Mehr Eheschließungen als 2015

Bremer Engpass auch im Standesamt Harpstedt spürbar

Einen kleinen Heiratsboom verzeichnet aktuell das Standesamt Harpstedt. 32 Trauungen, darunter zwölf Außentrauungen, gab es bereits in diesem Jahr. Das sind etwa zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. - Symbolbild: Fotografie Marco Gallmeier (Bassum)

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die chronische Arbeitsüberlastung im Standesamt Bremen-Mitte strahlt in den Speckgürtel der Hansestadt ab. „Wir merken das schon. Wir verzeichnen zwar keinen Ansturm, aber es kommen vermehrt Anfragen Heiratswilliger aus Bremen“, räumte Michael Lührs, Standesbeamter in Harpstedt, gestern auf Nachfrage ein.

Er nannte exemplarisch eine schwangere Frau, die noch vor der Geburt ihres Kindes mit ihrem Lebensgefährten in Bremen vor den Traualtar treten wollte. „Das Standesamt“, so Lührs, „schaffte es nicht, die beiden bis zur Entbindung zu verheiraten.“

Der personelle Engpass hat in den Medien für Schlagzeilen gesorgt. Betroffen davon ist neben Bremen-Mitte auch das Standesamt Bremen-Nord. Schon im Mai bekamen Heiratswillige dort gesagt, dass voraussichtlich erst im September wieder Anmeldungen von Eheschließungen angenommen würden. Langwierige Erkrankungen, personelle Wechsel in andere Behörden, ein Eintritt in den Ruhestand und auch der Tod eines Mitarbeiters hatten tiefe Löcher in die Personaldecke gerissen, die sich nicht mehr schließen ließen. Mittlerweile leitet Innensenator Ulrich Mäurer das Bremer Standesamt – und gelobt Besserung: Unlängst beauftragte er den Rechtspfleger Heinz-Jürgen Nagel (65), mit einem Sonderteam die Ordnung wiederherzustellen und die vielen liegen gebliebenen Anträge und Beurkundungen abzuarbeiten.

Die personelle Krise hat unterdessen viele Heiratswillige aus Bremen dazu ermuntert, sich im Umland zu erkundigen – mit dem Ziel, doch noch zum Wunschtermin unter die redensartliche Haube zu kommen. Das allerdings erwies sich für einen Großteil als Sackgasse. „Das Problem: Die Eheschließung muss jeweils dort angemeldet werden, wo die Paare wohnen“, weiß Michael Lührs. Die Trauung selbst könne dann auch andernorts vorgenommen werden. Der Gesetzgeber schreibt allerdings ausdrücklich nicht vor, dass die Anmeldung der Trauung zwingend in der Kommune zu vollziehen ist, in der sich der Hauptwohnsitz der angehenden Eheleute befindet. Wer also beispielsweise in der Samtgemeinde Harpstedt einen Nebenwohnsitz nachweisen kann, darf auch im Harpstedter Standesamt die Trauung anmelden. Es seien naturgemäß nur wenige, die von dieser Möglichkeit Gebrauch machen könnten, sagt Lührs. Zu diesen wenigen zählte wiederum die eingangs erwähnte Schwangere. Sie konnte ihren „Herzbuben“ tatsächlich in Harpstedt ehelichen.

Das Standesamt im Amtshof verzeichnet übrigens aktuell einen kleinen Heirats-Boom. 32 Ehen sind dort bislang in diesem Jahr geschlossen worden, etwa zehn Prozent mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Viele Paare wollen sich möglichst draußen das Jawort geben – im idyllischen Ambiente am Harpstedter Burggraben. Seit rund zweieinhalb Jahren nimmt die Beliebtheit der Außentrauungen stetig zu. „Am vergangenen Sonnabend waren es allein drei, und am kommenden Samstag sind es vier, wenn das Wetter mitspielt“, so Michael Lührs. Fünf weitere seien bereits angemeldet.

Immerhin zwölf der 32 Paare, die sich 2016 bis dato das Jawort in Harpstedt gaben, ließen sich im Freien trauen.

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