sind bislang noch gar nicht alle zum Einsatz gekommen. Bis Donnerstagmorgen war der Van mit Elektroantrieb fünfmal unterwegs. Darunter sei eine Einkaufstour nach Harpstedt gewesen, vermeldet Jabusch. Ebenso würden Mitbürger zur Tafel nach Wildeshausen (und zurück) gebracht. „Dorthin fahren wir immer donnerstags – zu den Lebensmittelausgabezeiten.“

Das Bürgerauto hält der Fahrdienstleiter für eine gute Sache. „Ursprünglich hatte die Gemeinde Dünsen einen Bürgerbus in Erwägung gezogen“, erinnert er sich. „Das zu realisieren, wäre aber aufwendig gewesen. Dafür hätten ja auch Haltestellen eingerichtet werden müssen.“ Das Bürgerauto biete zwar weniger Platz, sei aber flexibler einsetzbar, denn: „Wir können die Leute direkt vor der Haustür abholen und wieder dort absetzen.“

Der Betrieb funktioniert nach dem Anrufsammelprinzip. Aus gutem Grund: Dass nur ein Fahrgast im Bürgerauto sitzt, ist nicht gewollt. Die hohe Förderung, in deren Genuss die Gemeinde für das Projekt gekommen ist, erklärt sich nicht zuletzt mit dem erhofften Beitrag zum Klimaschutz. Wirklich klimafreundlich ist eine Fahrt immer dann, wenn mehrere Mitbürger pro Tour befördert werden. Das sei bislang stets der Fall gewesen, versichert Jabusch. „Zwei oder drei Fahrgäste saßen immer im Wagen.“

Das Bürgerauto hat Hartwig Jabusch auch schon selbst gelenkt. „Es fährt sich gut, wenngleich man sich erst daran gewöhnen muss“, urteilt er. Ungewohnt sei der extrem leise Fahrbetrieb. Ein künstliches Motorgeräusch könne zugeschaltet werden. Das werde auch grundsätzlich so gehandhabt, damit Fußgänger und Radfahrer das Herannahen des E-Fahrzeugs nicht überhören. Die Reichweite pro Akku-Ladung liege bei durchschnittlich etwa 270 Kilometern. Bei der Ausstattung des Fahrzeugs fehlt es an nichts: Navigationssystem, Rückfahrkamera oder auch Sitz- und Lenkradheizung lassen keine Wünsche offen. Das Bürgerauto in Anspruch nehmen sollen Einwohner der Gemeinde Dünsen – und zwar solche, die selbst nicht „motorisiert“ und mobil sind, die praktisch keine Möglichkeit haben, ohne fremde Hilfe zum Arzt, zur Apotheke, zum Einkaufen, zur Behörde oder zur Tafel zu gelangen.

Prinzipiell könnten sogar Vereine von dem Siebensitzer (inklusive Fahrersitz) profitieren. Für den SC Dünsen sieht Jabusch allerdings keinen Bedarf, denn: „Für Fahrten zu Fußball- und Korbballspielen haben wir unseren Vereinsbus.“ Der sei geräumiger und biete insbesondere mehr Platz für die Mitnahme von Gepäck.

Einen Personenbeförderungsschein benötigen die elf ehrenamtlichen Fahrer des Bürgerautos übrigens nicht. Namentlich sind das Horst Schumacher, Ralph Altendorf, Hartwig Jabusch, Martin Lux, Günther Michael, Heinz-Jürgen Greszik, Werner Mester, Hans Meyer-Wechsler, Helmut Riedebusch, Willi Rennert und Burkhard Hohnholz.

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