Unbekannte öffnen private Voliere 

Böses Erwachen für Vogelbesitzer am Neujahrsmorgen

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Besonders ans Herz gewachsen ist Elke Meineke der Mohrenkopfpapagei „Birdy“, der ein grausames Schicksal erlitten hat: Der frühere Besitzer schnitt ihm die Flügel ab.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Mit einer bösen Überraschung hat für Elke Meineke aus Harpstedt das neue Jahr begonnen: Unbekannte öffneten in der Silvesternacht – womöglich in einer Partylaune – die beiden Türen ihrer Voliere auf der Terrasse. Rund 20 Vögel büxten aus. Einen Teil davon haben die 52-Jährige und ihr Freund Wiard Rüter an Neujahr einfangen können. Den bislang nicht gefundenen Ausreißern – mehreren Kanarienvögeln und einem Stieglitzpärchen – droht indes ein schlimmes Schicksal.

In freier Natur tendiert die Überlebenschance dieser Vögel hart gegen null. „Entweder finden sie kein Futter und verhungern elendig, oder aber sie fallen einer Katze, einem Habicht oder einem anderen Raubtier zum Opfer“, ahnt Elke Meineke.

Die unüberlegte Tat macht die Tierfreundin wütend. Schlimmer noch als die fehlende Achtung vor fremdem Eigentum findet sie die Gedankenlosigkeit aus einer Laune heraus, die zur Folge hat, dass schutzlose Lebewesen aus Fleisch und Blut sich selbst überlassen werden. Das sei doch letztlich auch eine Form der Tierquälerei.

Elke Meineke war an Silvester früh zu Bett gegangen, zumal sie ihren Neujahrsdienst im Krankenhaus Bassum fit und munter antreten wollte. Ihr Freund legte sich ebenfalls noch vor Mitternacht schlafen. Beim Frühstücken bemerkte er an Neujahr gegen 9.30 Uhr ein älteres Ehepaar, das unentwegt herüberschaute. Das machte ihn stutzig. Er ging der Sache nach – und erblickte die offenstehenden Volierentüren. Seine Lebensgefährtin fragt sich im Nachhinein, warum die beiden älteren Passanten „nicht bei uns geklingelt und uns auf die im Garten herumlaufenden Vögel hingewiesen haben“. 

Stundenlang mühten sich Wiard Rüter und seine Lebensgefährtin bis zum Einbruch der Dunkelheit, zumindest jene „Piepmätze“ wieder „einzusammeln“, die sich noch in der Nähe aufhielten. Einige saßen auf dem Rasen, andere in der Hecke. „Sechs haben wir selbst zurücksetzen können“, erzählt die 52-Jährige. „Wir haben als Lockmittel Futter vor die Volierentür gelegt und konnten dann die zumeist sehr zahmen Vögel mit der Hand behutsam hinein treiben.“

Sperrangelweit offen stand auch diese Volierentür am Neujahrsmorgen. Rund 20 Vögel büxten aus.

Einen Ausreißer fing ein Nachbar mit einem Schal ein und gab ihn persönlich ab. Später meldeten sich Anrufer, die weitere entflogene Kanarienvögel entdeckt hatten. „Wir sind angenehm überrascht gewesen über diese Anteilnahme und Hilfsbereitschaft“, sagt Elke Meineke. Den Wert der nun noch fehlenden gefiederten Freunde, etwa ein Dutzend, schätzt sie auf 500 Euro. Besonders bedauert sie den Verlust des Stieglitzpärchens, das sie für 200 Euro von einem Züchter erworben hatte. Es handele sich dabei um sehr quirlige Tiere, so die Eigentümerin. Sie rechnet sich keine sehr großen Chancen aus, diese beiden Lieblinge zurückzubekommen. Möglicherweise werde sie nun einen Bewegungsmelder in Kombination mit einem Lichtstrahler oder sogar eine Alarmanlage zur Vorbeugung vor weiteren unliebsamen Überraschungen benötigen, vermutet die 52-Jährige. Die Volierentüren will sie in jedem Fall sichern; an einer ist bereits ein Schloss angebracht.

Die Vogelhaltung betreibt die Harpstedterin aus Spaß an der Freude. Sie habe nicht die Absicht, mit gezielter Zucht Geld zu verdienen. Als die Kinder aus dem Haus gewesen seien, habe sie einfach nach einer Freizeitbeschäftigung gesucht. „Ich kann ja nicht immerzu putzen. Das wird irgendwann langweilig“, erzählt sie schmunzelnd. Angefangen habe alles mit einem Zwergpapageien- und einem Kanarienvogel-Pärchen.

„Nico“ spricht wie ein Weltmeister

2015 bekam die Tierfreundin einen Graupapagei. „Selbstverständlich mit Papieren“, betont sie. Der Vogel, der auf den Namen „Nico“ hört, spreche mittlerweile „wie ein Weltmeister“. Doch das, so weiß die Harpstedterin, lasse sich nur mit viel Liebe und Herzblut erreichen. Besonders ans Herz gewachsen ist Elke Meineke der Mohrenkopfpapagei „Birdy“. Hinter ihm liege grausames Schicksal. Er könne nicht mehr fliegen, weil ihm der frühere Halter den größten Teil seiner Flügel abgeschnitten habe. Der Tierquäler sei ein Mann gewesen. Und das erkläre wiederum, warum „Birdy“ mittlerweile Männer generell „nicht mag“.

Wenn Elke Meineke verreist, dann ist stets für ihre gefiederten Freunde gesorgt. Ein freundlicher Nachbar übernimmt das Füttern. Den Graupapagei gibt die Harpstedterin hingegen in die Obhut der Tierpension von Ute Mahlstedt in Ganderkesee. Dort sei er bestens aufgehoben, „sogar mit Familienanschluss“, urteilt sie über das „Tierparadies“.

Den ärgerlichen Vorfall aus der Silvesternacht hat die 52-Jährige bei der Polizei zur Anzeige gebracht. Wer etwas über den Verbleib der noch nicht wiedergefundenen Vögel weiß, der darf sich gern an sie wenden. Elke Meineke und ihr Lebensgefährte wohnen am Logering.

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