Radsicherheit in Harpstedt

Verkehrsregelung begünstigt Kollisionen

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Das Nadelöhr zwischen Verteilerkasten und Laternenmast misst nur gut einen Meter. Gut vorstellbar, dass sich hier Radler ins Gehege kommen.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Seit den 80er-Jahren scheinen die beidseitig entlang der Langen Straße in Harpstedt mittig auf den Fuß- und Radwegen platzierten Straßenlaternen kaum jemanden zu stören. Von daher kam die jetzt von Einwohner Uwe Herold gegenüber unserer Zeitung geäußerte Ansicht, die Masten seien unfallträchtig für Radfahrer, einigermaßen überraschend.

Er sei selbst schon dagegen gefahren. Und erst vergangene Woche habe er einen Jungen gesehen, vielleicht zehn Jahre alt, dem dasselbe passiert sei. Das Kind habe sich wehgetan und leicht verletzt. Nach Herolds Ansicht gehören Laternenmasten an den Rand des Wegs – und nicht in die Mitte.

Im Falle der Langen Straße ließe sich das aber kaum umsetzen, zumal Geschäftshäuser teils bis an den Fuß- und Radweg heranreichen. Auf der Grenze zwischen Fahrbahn und Nebenanlage stünden sie ebenfalls denkbar schlecht. Dort würden sie vermutlich binnen kürzester Zeit umgefahren, ahnt die Untere Verkehrsbehörde (Straßenverkehrsamt).

Von der Bauart her machen die Leuchten im Übrigen nur mittig platziert Sinn, weil die jeweils zwei Lampen an der blumenampelförmigen Konstruktion die Bereiche links und rechts des Mastes ausleuchten. Eigentlich müssten Radler bequem daran vorbeikommen – trotz des einen oder anderen Nadelöhrs. Beim ehemaligen Solarium „Harpstedter Sonne“ etwa ist es eng. Dort misst die „Lücke“ zwischen einem Strom-Verteilerkasten und einer Laterne nur gut einen Meter.

Problem: Wege dürfen in beide Richtungen befahren werden

Allerdings „vertragen“ sich die mittig positionierten Masten nicht gut mit der Beschilderung: Auf der Langen Straße dürfen die beidseitigen Fuß- und Radwege nämlich in beide Richtungen befahren werden. Das birgt nicht nur die Gefahr, als Radler von jenen Verkehrsteilnehmern übersehen zu werden, die aus einmündenden Straßen kommen, sondern kann auch auf den Fuß- und Radwegen brenzlige Situationen nach sich ziehen. 

Gut möglich, dass mal ein Ausweichmanöver im Begegnungsverkehr zweier Radler vorm Laternenpfahl endet. Die Befahrbarkeit der Nebenanlagen in beide Richtungen hält selbst das Straßenverkehrsamt für nicht optimal. Die Behörde überprüft aktuell, wo es Sinn machen würde, die Radwegbenutzungspflicht innerorts aufzuheben. 

In Harpstedt existieren teils schon Fußwegschilder mit zusätzlichem Hinweis „Radfahrer frei“. Auf der Langen Straße aber nicht. Dort steht die Prüfung noch aus. Und bis sich dort was ändert, sind zwingend die Fuß- und Radwege zu benutzen. 

Radfahrer könnten auf die Straße ausweichen

Ob angesichts der hohen Verkehrsdichte eine Aufhebung der Radwegbenutzungspflicht für die Lange Straße zu mehr Sicherheit beitrüge, steht auf einem anderen Blatt. Denn das hieße, die Radler hätten die freie Wahl: Sie könnten entweder die Fahrbahn oder den Fußweg nutzen – beides allerdings nur in Fahrtrichtung, versteht sich; damit würde dann zumindest das „Laternenproblem“, wenn’s denn überhaupt eins gibt, entschärft.

Doch könnte es neuen Ärger geben – wie schon auf der L 338 (Burgstraße/Amtsfreiheit): Martin Bruns aus Wildeshausen beschwerte sich im April in einer Zuschrift an unsere Zeitung darüber, er werde, wenn er als Radler die Fahrbahn der L 338 nutze, angehupt und von wild am Lenkrad gestikulierenden Autofahrern überholt. Offenbar seien viele Verkehrsteilnehmer über die Bedeutung der Verkehrszeichen nicht im Bilde. 

„Von zehn Fahrzeugen hupten drei mich an“

„Hier in Harpstedt“, so heißt es in der Zuschrift, „habe ich (...) mal gezählt. Von zehn Fahrzeugen hupten drei Pkw-Führer mich an – zwei Männer und eine Frau.“ Das Beispiel zeigt: Warum es der Gesetzgeber Radlern bei entsprechender Beschilderung gestattet, innerorts optional die Fahrbahn zu nutzen, obwohl gut ausgebaute Nebenanlagen existieren, erschließt sich keineswegs jedermann unmittelbar. 

Studien zufolge sollen Radfahrer auf der Fahrbahn sicherer unterwegs sein als auf dem Radweg. Allerdings scheiden sich mittlerweile die Geister an der Frage, ob die Untersuchungsergebnisse richtig gedeutet worden sind. Zweifel daran werden in Blogs und anderen Publikationen laut.

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