125. Geburtstag

Zum Jubiläum: Blick in die alten Statuten Feuerwehr Harpstedt

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„Erst“ 25 Jahre hat diese Mannschaftsaufnahme der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt auf dem Buckel.

Harpstedt - Längst nicht jede Institution verfügt über so aufschlussreiche Quellen aus ihrer Gründerzeit wie die seit 125 Jahren bestehende Freiwillige Feuerwehr Harpstedt. So sind die allerersten Statuten von 1893 der Nachwelt erhalten geblieben. Manches daraus klingt für heutige Ohren lustig, manches überholt, vieles soldatisch.

So heißt es etwa unmissverständlich in §15 zum Dienstreglement: „Die freiwillige Feuerwehr soll ein militärisch organisiertes und diszipliniertes Corps sein. Sämtliche Mitglieder müssen es sich zur strengen Pflicht machen, alles zu thun, was in ihren Kräften steht, um sich dem Verein und seinem Zwecke nützlich zu machen.“ 

Das schließe „ein ehrenhaftes mannliches Betragen“ im Dienst und außerhalb des Dienstes ein, will heißen: Nüchternheit, Pünktlichkeit, Ruhe und Ausdauer sowie „Muth und Besonnenheit“.

In ihren Anfängen stellte sich die Feuerwehr voll und ganz in den Dienst der Brandbekämpfung. Sie habe den Zweck, „bei Feuersgefahr in Harpstedt und dessen nächster Umgebung schnelle und energische Hilfe zu leisten“, heißt es kurz und bündig in §1 der Statuten. 

Wer fehlte oder zu spät kam, wurde bestraft

Selbstreflexion und -kritik gehörten auch damals schon zum eigenen Anspruch, wie sich aus §12 herauslesen lässt: „Nach jedem Brande wird eine Versammlung der freiwilligen Feuerwehr folgen, in welcher die Thätigkeit derselben bei dem Brande und die etwas hervorgetretenen Mängel und Unzuträglichkeiten besprochen werden.“

Einfach mal unentschuldigt fehlen oder zu spät kommen – das ging in der Gründerzeit gar nicht und wurde sanktioniert. Dabei oblag das „Anschwärzen“ den Zugführern. Die nämlich, so besagt §5, Absatz 9, hätten „die strenge Pflicht, bei Übungen und Bränden genaue Präsenzlisten zu führen und die fehlenden sowie die zu späth erschienenen Mitglieder spätestens innerhalb 24 Stunden dem Hauptmann zu melden“. 

Die Zugführer hätten ferner „alle vorgekommenen Unregelmäßigkeiten und statutenwidrigen Handlungen ihrer Mannschaften sowie auch etwaige Mängel an den Geräthen zur Anzeige zu bringen“. 

Im schlimmsten Fall drohte den „Sündern“ der Ausschluss

Unehrenhaftes Betragen und Handlungen wider die Interessen der Feuerwehr konnten auf Antrag weniger Mitglieder die Einberufung einer Generalversammlung nach sich ziehen, der es wiederum oblag, über „die Ausstoßung“ des „Sünders“ zu beschließen.

Dass der Ton früher soldatisch-zackig gewesen ist, lässt schon die Vorschrift, „im Dienste sich steths des militärischen Grußes zu bedienen“, erahnen. Unfreiwillig komisch wirkt dagegen das in den Statuten verankerte Gebot, „sich während des Dienstes störenden Sprechens und des Tabakrauchens zu enthalten“, sofern „das Letztere nicht ausdrücklich vom Hauptmann gestattet ist“.

Geradezu versöhnlich stimmt dieser Satz: „Bequemlichkeiten dürfen sich die Mannschaften nach vorgängiger Erlaubnis der Vorgesetzten gestatten.“

Einige der Vorgaben könnten auch heute noch gültig sein

Andere Passagen könnten – so oder so ähnlich – hingegen noch heute die Feuerwehrmänner und -frauen unterschreiben – etwa die Verpflichtung, „bei Alarmierung sich unverzüglich in voller Ausrüstung zu den Geräthen zu begeben“.

Im Dritten Reich firmierte die Feuerwehr Harpstedt unter dem Begriff „Feuerlöschpolizei“. Als Folge vieler Einberufungen zum Kriegsdienst wurden 25 Pflichtfeuerwehrleute eingegliedert.

Der Wehrführer hieß jahrzehntelang „Hauptmann“. Das heutige begriffliche Pendant Ortsbrandmeister klingt deutlich weniger militaristisch. 

Zur Jubiläumsfeier lädt die Feuerwehr am Samstag, 16. Juni

Zwölf „Chefs“ hat die Feuerwehr Harpstedt in 125 Jahren gehabt: Lehrer Stichnote, Hermann Nadermann, Friedrich Horstmann, Hinrich Hoffmeyer, Heinrich Hespe, Heinrich Gröper, Georg Schulenberg, Hermann Hoffmeyer, Günter Rohdenburg, Hermann Kruse, Rolf Ranke und – aktuell – Eric Hormann.

• Das 125-jährige Bestehen feiert die Wehr am Sonnabend, 16. Juni, ab 11 Uhr auf dem Koems-Gelände (im Anschluss an einen 10-Uhr-Freiluftgottesdienst). - boh

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