„Stein“: Museumsdorf Cloppenburg kann Verschiebung der Feier nicht ausschließen

Bleibt es bei der Eröffnung im September?

Gemütlichkeit wie damals: der wiederaufgebaute Tresenbereich. Foto: Heinzel

Harpstedt/Cloppenburg - Von Christoph Heinzel. Peter Maffay, Drafi Deutscher, Karl Dall, Renate Kern, The Rattles – sie alle sind im „Stein“ aufgetreten. „Stein“ – so lautet bis heute die liebevolle Abkürzung für die ehemalige Harpstedter Landdiskothek „Zum Sonnenstein“. Inzwischen steht das Gebäude bekanntlich schon lange auf dem Gelände des Museumsdorfs Cloppenburg. Es markiert, so der Plan, den Beginn der Entwicklung eines ganz neuen Abschnitts im Freilichtmuseum – mit Bauwerken, die charakteristisch und kulturtypisch für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen sind.

Mittlerweile hat sich auch im Inneren des „Steins“ viel an der Wiederherstellung der Disco getan. Das Museumsdorf hofft weiterhin auf eine Eröffnungsfeier im September. Die Arbeiten lägen im Zeitplan, berichtet Projektkoordinatorin Laura Pigge.

„Wir wollen eine Eröffnung mit Feeling. Es soll sich wie ein Abend in der Diskothek anfühlen“, sagt die Cloppenburgerin. Das werde mit den aktuellen Corona-Beschränkungen allerdings schwierig. „Wir sind auf beide Eventualitäten vorbereitet: ein großes Event im September oder eine Verschiebung des Ganzen.“ Das Gebäude werde aber auf jeden Fall für den Publikumsverkehr geöffnet. Zumindest das Erdgeschoss.

Die geplante Dauerausstellung in den ehemaligen Wohnräumen im Obergeschoss werde etwas später fertiggestellt. Jüngst ist die golden glitzernde Tapete im „Clubzimmer“ des Erdgeschosses wieder angebracht worden. Hier soll der Start in die Zeitreise „Landdiskothek Zum Sonnenstein“ erfolgen.

„Wir wollen die 1980er-Jahre abbilden. Vor allem das Feeling dieser Zeit“, sagt die 27-jährige Kulturwissenschaftlerin Laura Pigge. „Es soll ein Musikerlebnis werden.“ Dafür werde das Museumsdorf auf Interaktivität und Hörstationen setzen. An den letzten Details des Ausstellungskonzeptes werde indes noch gefeilt.

Echtes „Stein“-Feeling – sogar für die Nase

Ziel sei es jedenfalls, dem Besucher einen „lebendigen Ort“ zu vermitteln. Der Gast solle sich wie bei einem Discobesuch fühlen. Das schließe den typischen „Sonnensteingeruch“ ein. „Im Depot schlägt er einem direkt entgegen. Das ist ein markantes Gemisch aus allem, was in der Diskothek durch die Luft geflogen ist. Und was die unterschiedlichen Tapetenschichten in sich aufgesogen haben“, erzählt Pigge. Die Geschichten des Gebäudes werden zudem in einem Begleitband zur Ausstellung erscheinen. Die Arbeiten daran sind in vollem Gange.

„Forschungsarbeit ist ein fortlaufender Prozess. Gerade bei einem solchen Projekt“, weiß Laura Pigge. Da gebe es immer wieder etwas Neues zu entdecken. „Kulturhistorisch ist dies hier der Idealfall für ein Freilichtmuseum“, sagt die Wissenschaftlerin und ergänzt: „Der Schlüssel wurde einfach umgedreht. Die letzte ausgedrückte Zigarettenkippe blieb im Aschenbecher. Das zerbrochene Glas räumte niemand mehr beiseite. Alles blieb unverändert. Es ist wie eine Zeitkapsel.“

Wer nicht da war, konnte nicht mitreden

Ähnlich hatte sich vor Jahren der damalige Museumsdirektor Dr. Uwe Meiners geäußert. Er schob das Vorhaben an, den „Stein“ nach Cloppenburg zu holen. Zunächst stand die Finanzierung auf tönernen Füßen, aber schneller als museumsseitig erwartet kam das Projekt dann doch zustande. Seit 2016, als die Planungen für die Translozierung (Umsetzung) der Disco begannen, wird die Geschichte des Lokals und seiner Gäste intensiv recherchiert. Die absolute Kurzversion lautet: In der Scheune aus dem Ende des 18. Jahrhunderts betrieb Johann („Jan“) Hasselmann ein Ausflugslokal mit angeschlossenem Saalbetrieb und Live-Musik. Dafür baute er das Gebäude 1959 massiv um. 1973 übernahmen Klaus und Gunda Sengstake die Immobilie und wandelten sie nach und nach in eine Diskothek um. Bis 2008 betrieben sie die Disco; dann verkauften sie die Immobilie. Zwei Wiederbelebungsversuche anderer Betreiber scheiterten in letzter Konsequenz. Ab 2014 war der „Stein“ endgültig geschlossen und drohte zu verfallen. Dann meldete das Museumsdorf Interesse an. „Für manche war die Disco wie ein zweites Zuhause“, sagt Laura Pigge. Besonders in der Boom-Ära der Landdiskotheken. Zeitzeugen hätten von der familiären Atmosphäre im „Stein“ geschwärmt. Die Diskothek sei ein Treffpunkt gewesen. „Tanzen spielte hier nicht die Hauptrolle“, lautet die Einschätzung von Museumsleiterin Dr. Julia Schulte to Bühne. Die Besucher nahmen teils lange Anfahrten in Kauf. Sie kamen aus Delmenhorst, Wildeshausen, sogar Bremen. „Der ‚Stein‘ war weithin ein Begriff“, weiß Laura Pigge. „Wer am Freitag nicht dort war, hatte am Samstag nichts zu erzählen.“

Bislang konnten sich Interessierte im Rahmen geführter Sonntagsspaziergänge zur Geschichte der Disco und zum aktuellen Fortschritt auf der Baustelle informieren. Doch die Coronapandemie machte diese Möglichkeit zunichte. Das Museumsdorf Cloppenburg zeigt nun über seine Social-Media-Kanäle wie etwa Facebook und Instagram regelmäßig, wie die Arbeiten vorankommen.

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