Oldtimer-Baustellen-Gottesdienst

Brückenschlag von der Kirche zur Schrauberbude

Einige Oldtimerfreunde, die ihre „Schätzchen“ mitbringen, stehen schon fest, darunter Karl Landwehr (links), Werner Deepe (2.v.r.), Ilona Asendorf (2.v.l.) und Marcus Schäfers (r.). Pastor Timo Rucks (Mitte) präsentiert seinen VW-Bus. - Foto: Kirche

Harpstedt - Mitunter sieht Pastor Timo Rucks bei der Bäckerei Stratmeyer einen alten Volvo P 1800 stehen – mit einem langen, gläsernen Heck. Den Besitzer anzutreffen, sei ihm noch nicht gelungen, sagt er. Das Auto mit der charakteristischen Form aber findet er toll. Weshalb es im Volksmund „Schneewittchensarg“ heißt, erkläre sich beim Anblick von selbst.

„In Harpstedt scheint es eine Art Volvo-Connection zu geben“, scherzt der Geistliche. Immer wieder fallen ihm „Schätzchen“ aus der schwedischen Autoschmiede ins Auge. Überhaupt sieht er häufiger Oldtimer auf dem Marktplatz parken. 

Daraus schlussfolgert Rucks, im Flecken und der Umgebung gebe es offenbar viele Menschen mit einer Leidenschaft für antike Karossen. „Ich hoffe, sie kommen am Sonntag, 14. August, allesamt aus ihren ,Löchern’ und auf den Marktplatz“, spielt er auf den Oldtimer-Baustellen-Gottesdienst an, den die evangelische Gemeinde Harpstedt dort dann ab 11 Uhr unter freiem Himmel feiert. 

Für den Fall, dass es regnet, hat Pastor Rucks übrigens noch keinen „Plan B“ in der Tasche. Zeichne sich schlechtes Wetter ab, werde er eventuell die Gemeindeglieder darum bitten, Pavillons mitzubringen, deutet er vorsorglich schon mal an. Ab 9.30 Uhr dürfen die Oldtimer auf den Marktplatz rollen – sowohl alte Autos als auch Motorräder oder Traktoren. Den musikalischen Part übernimmt die „Baustellen-Band“. Sie spielt unter anderem, passend zum Thema, „Country Roads“. „Ein richtiges Sehnsuchtslied“, findet Pastor Rucks.

Das Verbindende zwischen Glaube und Oldtimer erschließt sich nicht unmittelbar. Timo Rucks sieht aber durchaus Parallelen. Beides habe etwas mit Verlässlichkeit zu tun. Und nicht nur das. „Etwas hegen und pflegen, viel Liebe ins Detail stecken – das passiert in der Kirche genauso wie in einer Schrauberbude“, lässt der Geistliche durchblicken, dass er sich über seine Predigt schon Gedanken gemacht hat. Die Moderation übernimmt seine Frau, Pastorin Hanna Rucks, zusammen mit Manfred Sander.

Der Gemeindebrief weist auf den besonderen Gottesdienst hin. Ansonsten hat die Christusgemeinde dafür aber nicht groß die Werbetrommel gerührt. Pastor Rucks setzt auf Mund-zu-Mund-Propaganda. „Ob nun 20, 30 oder 40 Oldtimer kommen, ist ja auch gar nicht so wichtig“, findet er. Fest steht jedenfalls schon jetzt, dass einige Automobilfans mit ihren „Schmuckstücken“ dabei sein werden. Etwa Karl Landwehr mit einem Käfer-Cabrio. 

„Er hat Verbindungen zu anderen Oldtimerfreunden – und gleich seinen Club mit eingeladen“, erläutert Rucks. Werner Deepe will mit einem Ford, Modell A, von 1930 mitmischen und Marcus Schäfers mit seinem Ford Taunus. Auch der Pastor selbst präsentiert einen „Oldie“: Sein VW-Bus in den Harpstedter Farben Blau und Weiß hat gerade eine rund 4.000 Kilometer lange Urlaubsreise durch Frankreich und die Schweiz hinter sich gebracht. 

„Wenn die Leute mit ihren Oldtimern anrollen, dann wollen sie bestimmt ein bisschen mehr Programm, als nur eine Stunde lang einen Gottesdienst feiern“, glaubt Rucks. Daher wird hinterher genügend Zeit für Benzin- und andere Gespräche bleiben. 

Die Weinstandgruppe bewirtet die Besucher nach dem Gottesdienst mit Bratwurst und Getränken, und auch die Espressomaschine der Kirchengemeinde kommt zum Einsatz. Um 14 Uhr folgt dann eine kurze Oldtimer-Schaufahrt durch Harpstedt, ehe der Nachmittag bei Kaffee oder auch Eis ausklingt.

Der Marktplatz kann bereits ab 9.30 Uhr mit den antiken Vehikeln befahren werden. Bis 10.30 Uhr sollten alle Oldtimer vor Ort sein, damit genügend Zeit für die letzten Vorbereitungen verbleibt.

Die Aufbauarbeiten erledigt die Jugendgruppe der Christusgemeinde. „Wir machen da ein richtiges Event draus – sogar mit ,Camping’ vor der Kirche“, verrät Rucks. 

boh

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