AUS DEM GERICHT Richterin ermahnt 21-Jährigen: Es hätte auch Tote geben können

Betrunken gegen Poller: Führerschein ein Jahr weg

Nach dem Urteil ist der Führerschein für ein Jahr weg. Foto: dpa

Harpstedt – Wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und Unfallflucht muss ein 21-jähriger Harpstedter mindestens ein Jahr auf seinen Führerschein verzichten und 800 Euro an den Jugendstraffälligenhilfeverein „Brücke“ zahlen. Damit kam der Heranwachsende vor dem Jugendgericht des Amtsgerichtes Wildeshausen noch recht gut weg, weil er nicht nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wurde.

Der Harpstedter war am 30. Juni um 4.42 Uhr in seinem eigenen Wagen mit 1,22 Promille Alkohol im Blut gegen Holzpoller gefahren, angehalten, um Reifenteile einzusammeln und dann auf der Felge ein Stück weiterzufahren, um vor dem Haus eines Kumpels zu parken. Offenbar waren der Unfall und die Fahrt auf der Felge so laut gewesen, dass Nachbarn aufgewacht waren und die Szene mit dem Handy gefilmt hatten.

Zu leugnen gab es für den Angeklagten somit nichts. Er gab an, alle Konsequenzen tragen zu wollen. Doch so leicht kam er nicht davon. Die Jugendrichterin machte ihm deutlich, dass gerade erst vor wenigen Tagen ein betrunkener Autofahrer in Österreich sieben junge Menschen totgefahren hatte. „Es hätte auch bei Ihnen Tote geben können“, mahnte die Richterin, denn neben dem Harpstedter waren noch zwei Bekannte im Auto gewesen.

Der Angeklagte berichtete, er habe mit seinen Kumpels an einer Abschiedsfeier teilgenommen. Ab 20 Uhr hatte es Bier, Wodka und Sambuca gegeben. Hatte der junge Mann ursprünglich geplant, an Ort und Stelle zu schlafen, beschloss er am frühen Morgen mit seinen Kumpels, den Feierort zu wechseln. Vom Schwarzen-Berg-Weg wollte er auf den Fußweg zur Straße „Im Delmetal“. Dabei rammte er einen der Poller und flüchtete.

Die Polizei traf ihn zu Hause an. Um 7.09 Uhr betrug der Alkoholpegel noch 1,12 Promille. Damit war der Führerschein weg. Die ursprüngliche Anklage wegen Sachbeschädigung sowie Verkehrsgefährdung wurde vor Gericht fallengelassen. Die Richterin berücksichtigte aber, dass der junge Mann vorher schon zweimal mit THC im Blut von der Polizei erwischt worden war. Er gab zu, in früheren Zeiten regelmäßig Gras geraucht zu haben.

Der Jugendgerichtshelfer erklärte, er habe den Eindruck, dass es bei dem Angeklagten eine Reflexion gegeben habe. „Ihm ist klar, dass eine deutliche Verhaltensänderung nötig ist“, sagte er. Deshalb beantragte er eine Strafe von 500 Euro, weil der junge Mann eine feste Anstellung hat.

Der Staatsanwalt plädierte für 800 Euro Geldauflage und eine einjährige Führerscheinsperre, bevor der Harpstedter eine Medizinisch-Psychologische-Untersuchung beantragen kann. Dem schloss sich die Richterin an. „Den Führerschein werden Sie so schnell nicht wiederbekommen“, sagte sie. „Die Untersuchung wird nicht leicht und kostet einiges Geld.“

Der Angeklagte nahm das Urteil an. Zur Arbeit fährt er ohnehin seit Monaten vier Kilometer mit dem Fahrrad. Sein Auto hatte er nach dem Unfall an das Abschleppunternehmen abgegeben.  dr

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