Bürger aus Winkelsett und Hackfeld hoffen auf Zugang zu schnellem Internet

Forderungen stoßen auf taube Ohren

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Dunkle Wolken ziehen über Winkelsett auf. Denn die Bewohner sind verärgert darüber, dass der LTE-Mast in der Gemeinde, der eigentlich für einen schnelleren Internetzugang sorgen soll, noch nicht in Betrieb ist.

Winkelsett - Von Sophie Filipiak. Ein Zugang zum Internet ist hierzulande eine Selbstverständlichkeit – sollte man meinen. Aus Hackfeld und Winkelsett kommen indes Klagen über Ausfälle und mangelnde Geschwindigkeit. Auch der Handy-Empfang und das Festnetz lassen zu wünschen übrig. Vielen Bewohnern reicht es.

Fast täglich telefonieren Hans-Günther Schulze und Jana Braun mit ihrem Anbieter EWE. Der Grund: Seit Wochen haben sie kein Internet. Die Firma verweist auf die Telekom als Netzbetreiberin. An der Leitung scheine es nicht zu liegen, teilten die Techniker mit. Noch warten Schulze und Braun auf eine zufrieden-stellende Antwort. Sie wohnen in Hackfeld und stehen mit ihren Problemen nicht alleine da. Viele Bewohner aus Hackfeld und Winkelsett verfügen teilweise nur über eine veraltete ISDN-Leitung, müssen sich teils sogar noch über Modems ins Netz einwählen oder haben gar keinen Zugang. Jeder Versuch, mit den Netzbetreibern zu reden, ende mit informationslosen Telefonaten oder E-Mails, berichten die Betroffenen.

Ein weiteres Problem ist das Festnetz, denn diese Leitung verläuft oberirdisch. „Bei jedem Windstoß ist unser Telefon tot“, klagt Walter Meyer aus Hackfeld. Kein Internet, kein Telefon und kein Handy-Empfang – das sei vor allem für junge Menschen „wie Knast“, meint Bert Mahlstedt aus Winkelsett. „Das fördert doch nur die Vereinsamung der Dörfer“, sagt er.

Viele Schulkinder müssten nach Harpstedt zu Freunden fahren, um dort im Internet für ihre Hausaufgaben zu recherchieren, erzählen Anwohner. Auch Jens Uwe Wöhler aus Hackfeld muss sich bis zur Gemeindegrenze begeben, um dort per Handy sein Online-Banking zu machen. Zu Hause gehe das nicht. Mittlerweile geht Wöhler in die Bank, um Überweisungen zu tätigen.

Auch für Betriebe ist das langsame Internet ein Ärgernis. Frank Nienaber hat ein Steuerberaterbüro in Hackfeld. Sein Telefon sei erst ein halbes Jahr nach Gründung freigeschaltet worden. Seit kurzem verfügt er wenigstens über einen stabilen und einigermaßen leistungsstarken Internet-Zugang. Seitdem haben aber seine Nachbarn Probleme. „Denn es wurde keine neue Leitung gelegt, nur an der alten wurde ein Datenkabel abgezweigt“, erklärt Nienaber. „Die Leitungen werden hier doppelt und dreifach belegt“, sagt Bernd Gaumann aus Winkelsett.

„Uns ist egal, woher wir Internet bekommen. Wichtig ist, dass endlich was passiert“, betont Gaumann. „Mittlerweile sind die Forderungen der Einwohner nach besserem Internet stärker als nach einer Sanierung der Straßen“, fügt Mahlstedt hinzu. Nun hoffen die Bewohner auf den LTE-Mast, den Vodafone bereits im September 2014 in Winkelsett aufgebaut hat. Der könnte eigentlich neben einer ausreichenden Versorgung des Mobilfunknetzes auch schnelleres Internet bringen. Mit LTE ist es möglich, schneller per Handy oder USB-Stick ins Web zu gelangen und größere Datenmengen zu übertragen. „Die Technik ist also da. Sie muss nur angeschlossen werden“, so Jens Uwe Wöhler.

Auf Anfrage bestätigte ein Vodafone-Sprecher, dass der Turm tatsächlich aus technischen Gründen noch nicht freigeschaltet ist. Er denke aber, dass der Mast noch im Betriebsjahr 2015/2016 senden könne – spätestens im kommenden Mai.

In Sachen Breitbandausbau in Winkelsett hält sich die Telekom bedeckt. Das Unternehmen verweist nur darauf, dass es „auch andere Netzbetreiber und Kabelnetzanbieter“ gebe, „die Breitbandanschlüsse bauen und vermarkten“. Auch die Telekom setzt verstärkt darauf, Internet über das Handynetz anzubieten. Das Unternehmen teilt mit, dass die Gemeinde „in Teilen eine Mobilfunkversorgung bis zu 50 MBits/s“ habe. Schnellere Internetzugänge wären also möglich, heißt es. „Aber das muss für jeden Standort und Teilnehmer abgeklärt werden.“

Wie es mit der Internetversorgung in Winkelsett weitergehen soll, ist noch unklar. Die Anwohner hoffen, dass der LTE-Mast möglichst rasch in Betrieb genommen werden kann. Die Politik müsse sich, so fordern Betroffene, mehr für das Thema interessieren und Druck auf die Netzbetreiber ausüben.

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