Bürgerauto-Betrieb in Coronazeiten

Aktuell sitzt stets nur ein Fahrgast im Van

Die Tafel in Wildeshausen bleibt an Donnerstagen ein Fahrziel des Dünsener Bürgerautos. Archivfoto: Bohlken
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Die Tafel in Wildeshausen bleibt an Donnerstagen ein Fahrziel des Dünsener Bürgerautos.

Dünsen – Das Dünsener Bürgerauto erfreue sich einer recht guten Akzeptanz, urteilt Fahrdienstleiter Hartwig Jabusch. Gleichwohl bemerkt er hier und da immer noch Berührungsängste. Er weiß von Senioren, die lieber den Bus zum Einkaufen nehmen und sich dann auf dem Rückweg von der Haltestelle nach Hause mit schweren Taschen abmühen.

Jabusch fragt mitunter nach, warum die Betreffenden nicht auf das Bürgerauto zurückgreifen. Die Antworten, die er bekommt, klingen in etwa so: „Ich weiß nicht so recht. Ich will niemandem zur Last fallen.“ Wer sich aber erst einmal dazu durchgerungen habe, das kostenlose Angebot zu nutzen, melde sich erfahrungsgemäß des Öfteren für Bürgerauto-Fahrten an, stellt Jabusch fest.

Sammelfahrten pandemiebedingt nicht möglich

Im Moment, da sich die Corona-Inzidenzen auf einem anhaltend hohen Level bewegen, erleben die Fahrgäste sogar puren Luxus: Sie müssen das Bürgerauto nämlich nicht, wie sonst üblich und ausdrücklich erwünscht, mit anderen teilen. Pandemiebedingt sind Sammelfahrten derzeit nicht möglich. Der jeweilige Fahrer ist gehalten, immer nur einen Fahrgast mitzunehmen.

Ich bin mit 77 der älteste Fahrer.“

Hartwig Jabusch

Die einzige Unannehmlichkeit: Im Bürgerauto besteht Maskenpflicht. Eine Plexiglasabtrennung im Siebensitzer trägt dazu bei, die Gefahr der Infektion mit dem Coronavirus zu verringern. Alle elf Fahrer sind vollständig geimpft, die meisten sogar bereits geboostert.

Die Riege der Ehrenamtlichen besteht aus Männern im Seniorenalter. Darunter sei auch ein 63-jähriger Vorruheständler, sagt Jabusch. „Ich bin mit 77 der Älteste“, fügt er hinzu. Das komplette Team sei trotz der angespannten Pandemielage weiterhin bereit, Fahrdienste zu übernehmen.

Fahrer nehmen Wartezeiten in Kauf

Eine zusätzliche Nachfrage nach Beförderung als Folge der Möglichkeit, sich im Harpstedter Eiscafé Venezia auf Corona testen zu lassen, hat sich laut Jabusch nicht ergeben. Keinen zusätzlichen Bedarf an Fahrten habe ebenso vergangene Woche die Massenimpfung durch das mobile Impfteam des Landkreises Oldenburg in der Harpstedter Delmeschule bewirkt. Die erwarteten Anmeldungen für das Bürgerauto blieben aus. „Die Leute haben wahrscheinlich mit längeren Wartezeiten beim Impfen gerechnet. Das hat sie wohl abgeschreckt“, ahnt Jabusch.

Dabei sind die Ehrenamtlichen durchaus bereit, innerhalb zumutbarer Grenzen zu warten. Jabusch erzählt von einem Dünsener, der im Hospiz in Falkenburg sei: „Dort holt ihn der Bürgerautofahrer ab, wenn er zum Augenarzt nach Syke muss, bringt ihn zur Arztpraxis, wartet, bis die Untersuchung oder Behandlung abgeschlossen ist, und befördert ihn wieder zurück.“

Eine Frau, die wir sehr häufig fahren, sagte zum Fahrer, sie fühle sich nicht gut und wolle zum Arzt. Es hat sich herausgestellt, dass sie zwar geimpft, aber gleichwohl infiziert war. Darüber haben wir sofort den Fahrer informiert. Er hat sich testen lassen. Das Testergebnis war aber zum Glück negativ.“

Hartwig Jabusch

Jeden Donnerstag steuert der Siebensitzer – entweder um 14.15 Uhr oder um 14.30 Uhr – die Tafel in Wildeshausen an. Eine Nachfrage nach Einkaufsmarktfahrten registriert Jabusch gar nicht. Gleichwohl können Dünsener auch für diesen Zweck die Mitnahme im Bürgerauto unter der Rufnummer 0172/425 69 33 buchen. Die Möglichkeit der Anmeldung beschränkt sich allerdings auf den Zeitraum von Montag bis einschließlich Freitag. Hauptsächlich als Verkehrsmittel gebraucht wird das Bürgerauto weiterhin für Arztbesuche in Harpstedt, Wildeshausen, Syke, Oldenburg, Delmenhorst, Bassum oder auch Twistringen.

Kein Beförderungsanspruch

Einen grundsätzlichen Beförderungsanspruch gibt es natürlich nicht. Im Einzelfall wird geprüft, ob ein Mitnahmewunsch in die Planung passt und realisiert werden kann. Für Hartwig Jabusch ist das Koordinieren schon mit Arbeit verbunden. Kann ein Ehrenamtlicher einen Fahrdienst nicht übernehmen, fragt der 77-Jährige „den nächsten“, ob er Zeit hat, um einzuspringen.

Gelegentlich fährt das Bürgerauto besondere „Einsätze“: Erst kürzlich habe der Van mit Elektroantrieb Kinder aus dem Dünsener Kindergarten anlässlich einer Vorstellung zum Weyher Theater gebracht, verrät Jabusch. „Zusätzlich sind Eltern gefahren.“

Dass für die Ehrenamtlichen ein Restrisiko bleibt, trotz Impfung, Vorsichts- und Schutzmaßnahmen Corona zu kriegen, lässt sich nicht wegreden. Einen Infektions-Verdachtsfall gab es schon, verschweigt Hartwig Jabusch nicht: „Eine Frau, die wir sehr häufig fahren, sagte zum Fahrer, sie fühle sich nicht gut und wolle zum Arzt. Es hat sich herausgestellt, dass sie zwar geimpft, aber gleichwohl infiziert war. Darüber haben wir sofort den Fahrer informiert. Er hat sich testen lassen. Das Testergebnis war aber zum Glück negativ.“

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