Bildmaterial für das „arcinsys“-Portal wird fortlaufend digitalisiert

Samtgemeindearchiv stellt demnächst alte Fotos online

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Arbeiten Hand in Hand bei der Digitalisierung des Fotomaterials: Günter Kastendieck (vorn) und Friedrich zur Hellen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wer sich über die Seite www.harpstedt.de im Internet auf das Archiv der Samtgemeinde Harpstedt klickt, der findet dort bislang nur Signaturen von Dokumenten und Bildern in Kombination mit Stichworten. Daraus lässt sich zwar ersehen, zu welchen Themen Material in Form von Bildern oder Urkunden vorliegt; die Dokumente selbst sind aber nicht online gestellt. Das soll sich ändern.

Seit Anfang des Jahres unterstützt Friedrich zur Hellen Archivar Günter Kastendieck im Keller des Harpstedter Amtshofes, wo historisch bedeutsame Materialien zur Heimatgeschichte zusammengetragen sind. Die Aufgabe des 66-Jährigen aus Hackfeld besteht darin, Bilder und Urkunden zu digitalisieren, will heißen: sie zu scannen und als PDF- oder TIFF-Dateien abzuspeichern, und zwar auf einer PC- und sicherheitshalber zusätzlich auf einer externen Festplatte.

Alsbald sollen die Dokumente nach und nach in das nun auch in Niedersachsen landesweit eingeführte Archivinformationssystem „arcinsys“ eingepflegt werden. „Dort tauchen wir unter ,Gemeindearchive‘ auf“, erläutert zur Hellen. Der im Ruhestand lebende Diplom-Bibliothekar bringt als ehemaliger Leiter der Datenverarbeitung und der Hochschulbibliothek der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Bremen geradezu optimale Voraussetzungen für den „Digitalisierungs-Job“ mit. Gleichwohl müssen auch er und Kastendieck sich mit dem „arcinsys“-System erst vertraut machen. Dies geschieht in Schulungen; die nächste steht im Oktober auf dem Programm.

Wo einmal die Weichbildrechtsurkunde von 1396 „einsortiert“ wird, lässt sich dem Portal bereits ersehen. „Das Digitalisat fehlt allerdings noch“, erläutert zur Hellen. Die Signaturen der Originaldokumente werden online übernommen. „Die Grundstruktur der Archivierung bleibt also erhalten“, ergänzt Günter Kastendieck. Gleichwohl wird es problemlos möglich sein, über die Eingabe von Suchbegriffen Materialien aufzuspüren. Das Online-Portal für alle relevanten niedersächsischen Archive habe den Vorteil, „dass wir hier lokal nichts mehr in digitaler Form vorhalten müssen“, weiß zur Hellen.

Die Bilder aus dem Samtgemeindearchiv nach und nach ins Internet zu stellen, könnte beim Schließen von Wissenslücken helfen. Häufig nämlich bekommt das Samtgemeindearchiv Fotos ohne Hintergrundinformationen überlassen. Oft ist das Entstehungsjahr nicht vermerkt, und auch zu den abgebildeten Personen fehlen jegliche Angaben. Kastendieck deutet beispielhaft auf eine Aufnahme, die aus dem ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts stammt. Im Hintergrund ist der Amtshof, damals als Lehrerwohngebäude genutzt, zu erkennen. Spannender aber ist der Vordergrund: Das Wasser des seinerzeit noch nicht von der Delme getrennten Burggrabens stand so hoch, dass darauf sogar – mit einem Ruderboot im „Schlepp“ – das kleine Dampfschiff „Luise“ des Müllers Adolf Freese Passagiere befördern konnte. Deren Namen wiederum wüsste Archivar Kastendieck schon gern. Online gestellte Fotos, so seine Hoffnung, könnten Interesse wecken und Bürger, die dazu Näheres wissen, ermuntern, sich bei ihm im Archiv (Tel.: 04244/8247) zu melden.

Die laufende Digitalisierung konzentriert sich zunächst auf das vorhandene Fotomaterial. Dokumente, etwa Sitzungsprotokolle, seien ein „späteres Thema“, so Kastendieck, weil ein Teil davon nicht – oder wegen geltender Fristen noch nicht – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden dürfe. Dieses umfangreiche Material zu digitalisieren, wäre im Übrigen eine „Lebensaufgabe“, vermutet zur Hellen. Was die Fotos angehe, so werde sicher schon im nächsten Jahr einiges davon online gestellt sein.

Bürger, die gern einmal einen Blick ins Samtgemeindearchiv werfen möchten, treffen Günter Kastendieck und Friedrich zur Hellen dort für gewöhnlich montags und donnerstags ab 14 Uhr an.

www.arcinsys.niedersachsen.de

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