Altbürgermeister schreibt amtierendem Bürgermeister

„Flecken sollte sich von Klein-Klein-Planung verabschieden“

Die abschnittweise Ausweisung von Bauland im Südwesten Harpstedts ist nach Meinung von Hermann Bokelmann nicht von Vorteil für die Entwicklung des Fleckens gewesen. Hier eine Ansicht des Baugebiets „Am Großen Wege“. 
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Die abschnittweise Ausweisung von Bauland im Südwesten Harpstedts ist nach Meinung von Hermann Bokelmann nicht von Vorteil für die Entwicklung des Fleckens gewesen. Hier eine Ansicht des Baugebiets „Am Großen Wege“. 

Harpstedt – Bei der Ausweisung von Bauland sollte sich der Flecken Harpstedt von der „Klein-Klein-Planung“ des vergangenen Jahrzehnts verabschieden. Auf diesem Standpunkt steht Altbürgermeister Hermann Bokelmann. „Zukunftsplanung vor Planung des Tagesbedarfs“ empfiehlt er in einem Schreiben an den amtierenden Bürgermeister Stefan Wachholder als zielführende Strategie.

Größer planen, aber abschnittweise erschließen – diesen Weg, den auch andere Mitgliedskommunen der Samtgemeinde Harpstedt gehen, hält Bokelmann für den richtigen.

„Schon 2006 (...) beschloss der Gemeinderat auf meinen Vorschlag den B-Plan ,Am Großen Wege’ für fast 60 Bauplätze, der bis an die Landesstraße 341 reichte“, erinnert er sich. Diesen Beschluss habe damals „der neue Rat aufgehoben und über die späteren Jahre verteilt nach und nach dafür vier B-Pläne aufgestellt, die aber noch keinen Anschluss an die L 341 haben“. Als Folge davon habe „immer ein Mangel an Bauplätzen im Flecken“ bestanden, während kleinere Mitgliedsgemeinden „mehr Bauplätze auswiesen und verkauften“. Das wiederum sei keineswegs ein Vorteil für die Entwicklung „des Hauptortes der Samtgemeinde“ gewesen. Auch im Vergleich mit dem Wachstum anderer Landkreisgemeinden beim Bauland schneidet der Flecken aus Bokelmanns Sicht nicht besonders gut ab.

Der Flecken muss nicht alle Flächen vorher kaufen; es dürfen durchaus ,Private’ dazwischen sein.“

Hermann Bokelmann

Die weitere wohnbauliche Entwicklung Harpstedts soll sich von der L 341 in Richtung Koems-Gelände vollziehen. Der Altbürgermeister rät dazu, „ein Gebiet zu beplanen, das den Bedarf an Bauplätzen für mehrere Jahre deckt“. Über eine abschnittweise Erschließung könne die Entwicklung dann bedarfsgerecht gelenkt werden. „Der Flecken muss nicht alle Flächen vorher kaufen; es dürfen durchaus ,Private’ dazwischen sein“, formuliert Bokelmann seinen Standpunkt.

Dringend geboten ist nach seiner Meinung die Ausweisung von Gewerbeflächen. Eine Gemeinde, die keine habe, verkümmere. Bokelmann weist darauf hin, dass die gewerblichen Bauflächen für das Gewerbegebiet „Altes Heidland“ (gegenüber dem Autohaus Reckziegel), dessen Entwicklung der Flecken nun vorantreibt, schon „seit 20 Jahren“ im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde ausgewiesen seien.

„Über Beschlüsse informieren“

Der eigentliche Anlass seines Schreibens an Stefan Wachholder aber war ein anderer: Bokelmann bittet den Fleckenbürgermeister darum, der Lokalpresse, die er – wie viele andere Mitbürger – als Informationsquelle nutzt, „mehr Information über Beschlüsse des Rates und des Verwaltungsausschusses zur Verfügung zu stellen“.

Stutzig gemacht hatten den über 90-Jährigen Presseberichte zur Haushaltsberatung. Darin waren im Zusammenhang mit dem Ausbau der Straße „Am Schützenplatz“ hohe Summen für Erschließungsmaßnahmen und Grunderwerb zur Sprache gekommen. Im online gestellten Haushaltsplan entdeckte Bokelmann dann die Beträge für das Wohngebiet „Am Schützenplatz“. „So sehr ich mich über weitere Möglichkeiten der Entwicklung des Fleckens freue, vermisse ich (...) die Beschlüsse über die Aufstellung von Bebauungsplänen für Wohn- und Gewerbegebiete“, schreibt er.

Während seiner früheren – jahrzehntelangen – Ratsarbeit sei zunächst der Beschluss über die Aufstellung eines B-Plans gefasst worden, und erst dann seien Mittel für die Erschließung in den Haushalt eingestellt worden. Unabhängig davon, ob sich daran etwas geändert habe oder nicht, sei er, Bokelmann, „sicher nicht der einzige Bürger, der wissen möchte, wohin sich der Ort nach den Vorstellungen des Rates entwickeln soll“. Daher bitte er „um Veröffentlichung der Beschlüsse“, an denen das zu erkennen sei (B-Plan-Aufstellungsbeschlüsse).

Unmut will er nicht erzeugen

Da das Interesse der Bürger an der Kommunalpolitik angeblich nachlasse, halte er „eine bessere Unterrichtung über die Arbeit und die Pläne des Gemeinderates“ sowie die „gleichzeitige Mitnahme und Beteiligung der Einwohner“ – vor der gesetzlich vorgeschriebenen öffentlichen Beteiligung – für „überaus wichtig“.

Als Besserwisser will Hermann Bokelmann nach eigenem Bekunden ausdrücklich nicht auftreten. Es liege ihm auch fern, Unmut zu erzeugen. Gleichwohl hoffe er schon, mit seinen Anregungen Gehör zu finden.  

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