Botschafter kommt bei Besuch bürgernah, herzlich und unkompliziert rüber

„Wir betrachten Sie jetzt auch als Colnrader“

+
Pastorin Dr. Marikje Smid (l.) und Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann (3.v.l.) hießen Botschafter John Bonnell Emerson, seine Ehefrau Kimberly Marteau und die Zwillingstöchter Taylor und Hayley (v.l.) in der Colnrader Kirche willkommen.

Colnrade - Von Jürgen Bohlken. „Oh happy day“ sang der Gospelchor von Kai Gröhlich vor wenigen Stunden in der Kirche St. Marien, als dort mit etwa 75-minütiger Verspätung der US-amerikanische Botschafter John Bonnell Emerson mitsamt Ehefrau Kimberly Marteau und den Zwillingstöchtern Taylor und Hayley (18) eintraf. Die Geschichte seiner eigenen Vorfahren verschlug den Diplomaten ins beschauliche Colnrade. Für seineStippvisite nahm er sich erstaunlich viel Zeit.

, flachste Bürgermeisterin Anne Wilkens-Lindemann im Gotteshaus. „Abolutely wonderful“ nannte Emerson die „Performance“ des Gospelchors. Er sei selbst sozusagen in und mit der Kirche groß geworden. Sein Vater James Gordon, mittlerweile 89 Jahre alt, habe ihn und seine Frau getraut und alle drei Töchter getauft. Die Zwillinge wirken selbst in einem Chor mit. Jacqueline (20), genannt Jackie, die älteste – nicht mitgereiste – Tochter singt ebenfalls gern. Bisher, so Emerson, habe die Familie nicht gewusst, woher die Mädchen ihre tollen Stimmen hätten. Nun sei klar: Der Ursprung liege offenbar in Colnrade.

John Bonnell Emerson weilte in der beschaulichen Gemeinde an der Hunte, weil eine seiner Vorfahrinnen, Catharine Adelheid Strasburg, 1769 in Beckstedt zur Welt gekommen war. 1790 heiratete sie in Colnrade Johann Gerd Tangemann und zog zu ihm nach Hölingen. Zwei Söhne des Paars, Johann Gert und Hermann Heinrich, wanderten nach Iowa und Ohio aus. Letzterer erreichte in den Vereinigten Staaten ein für damalige Verhältnisse erstaunlich hohes Lebensalter. Er wurde 97. Seine Mutter war indes mit 38 an Schwindsucht gestorben. Zu deren Geburtsstätte, auf den Hof Straßburg, führte den Botschafter der erste Teil seines Besuchs. Die frühere Bürgermeisterin Hiltraud Lindemann freute sich über die Herzlichkeit, mit der Emerson und seine Familie ihr und ihrem Vater Albert Kramer in ihrem Elternhaus begegneten. „Wir sind gleich bei der Begrüßung umarmt worden“, staunte sie. „Herzlichen Dank für die Einladung. Es ist eine große Ehre für uns, in der Heimat unserer Vorfahren zu sein“, schrieb der Botschafter ins Gästebuch. Geschenke wechselten die Besitzer. Emerson überreichte Hiltraud Lindemann ein Buch über die Vereinigten Staaten und nahm im Gegenzug ein Bild vom Wohnhaus des Hofes entgegen.

Auch die Angehörigen des Diplomaten unterhielten sich ganz zwanglos mit den Gastgebern. Die Zwillinge haben gerade ihre Prüfungen auf einer internationalen Schule in Berlin absolviert – und stehen vor dem Abschluss. „Jackie“ Emerson, die älteste Tochter, weilt momentan in Los Angeles; die Medienpsychologin hat bereits als Singer-Songwriterin und Schauspielerin von sich reden gemacht. In der Rolle des „Fuchsgesichts“ wirkte sie sogar in dem Blockbuster „Die Tribute von Panem – Die Hungerspiele“ mit.

Im Colnrader Gotteshaus harrten Bürger lange aus, um den Botschafter zu sehen. Anne Wilkens-Lindemann begrüßte ihn und seine Familie mit Blümchen. Pastorin Dr. Marikje Smid gehörte ebenfalls zum Empfangskomitee. Der hohe Gast warf einen Blick ins Kirchenbuch und auf das Taufbecken. Die Bürgermeisterin schenkte ihm ein Exemplar des Buches „Zwischen Dehmse und Hunte“ von Kai Pfänder und lud ihn ein, mal ganz privat nach Colnrade zu kommen, wenn sich eine Gelegenheit biete. Für heute jedenfalls ist der Terminkalender des Botschafters randvoll: Von Colnrade ging‘s, ausgestattet mit einem gerahmten Kirchenbuch-Auszug, zum Auswanderer-Haus nach Bremerhaven, wo er seine familiengeschichtlichen Nachforschungen zu vertiefen gedachte, und im weiteren Verlauf des Tages geht‘s zurück nach Berlin.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

So funktioniert Virtual Fitness

So funktioniert Virtual Fitness

Geschichte und Zukunft des Wankelmotors

Geschichte und Zukunft des Wankelmotors

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Alpaka-Nachwuchs in Rethem

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Tourbus unter dem Hammer: Reisen wie einst die Kelly Family

Meistgelesene Artikel

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

Motorradfahrer verliert bei riskantem Überholmanöver auf der A1 Kontrolle 

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

18-Jähriger im Alfsee bei Bramsche ertrunken

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

Ein Kneipenviertel am Stellmacherplatz?

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

„Schekhan-Markt“ eröffnet neuen Verkaufsraum mit breiterem Angebot

Kommentare