Jürgen Meyer neuer Einsatzleiter

Besondere „Harfe“ für die „Rentnerbänd“

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Neben Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder (2.v.r.) und dem Vorsitzenden des Koems-Vereins, Klaus-Dieter Westphal (2.v.l.), gratulierten weitere Ratsmitglieder (nicht im Bild) der „Rentnerbänd“ zum „20-Jährigen“.

Anlässlich ihres 20. Geburtstages bekam die rührige Koems-„Rentnerbänd“ die „große Harpstedter Harfe“ verliehen - als Wertschätzung für außergewöhnliche ehrenamtliche Leistungen für Harpstedt. Bernhard Wöbse gab die Leitung der donnerstäglichen Arbeitseinsätze an Jürgen Meyer ab.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Wehmut schwang mit, als die Seniorengruppe am Donnerstagnachmittag ihr 20-jähriges Bestehen im Backhus auf dem Koems-Gelände feierte - im Beisein von sieben Fleckenratsmitgliedern. „Ich trete nicht in die zweite, sondern in die dritte Reihe zurück“, sagte Bernhard Wöbse. 20 Jahre Vorsitz in der Fördergemeinschaft Koems und weitere zwei Jahrzehnte als „Chef“ der „Rentnerbänd“ liegen hinter dem 80-Jährigen. Jetzt den Generalschlüssel für den Koems an den neuen Einsatzleiter abzugeben, fiel ihm sichtlich schwer.

„Gesundheitliche Gründe zwangen dich zu diesem Schritt, der für uns alle nachvollziehbar ist, aber uns dennoch sehr leidtut“, sagte Jürgen Meyer. Wöbse sei als einer der Begründer und langjähriger Koems-Vereinsvorsitzender „der treibende Kopf dieser segensreichen Einrichtung für den Flecken Harpstedt“ gewesen. „Dir lag es immer am Herzen, die ,Rentnerbänd’ mit sinnvollen Aufgaben zu betrauen, Geld- und Sachspenden für das Koems-Gelände und seine Scheunen zu organisieren und uns zu motivieren. Du hast auch Ausflüge, Fahrradtouren und viele andere Geselligkeiten organisiert und so die Moral der Truppe immer ganz oben gehalten“, lobte Meyer.

„Bernhard hat unheimlich viel Herzblut hiergelassen. Er war der Antreiber und der Ideengeber des ganzen Unternehmens Koems“, sagte der amtierende Vorsitzende der Fördergemeinschaft Koems, Klaus-Dieter Westphal, in seiner Laudatio. Dass Wöbse nun „Rentner“ in der „Rentnerbänd“ werden wolle, „gestehen wir ihm gerne zu“. Telefonische Hilferufe wie „Wir haben keine Arbeit mehr; was sollen wir nur machen?“ werde „ich sicher vermissen“, gestand Westphal. Er überreichte ein Präsent im Namen des Koems-Vereinsvorstandes - sowie weitere Geschenke an das weibliche „Brötchengeschwader“: Erika Horstmann, Elfriede Wöbse und Christa Fassauer kredenzen für die Arbeitsgruppe an jedem Arbeitsdonnerstag ein Frühstück.

Die Urkunde, die Bürgermeister Stefan Wachholder (r.) Bernhard Wöbse überreichte, deutet die Verleihung der „großen Harpstedter Harfe“ an.

Bernhard Wöbse dankte seinerseits der „Rentnerbänd“ für ihre „hervorragende Mitarbeit“ und „für die Umsetzung meiner Ideen“, dem Vorstand der Fördergemeinschaft für die gedeihliche Zusammenarbeit sowie für zumeist großes Einvernehmen und seiner Frau Elfriede, „die mir immer den Rücken gestärkt hat“.

Fleckenbürgermeister Stefan Wachholder gab der lokalen Presse gleich einen möglichen Titel für ihren Bericht über die „Geburtstagsfeier“ vor: „20 Jahre ,Rentnerbänd’ - eine Erfolgsgeschichte, die hoffentlich nie enden wird“. Die Verleihung der „großen Harpstedter Harfe“ gehe auf einen Antrag vom 8. November und einen Verwaltungsausschussbeschluss vom 23. November 2018 zurück. Die Auszeichnung muss der beauftragte Holzbildhauer allerdings erst noch fertigen. Wachholder konnte daher zunächst nur eine gerahmte Urkunde überreichen.

In die Wehmut mischte sich im Rückblick auf die vergangenen 20 Jahre jede Menge trockener Humor, für den Bernhard Wöbse seit Jahr und Tag bekannt ist. Im Zusammenhang mit der 2001 entkernten und renovierten Meyer-Scheune plauderte er ein wenig aus dem Nähkästchen: „Da kam eine Dame von der Oldenburgischen Landschaft, ein bisschen aufgetakelt, und meinte, in die Gefache müsse wieder Geflecht mit Lehm rein“. Woraufhin Wöbse dachte: „Das wüsste ich aber!“ Mit Unterstützung eines Experten setzte die „Rentnerbänd“ die Forderung gleichwohl um - zumindest zum Teil. „Links ist Mauerwerk, rechts Lehm“, deutete Wöbse während der Feierstunde auf ein Foto, das Harro Hartmann auf eine Leinwand „beamte“. Der Kommentar „Jetzt sagt mir mal bitte, wo da ein Unterschied zu erkennen ist!“ löste Erheiterung aus.

„Sagenhaft, wo er überall rumläuft!“

Die Motive für die „Beamer-Schau“ zum „20-Jährigen“ suchte Wöbse zusammen mit Hartmann aus - nicht ahnend, dass der Fotograf mehr als 11.000 Koems-Bilder geschossen hatte. „Als Harro nach Deutschland gekommen ist, nee, pardon, nach Harpstedt, hat er angefangen zu fotografieren. Sagenhaft, wo er überall rumläuft! Auf jeder Wiese ist er bekannt“, flachste Bernhard Wöbse.

Die Ursprünge der „Rentnerbänd“ gehen auf den Bezirksfeuerwehrtag von 1998 zurück, erinnerte er sich. Seinerzeit musste auch eine Zuwegung zum Wettbewerbsplatz angelegt werden. Nach einem Aufruf über die lokale Presse kamen zwölf Freiwillige, um in der „Donnerstagsgruppe“ mitzuarbeiten. Im Jahr darauf war die Zahl der Mitstreiter bereits auf 21 angewachsen.

Der „Rentnerbänd“ verdankt Harpstedt nicht nur das Ensemble aus entkernten und renovierten, teils auch umgesetzten Scheunen sowie die Pflege der darin befindlichen 1 465 historischen Exponate. Unendlich viel Arbeit floss auch in andere Projekte. So hat allein der Koems-Saal binnen 20 Jahren drei neue Innenanstriche verpasst bekommen und außerdem - wie auch der „Lämmerkoven“ - eine neue Toilettenanlage. Ein Kugelfang für den Schießstand, die Verrohrung eines 45 Meter langen, pflegeintensiven Grabens, die Pflanzung von 250 Meter Buchenhecke, die Anlegung von Wanderweg und Rhododendrenbeeten, die Fertigung von Sitzmobiliar für draußen und drinnen sowie die Schaffung abgeteilter Lagerräume innerhalb der Schießhalle zählten zu den vielen, kaum mehr aufzählbaren Vorhaben, die von der „Rentnerbänd“ mit oder komplett allein umgesetzt worden sind. „Auch die Tische und Bänke hier im Backhus hat die Gruppe gebaut. Das Holz habe ich bei Heiner Rohlfs gekauft. Den Preis, 152 Euro, werde ich nie vergessen“, sagte Wöbse. Er sparte durch Brandstiftung zunichte gemachte Arbeit in seinem Rückblick nicht aus. Den abgefackelten Holzlagerunterstand auf dem Koems-Gelände baute die „Rentnerbänd“ neu auf. Für die Schutzhütte am Horstedter Weg, die ein Feuerteufel ansteckte, nachdem die „Donnerstagsgruppe“ sie neu eingedeckt hatte, gibt es (noch) keinen Ersatz.

Immer wieder arbeiteten die Senioren nicht nur auf dem Koems-Gelände, sondern halfen auch an anderer Stelle aus. Davon profitierte etwa der Verkehrs- und Verschönerungsverein. Vor allem aber die Kirche - sowohl bei der Renovierung des Gotteshauses als auch bei der Anlegung des Bibelgartens und der Friedhofsneugestaltung. „Pastor Gunnar Schulz-Achelis hatte uns gut im Griff“, meinte Wöbse schmunzelnd. Was kaum jemand wisse: Harry Löhmann habe das Tor des Friedhofskapellenvorplatzes gefertigt.

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